Marianne Efinger, Gottes leere Hand

Manuel Jäger ist mit Glasknochen auf die Welt gekommen. Mittlerweile ist er ein erwachsener mann, der als Wissenschaftsjournalist anerkannt ist. Da er mit Blick auf die körperlichen Leistungen mit vielen anderen Menschen nicht mithalten kann, hat er sich auf das Denken spezialisiert und wird in der Science Community „der Kopf“ genannt. Zu jeder Frage hat er die richtige Antwort. Er macht sich über sehr unterschiedliche Dinge Gedanken, sprengt Fachgrenzen und ist sehr kreativ. An einem Abend in der Vorweihnachtszeit muss Manuel mal wieder in ein Krankenhaus. Eigentlich hatte er sich vorgenommen nicht wieder in ein Krankenhaus zu gehen, doch sein bester Freund Lothar hat ihm verdeutlicht, dass es notwendig ist und sicher nicht für eine lange Zeit sein wird. Er wird in das Marienhospital gebracht. Dort arbeitet die Krankenschwester Dagmar. Sie hat für jeden Patienten ein (ernsthaftes) Lächeln übrig und versucht auch ein offenes Ohr für jeden zu haben. Doch die äußeren Bedingungen sorgen dafür, dass sie manchmal noch nicht einmal die Zeit hat die Patienten zu waschen. Hinzu kommen Ärzte die Qualifikationspunkte sammeln müssen und in Gremien arbeiten sollen. Doch die Zeit für die Patienten wird immer geringer. Auch durch die veränderte Finanzierung innerhalb des Gesundheitssystems treten viele neue und negative Aspekte auf. Dagmar versucht immer wieder alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Mit der Zeit zweifelt sie aber, ob sie ihren Beruf weiterhin ausüben möchte. Als Manuel auf der Station eingeliefert wird verstehen sich die Schwester und er auf Anhieb. Und das ganz ohne Worte. Zudem erinnert Dagmar ihn an seine verstorbene Verlobte. Zu dieser Gesellschaft tritt Wendelin Weihrauch hinzu. EIn älterer und scheinbar verwirrter Mann. Zwischen im und Manuel entwickelt sich eine besondere Beziehung.

Sprache und Stil: Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven einzelner Figuren erzählt. Die beiden Personen im Zentrum sind Dagmar und Manuel. Der Patient, der mehr Zeit im Krankenhaus als in seinem Haus verbracht hat und die Krankenschwester, die ihr bestes gibt, geben Einblicke in ihre Sicht auf das Gesundheitssystem in Deutschland und die Arbeit in einem Krankenhaus. Die Autorin schafft es hervorragend auf beide einzugehen. Das Innenleben von Manuel Jäger, seine Gedanken zum Leben als so genannter Behinderter und der Rückblick auf seine Erlebnisse werden eindringlich mit sanften aber gleichzeitig eindringlichen Worten beschrieben. Genauso lernt man Dagmars Verzweiflung und ihren Kampf kennen. Ihre Sehnsucht von der technisierten Krankenhauswelt wegzukommen geht fast in den Leser über.
Die Sprache ist dabei nicht oberflächlich, aber auch nicht lehrerhaft. Sie zeugt zwar von einer Wut auf das System, aber man versteht die Gründe dafür. Alles ist sehr nachvollziehbar. Daher liest sich der Text auch sehr flüssig und angenehm.

Fazit: Für mich handelt es sich um ein hervorragendes Buch, das verschieden Lebensfacetten aufzeigt. Man überlegt selbst wie man handeln würde und wo man mit seiner Meinung steht. Mich hat Manuels und Dagmars Geschichte mitgerissen und am Ende zum Weinen gebracht. Und als ich las, dass die Autorin ihre Einnahmen für das Projekt „Ein Haus für die Arche“ spendet, habe ich mir vorgenommen unermüdlich die Werbetrommel zu rühren.

 

Roman
ISBN: 978-3-937357-40-9
€ 19,80

Verlagsseite zum Buch
Ein Haus für die Arche

Bild und Infos von der Verlagsseite (s.o.)

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