Ich stelle vor: Mark Benecke

Der Herr der Maden. Ob das wohl ein guter Spitzname ist? Sicherlich sammelt man damit eher ungewöhnliche Anhänger. Aber Mark Benecke dürfte das nicht stören. Denn gewöhnlich ist dieser Mann auf gar keinen Fall.
Schon rein optisch gibt er sich nicht dem Mainstream hin: Schwarze Kleidung, Schmuck, der der Gothic-Szene zuzuordnen ist, sowie zahlreiche Tätowierungen prägen sein Erscheinungsbild.
Und der Name „Herr der Maden“ kommt nicht von ungefähr. Sein Hauptarbeitsgebiet ist die Forensische Biologie. In diesem Arbeitsfeld geht es um die Todeszeitbestimmungen, die damit in Verbindung stehende Insektenkunde, DNA-Analysen, Analyse verschiedener Gifte etc. pp.
Bevor er einer der bekanntesten forensischen Biologen wurde, absolvierte zunächst ein Biologiestudium in Köln und ging nach seiner Dissertation in die USA, um sich dort mit Spurensicherung und ganz besonders Insekten auf Leichen zu beschäftigen.
Sein Bekanntheitsgrad mag auch damit zusammenhängen, dass er, im Gegensatz zu einer Vielzahl seiner an Universitäten tätigen Kollegen, nicht die Öffentlichkeit scheut. Das wird von vielen als „unwissenschaftlich“ angesehen. Diese Ansicht kann ich allerdings nicht teilen. Er schafft es Wissenschaft interessant zu gestalten und verständlich zu vermitteln. Er erklärt wie die Welt der Kriminalistik jenseits von C.S.I. aussieht und beschäftigt sich mit Alltagsphänomenen. Und letztendlich ist er nicht wie ein Professor verbeamtet, sondern arbeitet freiberuflich. Das kann man jedoch nicht mit einer unwissenscahftlichen Arbeitsweise gleichsetzen.
Neben dieser täglichen Arbeit und den vielen Vorträgen ist er unter anderem noch Mitherausgeber der „Annals of Improbable Research“ und verleiht mit seinen Kollegen jährlich den IgNobelpreis. Weiterhin hat er eine eigene kleine Rubrik bei den Profis auf Radio Eins, ist Vorsitzender der Dracula-Gesellschaft, beschäftigt sich folglich mit Vampiren…. Um alle Tätigkeiten aufzuzählen reicht der Platz nicht aus. Ihr könnt euch aber umfangreich auf seiner Seite www.benecke.com informieren.

Seine Bücher:
Mark Benecke beschäftigt sich ja wie beschrieben mit vielen Themen. Genauso vielfältig ist auch sein literarisches Programm. Vom Lehrbuch bis zum Kinderbuch über den Tod ist alles dabei.
Ich habe bisher drei Bücher gelesen, die dem kriminalistischen Bereich zugeordnet werden können und zwei Bücher über den Ig-Nobelpreis bzw. die Forschungsarbeiten mit denen sich der Preisausschuss beschäftigt hat.
Zunächst einige Worte zu den eher humorvollen Büchern, die sich mit den Forschungsarbeiten beschäftigen. Der IgNobelpreis wird von der Harvard University vergeben. Seit Anfang der 90er Jahre erhalten Einzelpersonen oder Forschergruppen diesen Preis, wenn sie sich mit besonders skurrilen Themen beschäftigt haben. Teilweise sind die Arbeiten auch einfach unnütz oder unwichtig. Also eigentlich völlig umsonst. Mark Benecke stellt in den Büchern „Lachende Wissenschaft“ und „Warum man Spaghetti nicht durch Zwei teilen kann“ eine Auswahl der Forschungen vor. Er hebt die humorvollen Aspekte der Arbeiten hervor, prüft aber auch genau den wissenschaftlichen Gehalt und erklärt ausführlich die Zusammenhänge. Gespickt ist das ganze mit bissigen Kommentaren und eigenen Ideen. Die Sprache ist dabei sehr verständlich und macht die Bücher auch für einen Laien zum Lesevergnügen. Nach dem Lesen kann man seine Bekannten dann mit dem Wissen über Grizzly-Abwehr, Fremdgehverhalten und Spaghetti-Bruch aufklären.
Ebenso verständlich sind auch die Bücher geschrieben, die sich mit Kriminalfällen beschäftigen. Natürlich haben sie ein eher ernstes Thema, doch schafft es Benecke auch hier den Humor nicht zu verlieren. An verschiedenen Beispielen erklärt er seine Arbeitsmethoden sowie Chancen und Grenzen der forensischen Biologie. Es geht um DNA-Analysen, Liegezeiten von Leichen, Klärung von Todesursachen und um psychologische Komponenten. Das Vorgehen der Täter wird teilweise sehr explizit beschrieben und ist an manchen Stellen nichts für schwache Nerven. Er schaut aber auch hinter die Kulissen. Wie sah das Leben der Täter und Opfer aus? Wie wurden Opfer ausgewählt? Was bedeuteten die Straftaten und letztendlich die Aufklärung für Familien oder ganze Orte. Man merkt dabei häufig, dass Mark Benecke ein Perfektionist ist. Dass Beschreibungen daher manchmal etwas ausufern, mag manche Leser stören. Ich finde es immer wieder spannend und zudem ist dadurch alles nachvollziehba – es fehlt kein Puzzleteil.
Wer einen guten Einstieg in das Thema und der Benecke-Welt sucht, dem empfehle ich Mordmethoden. In diesem Buch befindet sich auch ein Abschnitt über die Body Farm, der für jeden Kathy Reichs-Fan interessant ist und noch mehr Informationen über Forschungen bzgl. Leichenverwesung enthält.


EUR 8,99
Bastei Lübbe
Taschenbuch, 352 Seiten
Ersterscheinung: 23.11.2004
ISBN: 978-3-404-60545-3

Link zur Verlagsseite

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