Buchkultur, Das Internationale Buchmagazin

Das Magazin Buchkultur gibt es seit 1989 und es ist mittlerweile eine Institution unter den Buchmagazinen. Und es ist mir bisher ehrlich gesagt nicht aufgefallen. Durch eine Twitter-Aktion habe ich ein Probeexemplar erhalten und muss mich nun wirklich fragen, wie ich dieses Magazin übersehen konnte. Warum? Das möchte ich euch erklären, indem ich den Heftaufbau beschreibe.
Abgesehen davon, dass Sacha Lobos Kopf mit der entsprechenden Frisur zu sehen ist, wirkt das Cover recht unscheinbar. Das Editorial hebt dies allerdings schon wieder auf. Der Chefredakteur des Magazins berichtet dort, in einer wunderbaren klaren und angenehmen Sprache, über den aktuellen Stand im Bereich Sachbuch. Das darauf folgende Inhaltsverzeichnis lässt mein Herz höher schlagen. Alle Bücher der Ausgabe werden in alphabetischer Reihenfolge (Name des Autors) aufgelistet und den entsprechenden literarischen Gattungen zugeordnet. Der gesamte Heftinhalt gliedert sich in die Sparten Spektrum, Buchwelt, Marktplatz, Junior, Café und Schlusspunkt.
Der Abschnitt Spektrum beinhaltet kleine Artikel zu verschiedenen Themen, die einen Bezug zu Büchern haben. Terminliche Hinweise, Preisverleihungen und Buchtipps werden ebenso genannt wie Onlineangebote und Neuigkeiten aus den Verlagen. Umfangreichere Artikel und Buchempfehlungen für das Weihnachtsfest findet man unter der Überschrift Buchwelt. Der erste große Artikel, in dem mir vorliegenden Heft, behandelt deutschsprachige Debüts 2010. Dieser Text ist bereits ein gutes Beispiel für die allgemeine Qualität des Magazins. Anton Thuswaldner schafft es sehr liebevoll und doch kritisch die einzelnen Autoren und ihre Werke zu beleuchten. Es handelt sich dabei nicht um einen überzogen humorvollen und umgangssprachlichen Text, wie in einigen anderen Zeitschriften, sondern um eine interessante Komposition, die mit einer Prise Humor gespickt ist. Allerdings mag es einigen vielleicht ein wenig zu dozentenhaft klingen. Mir hingegen gefällt diese Schreibweise. Das Lesen fällt einem leicht, aber trotzdem spürt man das germanistische Gerüst und das Wissen des Autors.
Dieser und die restlichen Artikel vermittelten mir dadurch, dass es dem Magazin nicht um Leser geht, die mal schnell zwischen Tür und Angel nach Buchtipps schauen. Die Artikel sind dafür zu tiefgründig und zu anspruchsvoll. Sie fördern keine Kauflust, sondern eine Leselust und einen enormen Wissensdurst.
Der Marktplatz wird von den Redakteuren selbst überschrieben mit ‚Aktuelles. Gutes oder Schlechtes. Auf alle Fälle Bemerkenswertes (…)‘. Unter verschiedenen Rubriken werden Neuerscheinungen recht ausführlich besprochen. Jeder Artikel endet mit einem kleinen Fazit und den Buchinformationen.
Der Bereich Junior enthält, wie man sicher leicht erahnen kann, Kinder- und Jugendbücher. Besonders gut hat mir die Rubrik 3×3 gefallen. Dort werden je drei Bilderbücher, drei Kinderbücher und drei Jugendbücher vorgestellt.
Im Café erhält man die Möglichkeit an einem anspruchsvollen Literaturrätsel teilzunehmen. Zudem werden interessante Artikel aus anderen Zeitschriften vorgestellt.
In Kooperation mit KulturKontakt Austria wird der Schlusspunkt gestaltet. AutorInnen des writer-in-residence-Programms oder Kooperationspartner kommen hier zu Wort.

Obwohl das Magazin in Österreich erstellt und gedruckt wird, hat man dies nur an wenigen Stellen gemerkt. Es gibt zum Beispiel Radiotipps, die sich auf einen österreichischen Sender beziehen. Außerdem erscheint es mir ganz interessant mal über den eigenen Tellerrand zu schaue. Und neben der geographischen Nähe verbindet uns ja schließlich auch ein gemeinsamer Sprachraum.

Insgesamt muss ich dem Magazin bzw. der Redaktion ein großes Lob aussprechen.
Um ein Abo werde ich wohl nicht herumkommen.
Dies kostet übrigens 28€ (Europa) und beinhaltet sechs Ausgaben und Sonderhefte (z.B. Krimi).

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7 Kommentare zu “Buchkultur, Das Internationale Buchmagazin

  1. Hm, vielleicht wage ich noch mal einen Blick in eins der aktuellen Hefte. Ich habe mir vor knapp 4 Jahren mal die ein oder andere Ausgabe gekauft, empfand die Sprache damals aber nur als unheimlich gestelzt und so schrecklich pseudo-intellektuell. Dass du das jetzt gar nicht so empfunden hast, lässt mich ein wenig stutzen und über einen Kauf nachdenken. 😀

  2. Vielleicht entspricht das dem, was ich mit dozentenhaft meinte. Als Nicht-Germanisten fand ich das interessant. Aber evtl nur, weil ich keine Ahnung davon habe. Daher kann es sein, dass für Kenner gestelzt wirkt. Ich würde sagen es gibt einem das Gefühl etwas intelligentes zu lesen :-)LG Charlene (aus der S-Bahn)

  3. Jut, jetzt bin ich zu Hause und kann mich auch wieder an die gängigen Rechtschreib- und Grammatikregeln halten :-)@AilisAlso es wäre toll, wenn du auch mal eine Ausgabe lesen könntest. Ich bin nämlich auf deine Meinung gespannt. Es ist ja schließlich die einzige Ausgabe, die ich bisher gelesen habe. Und vielleicht geht einem ja der Ton wirklich irgendwann auf die Nerven. MMMhhhh.Es ist halt was ganz anderes als Bücher.Ich werde mir mal weitere Ausgaben besorgen und dann noch einmal einen Zwischenbericht zusammenstellen. es ist durchaus möglich, dass dieser dann anders ausfällt.Und noch einmal @Ailis: Danke, dass du mir immer wieder Kommentare hinterlässt 🙂

  4. Ich habe BÜCHER und BUCHKULTUR gleichzeitig kennengelernt und bin, wie du ja weißt, bei BÜCHER hängengeblieben. Vielleicht auch, weil ich gerade genau andersrum genossen habe, kein Germanisten-Geschwafel mehr zu lesen. *g*Und Kommentare hinterlasse ich hier bei dir immer gerne, du hast ja auch interessante Artikel hier! :)Und jetzt wickel ich mich in meine Decke und schmökere noch ein bisschen. 😉

  5. Na toll, jetzt will ich es auch lesen 😀 Der Name ist mir natürlich ein Begriff, aber in den Händen hatte ich die Zeitschrift noch nie. Kann man die nur via Internet bekommen oder hab ich auch im Buchladen eine Chance? Habe übrigens das bei dir gewonnene Buch rezensiert…alle unsere Befürchtungen wurden erfüllt 😀 Liebe Grüße!

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