Jacqueline Kelly: Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen

Ein heißer texanischer Sommer im Jahr 1899. Calpurnia ist elf Jahre alt und lebt gemeinsam mit ihren Eltern, den sechs Brüdern und dem Großvater auf einem recht großen Anwesen, welches von zahlreichen Pekannussbäumen und einer stattlichen Baumwollplantage umgeben ist. Die Familie genießt in der Gegend ein recht hohes Ansehen und daher wird von den Kindern auch ein entsprechendes Verhalten verlangt und sie erhalten eine passende Schulbildung. Dass zur damaligen Zeit die Schulbildung der Mädchen auf viele handwerkliche Tätigkeiten bezogen ist, gefällt Calpurnia gar nicht. Einerseits liegt es daran, dass sie recht ungeschickt ist und keinen richtigen Sinn in dem Erlernen der diversen „Frauentätigkeiten“ erkennt. Schließlich gibt es genügend Menschen, die das Kochen, Putzen oder Stricken beruflich ausüben. Andererseits schlummert in ihr auch eine große Entdeckerin, die die Natur liebt und die Zusammenhänge verstehen möchte.

Allerdings findet sich in der Familie kein Vertrauter, der ihre Sehnsucht nach Freiheit und ihren Drang nach naturwissenschaftlicher Bildung nachvollziehen kann. Calpurnia würde dies auch nicht so ausdrücken. Für sie ist es mehr ein Gefühl, dass sie nicht in die für sie vorgesehene Rolle passt und dass da draußen doch noch mehr sein muss. Das Schwanken zwischen Alltagsleben und einem diffusen Verlangen erfährt eine Änderung als Calpurnia sich mit einer Frage an ihren Großvater wendet und dieser seine Enkelin zum Nachforschen anregt. Da er selbst einmal in einem Gespräch mit dem Pfarrer über ein Werk von Charles Darwin gesprochen hat und der erwähnte Inhalt etwas mit Calpurnias ersten Forschungsfragen zu tun haben könnte, nutzt sie einen Ausflug in die Stadt, um an das Buch zu gelangen. Allerdings hatte sie nicht mit der Empörung gerechnet, die ihr aus dem gesamten Leib der Bibliothekarin entgegen springt.

Diese Haltung ist für das Mädchen überhaupt nicht nachvollziehbar, da sie von den Debatten in der Gesellschaft keine Ahnung hat. Wütend berichtet sie ihrem Opa von der Erfahrung. Dieser lässt sie in sein größtes Heiligtum und zeigt ihr in der Bibliothek seine eigene Ausgabe des Buches. Damit ist die Forschungsgemeinschaft endgültig besiegelt und die beiden verbringen jede freie Minute miteinander. Sie erkunden die Natur, führen Experimente durch und philosophieren zusammen. Dadurch eröffnet sich für Calpurnia eine völlig neue Welt und sie scheint nun ein Ziel zu haben: Das Studium an einer Universität.

Jacqueline Kelly schafft es ohne anklagenden Worte die Zerrissenheit des Mädchens an der Jahrhundertwende darzustellen. Sie gleicht die kindliche Leichtigkeit mit der harten Realität ab, zeigt aber gleichzeitig Wege auf, die es Calpurnia ermöglichen könnten glücklich zu werden. Dabei versucht das Mädchen sich anzupassen, wird aber immer wieder von ihrer Neugier überwältigt. Sie möchte den Wünschen der Eltern gerecht werden und gleichzeitig ihre eigenen Ziele verfolgen. Der Großvater gibt nur immer wieder Anstöße, die sie zum Weiterdenken animieren und dazu führen, dass sie bestimmte gesellschaftliche Aspekte infrage stellt, aber auch eigene Interpretationen und Ideen formuliert. Dies verpackt die Autorin in eine sehr humorvolle und wunderbar ansprechende Sprache, die einfach Lesefreude bereitet. Die Satzkonstruktionen sind sehr angenehm in Bezug auf Länge und Verschachtelungen. Die Wortwahl passt zum Thema, der damaligen Zeit und ist für eine breite Zielgruppe angemessen. Jugendliche Leser, die Interesse an Naturwissenschaften und der damaligen Lebenswelt haben werden nicht überfordert, erwachsene Leser werden aber gleichzeitig auch nicht gelangweilt.

Insgesamt hat mich das Buch sofort gepackt. Die Figuren waren mir auf Anhieb sympathisch, die Entwicklung der Geschichte ist nachvollziehbar und gleichzeitig spannend. Man wächst ein wenig mit Calpurnia über bestehende gesellschaftliche Konstrukte hinaus und bezieht verschiedenste Gedankengänge auch auf die heutige Zeit. Unweigerlich kommt dabei natürlich der Gedanke auf, ob sie in der heutigen Zeit wohl glücklicher sein würde oder ob es nicht gewisse Zwänge gibt, die sie auch heute noch einengen würden. Letztendlich ist die sich entwickelnde Beziehung zwischen dem Mädchen und ihrem Großvater so eine liebevolle Angelegenheit, dass man beim Lesen auch solche Wohlfühlmomente hat, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen will. Somit enthält die Geschichte alles, was ein wirklich schönes Buch ausmacht und daher kann ich dieses Werk uneingeschränkt empfehlen. Es ist einfach wundervoll.

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Empfohlen vom Verlag ab 12 Jahren
Fester Einband
336 Seiten
16,90€
ISBN 978-3-446-24165-7

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Peter Goes, Die Zeitreise. Vom Urknall bis heute

Vor einiger Zeit habe ich HIER die Weltgeschichte in 70 Karten rezensiert. In meiner Rezension bin ich auch auf die sehr farbigen und modernen Abbildungen eingegangen. Das Buch von Peter Goes hat zwar theoretisch das gleiche Thema, hebt sich aber von dem gerade genannte Buch stark ab.

„Die Zeitreise“ hat ein recht großes Format (27,6 x 37,7 x 1,4 cm) mit dem es etwas an die Wimmelbücher erinnert. Und auch im Inneren wimmelt es freudig herum, allerdings nicht so einfach strukturiert wie in den Bilderbüchern. Auf 78 Seiten wird pro Doppelseite ein wichtiges Thema der Erd- und Menschheitsgeschichte angesprochen. Dabei stehen die grafischen Darstellungen stark im Mittelpunkt. Sie sind recht dunkel gehalten und haben einen klaren und auf den ersten Blick eher starren Stil, der allerdings viele Details bereit hält, welche man erst bei einem zweiten oder dritten Blick erfassen kann. Gleichzeitig wird den Betrachtern aber ausreichend Raum für eigene Interpretationen gelassen. Farbliche Akzente werden nur an wenigen Stellen gesetzt, springen dann aber sofort ins Auge.

Zu jedem Thema gibt es einen kurzen Einführungstext, der auch aufgrund des Darstellungsform heraussticht, weil er zusammenhängend und linksbündig abgedruckt wurde. Alle anderen Sätze, Erklärungen und Hinweise bewegen sich wie kleine Wellen um die Bilder. Sie schmiegen sich an, verstecken sich ein bisschen und bringen so eine Art Bewegung in das Bild. Sie geben übersichtliche Informationen und laden zu einem weiteren Entdecken ein, da sie sehr kurz gehalten sind und eher wie kleine Notizen wirken. Gleichzeitig sind diese wenigen Punkte aber auch sehr gehaltvoll und stellen keinesfalls unnützes Wissen dar. Interessant ist, dass die Anzahl der Informationen mit der Zeit zunimmt. Das heißt, dass eher modernere Themen in ihrer Darstellungen zunächst überladener wirken als zum Beispiel die Seiten über die ersten Menschen. Aber schließlich sind die Informationen, die wir aus den letzten Jahrhunderten haben, aufgrund der Sprache und der Schrift auch umfangreicher vorhanden. Gleichzeitig treten auch immer mehr Farben in den Darstellungen auf. Man kann also sagen, dass es sich hier um eine indirekte Spiegelung unserer Gesellschaft handelt, die immer mehr Informationen erzeugt, aber auch vielfältiger wird. Dies mag vielleicht nicht den jungen Betrachtern auffallen wird, aber eventuell in das Bewusstsein der großen „Mitleser“ dringen.

Man kann also zusammenfassend sagen, dass „Die Zeitreise“ ein wirklich interessantes Kinderbuch ist, das durch eine ästhetische Darstellung und prägnante Texte überzeugt. Es ist anders als viele „Erklärbücher“, die vielleicht auf den ersten Blick strukturierter erscheinen, aber doch alle gleich aussehen. Man kann es schon als Kunst für Kinder bezeichnen 🙂

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78 Seiten 
ISBN 978-3-407-82128-7
24,95€
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Regina Stürickow: Kommissar Gennat ermittelt. Die Erfindung der Mordinspektion

Wer sich ein bisschen mit dem Thema Mordkommission befasst und historische Aspekte nicht außer Acht lässt oder gut recherchierte historische Kriminalromane mag, stolpert unfreiwillig irgendwann über den dicken Kommissar aus Berlin. Auch in diversen Filmen taucht er immer wieder auf und wer 2015 den Film „Mordkommission Berlin 1“ sowie die dazugehörige Dokumentation gesehen hat, weiß schon einige Dinge über Ernst Gennat.

Bereits 1998 hatte Regina Stürickow mit „Der Kommissar vom Alexanderplatz“ eine fundierte Biografie über Gennat vorgelegt. „Kommissar Gennat ermittelt“ ist praktisch eine überarbeitete und erweiterte Version des ersten Buches.

Das Buch ist unterteilt in drei große Kapitel, die sich an den drei historischen Epochen orientieren, die der Kommissar miterlebt hat. Im ersten Kapitel geht es um seinen Aufstieg während des Kaiserreiches, anschließend wird seine beste Zeit während der Weimarer Republik dargestellt und anschließend geht es um die eher letzten Jahre im Nationalsozialismus. Obwohl Gennat natürlich im Mittelpunkt steht, wird auf den knapp 200 Seiten nicht nur über seine Persönlichkeit berichtet. Es geht eher um interessante und spektakuläre Fälle, an denen er gearbeitet hat. Ganz nebenbei werden dann seine Methoden und persönliche Aspekte dargelegt. So lernt man das Arbeitsschema kennen, das der Kommissar für Todesermittlungen entwickelt hat, und welches heute noch fast genauso angewendet wird. Aber man erhält auch einen kleinen Blick hinter die Kulissen und erfährt wie Gennat gelebt hat und dass die Arbeit in gewisser Weise eine Familie ersetzt hat. Zudem werden die historischen Umstände ausreichend, aber nicht zu ausufernd eingearbeitet. So können Umstände für Taten und der Umgang mit Straftätern besser verstanden werden. Gleichzeitig wird dadurch aber auch deutlich, dass Gennat eine Einstellung zu Verbrechen und Tätern hatte, die unbewusst stark vom Humanismus geprägt und ihrer Zeit ein wenig voraus war. Grundlage hierfür waren seine Beobachtungen und Erfahrungen, die er in seiner Jugend und während der Dienstjahre machte. Erstaunlich ist allerdings, dass er diese innere Haltung nicht in politischer Hinsicht anwendete. Politik war ihm eher gleichgültig. Er wollte seine Arbeit machen und orientierte sich dabei an seinen Wertmaßstäben. Wenn diese nicht mit der politischen Führung übereinstimmten, versuchte er trotzdem einfach weiterzumachen. Und aufgrund seines Rufes gelang ihm dies auch überwiegend. Politisch aktiv engagiert hat er sich allerdings nie.

Die Autorin berichtet über die Fälle und den Kommissar in einer angenehmen und gut zu lesenden Sprache. Sie erklärt wichtige Begriffe und rechtliche Hintergründe auf eine verständliche Art und Weise. Man merkt, dass sie umfangreich recherchiert hat und über die damalige Polizeiarbeit einen großen Wissensschatz angehäuft hat. Untermauert werden die Geschichten mit Originalaufnahmen der damaligen Zeit und vielen Archivalien. Diese werden gut in den Text eingebettet. Allerdings fand ich die Farbgebung, die sich an dem Rot des Umschlages orientiert nicht gut gelungen. In vielen Fotos wurden Details rot hervorgehoben. Dies empfand ich als unnötig und teilweise auch als nicht gelungen. Ebenso empfand ich beim Lesen die roten Einschübe (mit weißer Schrift) als störend.

Grundsätzlich habe ich die einzelnen Kapitel mit sehr viel Interesse und ziemlich schnell gelesen. Daher bin ich von dem Buch auch angetan. Einzig das fiktive Interview mit Ernst Gennat passt nicht in den restlichen Zusammenhang. Hier hat man den Eindruck, dass die Autorin unbedingt zeigen wollte, dass sie viel über den Kommissar weiß und sogar in der Lage ist ein fiktives Interview zu erstellen. Mich hat dies aber eher gelangweilt. Schade finde ich auch, dass viele Fälle umfangreich und wirklich spannend dargestellt werden, dann aber mit dem Hinweis enden, dass man über die Verurteilung bzw. das Strafmaß nicht sin den Akten findet. Hier würde ich mir wünschen, dass man zumindest auf ähnliche Fälle verweist. Diesbezüglich lädt die Autorin aber indirekt zu eigenen Recherchen ein, da sie ein wirklich gutes und umfangreiches Literatur- und Quellenverzeichnis an das Ende ihres Werkes stellt.

Fazit: Obwohl ich einige Aspekte nicht so ganz gelungen finde, ist das Buch im Ganzen empfehlenswert. Wer mehr über Kommissar Gennat und die Kriminalgeschichte der damaligen Zeit wissen will, sollte zu dem Buch greifen. Es ist sehr gut lesbar und spannend geschrieben, bestückt mit vielen Fotos und zahlreichen Quellen.

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ca. 208 Seiten
17 x 24 cm
rund 100 Abbildungen Hardcover mit Schutzumschlag

Manfred Vasold: Hunger, Rauchen, Ungeziefer. Eine Sozialgeschichte des Alltags in der Neuzeit

In der Geschichtswissenschaft gibt es immer wieder neue Perspektiven oder thematische Schwerpunkte, die in den Mittelpunkt gestellt werden. Nach vielen Jahren, in denen es nur um die so genannten großen Männer der Geschichte ging, schaute man vermehrt auf das einfache Volk und beschäftigte sich mit Quellengattungen, die vorher etwas stiefmütterlich behandelt wurden. Doch Statistiken und Tagebücher sowie Krankenakten und zunächst belanglos wirkende Notizen können wir nur verwenden, wenn wir eine große Anzahl davon zur Verfügung haben.

Bezogen auf die Neuzeit haben wir zum Glück eine Vielzahl der genannten Quellen, auch wenn es natürlich regionale Unterschiede gibt. Und eine sehr großeMenge ist bereits erschlossen, so dass eine Arbeit mit ihnen recht einfach möglich ist. Dies ist für die multiperspektivische Herangehensweise, die in den letzten Jahren (zum Glück) stärker in den Mittelpunkt gerückt ist, eine hervorragende Voraussetzung. Allein die Multiperspektivität reicht aber nicht aus, um ein Thema gut zu erfassen und sich ein Urteil zu bilden. Die Sozialgeschichte hilft uns wiederum die Perspektiven in eine Relation zu stellen und die Positionen der Akteure zu definieren. Dabei wird leider oftmals das Alltägliche, was den historisch interessierten Menschen für ein Thema begeistern kann, ausgeblendet. Manfred Vasold versucht mit seinem Buch eine Brücke zwischen allen genannten Berichte zu erbauen.

In elf Kapiteln behandelt der Autor so unterschiedliche Themen wie Opferzahlen im Dreißigjährigen Krieg, die Geschichte der Unterhose und einen historischen Abriss über das Rauchen. Da die Inhalte sehr unterschiedlich sind, variieren die Kapitellängen auch stark. Das kürzeste Kapitel (Säuglingssterblichkeit) weist eine Länge von 15 Seiten auf und das längste Kapitel (Kausalkette Wetter, Armut, Hunger und Gewalt) ist dreimal so lang. Was allen Kapiteln gleich ist, ist der recht umfangreiche Literaturanhang. Dies zeigt die wirklich gute Recherche des Autors und bietet viele Möglichkeiten der weiteren Themenbearbeitung. Mir ist aber aufgefallen, dass wahrscheinlich gerade deshalb das Lesen der einzelnen Kapitel etwas erschwert ist. Vasold legt die Erkenntnisse aus den einzelnen Werken gut dar und verbindet die Tatsachen und Schlussfolgerungen auch stets miteinander. Aber bei einigen Kapiteln fehlte mir der eigene Anteil in gewisser Weise. Man hat mehrfach den Eindruck, dass es sich um eine Zusammenstellung der gelesenen Arbeiten handelt, aber eigene Gedanken kaum vertreten sind. Das finde ich bei dem Thema Sozialgeschichte schade, weil man recht gut Bezüge herstellen kann, ohne auf einen anderen Autor verweisen zu müssen. Hat man sich aber an diese Vorgehensweise gewöhnt, taucht man tief in die Sozialgeschichte des Alltags ab und ist fasziniert von den Darstellungen.

Die unterschiedlichen Themenbereiche sorgen für einen umfangreichen Überblick über die wichtigen Entwicklungen und treffen gleichzeitig den Nerv einer großen interessierten Leserschaft. Denn schließlich sind wir alle nicht nur an den Dingen interessiert, die wir schon aus den Geschichtsbüchern kennen. Wir wollen auch Informationen über die Aspekte haben, die sonst kaum oder nie auftauchen. Schließlich ist die Geschichte der Unterhose eine historische Begebenheit, die uns noch heute beeinflusst. Durch diese Auswahl und einige eingebettete Anekdoten kommt auch der Spaß beim Lesen nicht zu kurz. Dafür sorgen auch die Sprache des Autors, die leicht verständlich ist und der Satzbau, der einen angenehmen Lesefluss erzeugt.

Insgesamt handelt es sich also um ein Buch, dass man interessierten Laien und jungen Studenten ebenso empfehlen kann. Auch wenn dem Autor der Spagat zwischen wissenschaftlicher Literatur und dem gemeinen Sachbuch nicht so gut gelingt. Doch damit kann man als Leser nach einer gewissen Eingewöhnungsphase doch recht gut leben.

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424 S., 14 s/w Abb., 7 s/w Tab., 3 s/w Fotos.
Gebunden
ISBN 978-3-515-11190-4
EUR 29,00

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Recht herzlichen Dank an Literaturtest für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Was geschah wann? In 70 Karten durch die Weltgeschichte

Der Verlag DK (Dorling Kindersley) ist mittlerweile bekannt für großformatige und reich bebilderte Erklärbücher, die Leser der verschiedensten Altersklasse ansprechen. Dabei werden klassische und sehr aktuelle Themen gleichfalls beachtet.

Der in der Überschrift genannte Titel weist bereits sehr klar auf das Thema des vorliegenden Buches hin. In dem 160-seitigen Buch, welches eine stattliche Größe aufweist (ca. 25,7 cm/30,7 cm), werden über 70 großformatige Karten wichtige Aspekte aus vier historischen Epochen dargelegt. Unterschieden wird zwischen Frühzeit und Antike, Mittelalter, Neuzeit sowie 20. und 21. Jahrhundert. Die geringste Kartenanzahl entfällt auf das Mittelalter, wobei trotzdem die wichtigsten Ereignisse beziehungsweise Prozesse erwähnt werden.

Jedes Kapitel beginnt mit einer Zeitleiste, die sich über zwei Seiten schlängelt und einen guten Überblick über die jeweilige Epoche gibt. Anschließend beginnen gleich die Karten, welche zwar einen thematischen Schwerpunkt haben, aber natürlich auch wie bei klassischen Karten einen geografischen Bezug herstellen. Für jede Karte gibt es eine eigene Legende, die auch wirklich notwendig ist, da die digital erarbeiteten Karten teilweise recht stark gefüllt sind.Man muss aber ganz klar sagen, dass es hier sehr große Unterschiede gibt. Manche Karten wirken recht leer, andere sind sehr voll und zeichnen sich durch viel Text aus. Da die Redakteure sehr darauf bedacht waren, dass die Leserlichkeit trotzdem nicht eingeschränkt ist, fühlt man sich bei manchen Karten zunächst etwas erschlagen. Die Gestaltung ist generell aber sehr klar und farbig, auch sehr modern.

Als Zielgruppe sehe ich eher größere Leser (ab 8) mit Interesse an Geschichte und einem guten Denkvermögen, da manche Zusammenhänge recht komplex sind. Es handelt sich aufgrund der vielen Texte eher nicht um ein Buch, das man gemeinsam mit kleinen Lesern betrachtet. Trotzdem lädt es aber zum Entdecken ein und vermittelt auch wissen, wenn man nicht den gesamten Text liest.

Erwähnen möchte ich auch noch, dass es sich endlich mal um ein Buch mit historischen Themen handelt, welches nicht die rein europäische Perspektive zeigt. So gibt es zum Beispiel auch Karten die sich mit der Öffnung Japans oder Indiens Unabhängigkeit beschäftigen. Gerade solche Themen tauchen leider viel zu selten in anderen Kinderbüchern auf, wecken aber sehr schnell das Interesse von Kindern und Jugendlichen, da ihr Wissen in diesen Bereichen noch sehr oberflächlich ist.

Fazit: Das Buch wirkt zunächst etwas überladen, beinhaltet aber sehr interessante und wichtige Aspekte der Geschichte. Sie werden ziemlich bunt dargestellt, sprechen aber die Zielgruppe dadurch direkt an. Ich empfehle einen dringenden Blick in das Buch und ein Verschenken an interessierte Kinder im Verwandten- und Freundeskreis.

Cover_193419_GER.indd160 Seiten
70 farbige doppelseitige Karten und über 100 Farbfotos
gebunden
ISBN 978-3-8310-2915-0
EURO 16,95 [D] 17,50 [A]

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Mycielska u.a., Das funktioniert? Verblüffende Erfindungen

Natürlich klappt nicht alles, aber soll man deshalb gar nichts riskieren? Selbst etwas zu entwickeln, ist ja auch ein Heidenspaß und macht richtig Laune. Und außerdem: Je mehr Versuche, desto höher die Erfolgsaussichten.

In der Menschheitsgeschichte gab es viele Erfindungen, die sinnig und unsinnig waren. Die Bedeutung mancher Entwicklungen wurde den Menschen erst später bewusst oder die Erfindungen haben vielleicht nicht sofort funktioniert, aber andere Wissenschaftler beeinflusst und vorangebracht. Małgorzata Mycielska sowie Alexandra und Daniel Mizielińscy berichten in ihrem gemeinsamen Buch über genau solche Erfindungen. Sie haben sich dafür Entwicklungen herausgesucht, die spannend, lustig oder einfach gigantisch sind. Sie funktionierten nicht alle, haben aber die Gemeinsamkeit, dass sie alle verdammt interessant sind.

Auf zwei Buchseiten wird jeweils die Erfindung mit ihrer kleinen Entstehungsgeschichte vorgestellt. Mit Hilfe von klaren und verständlichen Zeichnungen, denen ein wundervoller Humor innewohnt, wird die Konstruktion schon kleinen Interessenten vorgestellt. Die Länge der Texte und die großformatigen Darstellungen stehen in einem harmonischen Verhältnis, das für Leseinteresse sorgt. Zudem bieten sich die Seiten für eine kurze Leserunde an, laden aber auch zu längeren Betrachtungen ein, da man einerseits viel entdecken kann und andererseits nach Lust und Laune mehrere Erfindungen begutachtet werden können. An die 29 Erfindungen schließt sich jeweils eine Doppelseite an, die den jeweiligen historischen Kontext auf eine sehr witzige Weise darstellt und eine mögliche Verwendung der Gerätschaften im Alltag thematisiert. Hierdurch wird man zum Erzählen eigener erdachter Geschichten, die im Zusammenhang mit den wissenschaftlichen Entdeckungen stehen könnten, angeregt.
Alle Zeichnungen sind in einem angemessenen Farbspektrum gehalten und überfordern daher weder große noch kleine Leser und Betrachter.

Für meinen Testleser (9 Jahre) und mich handelt es ich um eine sehr lustiges und toll aufgebautes Buch, das den eigenen Horizont erweitert und vor allen Dingen Kinder dazu anregt, sich gedanklich über Grenzen hinwegzusetzen. Denn jeder noch so sinnlos erscheinenden Erfindung beruht auf Gedanken, die außerhalb der üblichen Bahnen verliefen. Und was wäre unsere Welt ohne Wissenschaft?

Hinweis: Das Buch wurde 2016 mit dem Leipziger Lesekompass ausgezeichnet!index-php

128 S.
Pappband in Fadenheftung
€ 14,95 D/ € 15,40 A
ISBN 978-3-89565-307-0

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Ferien = Zeit für Bücher

Zwischen den Ferien ist es ja hier immer ziemlich ruhig, weil mich der Arbeits- und Familienalltag vollkommen vereinnahmt. Aber sobald die Ferien beginnen, habe ich auch meist mehr Zeit zum Lesen und Rezensieren.

Dieses Jahr wollte ich sogar extra eine Woche Urlaub in einem Kloster machen und nur entspannen und lesen. Leider war dies dann noch nicht möglich und ich komme schon wieder nicht so recht vom Schreibtisch weg. Aber ich bemühe mich 🙂

Morgen fahre ich endlich mal wieder zur Buchmesse nach Frankfurt und werde euch anschließend davon berichten. Habt ihr Vorschläge für Veranstaltungen oder Orte? Soll ich für diejenigen, die leider nicht da sein können, bestimmte Verlage besuchen? Schreibt einfach eure „Wünsche“ in die Kommentare. Ich versuche sie zu erfüllen.

Und nach dem Messebericht folgen hoffentlich auch wieder neue Rezensionen.

 

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