Wolfgang Hohlbein, Thor

– Er schwieg. Ganz ernsthaft wog er seine Chancen ab, es mit diesen zwei Dutzend Männern aufzunehmen, und tat den Gedanken dann als lächerlich ab. Selbst der wirkliche Thor würde es sich zweimal überlegen, es mit einer solchen Übermacht aufzunehmen. –

Ein Mann wacht mitten in einem Schneesturm auf. Er weiß nicht was passiert ist und auch nicht wer er ist oder wo er sich befindet. Doch kurz nach seinem Erwachen hört er einige angstvolle Schreie. Trotz seiner Orientierungslosigkeit folgt er den Stimmen und findet eine kleine Gruppe, die von einem Wolfsrudel angegriffen wurde. Ohne lange zu überlegen kämpft der Unbekannte mit den Wölfen und drängt sie zurück. Verantwortlich hierfür ist allerdings hauptsächlich ein riesiger weißer Wolf, der dem Mann bekannt vorkommt. Sogar ein Name spukt in seinem Kopf herum. Beide scheinen sich zu kennen und eine besondere Beziehung zueinander zu haben.
Nachdem die Wölfe das Weite gesucht haben, hilft der Retter den überlebenden Personen. Das weibliche Familienoberhaupt mit dem Namen Urd berichtet, dass die Familie dabei ist ihre Heimat zu verlassen, da die Lebensbedingungen immer schlechter werden. Auf ihrem Weg wurden sie von einem Schneesturm und den Wölfen überrascht. Als der unbekannte Mann den schwer verletzten Familienvater betrachtet und schließlich berührt passiert etwas, dass beide sich nicht erklären können. Sicher ist nur, dass die Begegnung bei dem Verletzten zu einer gesundheitlichen Verbesserung beiträgt. Gemeinsam gehen alle den eingeschlagenen Weg weiter. Auch wenn sie nicht wissen wohin er führen wird, da die Familie auch nur eine vages Ziel vor Augen hatte. Sie wollen in die Region Asgard, welche sie nur aus Erzählungen kannten. Sie wissen noch nicht einmal, ob es diesen Ort wirklich gibt.
Nach einem anstrengenden Marsch finden sie einen verlassenen Hof, der anscheinend überfallen wurde. Sie bleiben zunächst dort, werden aber nach einiger Zeit von schwer bewaffneten Reitern angegriffen.
Wieder ist sind es der Unbekannte und die Wölfe, welche die übermächtig scheinenden Angreifer beseitigen. Und wieder ist das Wetter stürmisch und von Blitz und Donner geprägt. Daher gibt der Junge der flüchtenden Familie dem unbekannten Mann den Namen „Thor“.
Ohne den Vater, der bei dem Angriff getötet wurde, macht sich die Gruppe erneut auf den Weg. Diesmal treffen sie in der unbewohnt scheinenden Landschaft auf einige friedliche Reiter. Diese bringen sie nach einer längeren Unterredung zu der versteckten Stadt Midgard. Sie liegt in einer hügeligen Landschaft und kann nur über versteckte und fast unsichtbare Zugänge erreicht werden. Thor und die ihm anvertraute Familie leben sich schnell in der neuen Umgebung ein und wachsen in jeglicher Hinsicht zusammen. Es stellt sich aber immer wieder die Frage wer Thor eigentlich ist. Ist er nicht vielleicht eine Gefahr für die versteckte Stadt? Wo kommt er her? Warum hat er anscheinend übermenschliche Kräfte?
Er selbst wird auch von diesen Fragen gequält. Zudem hat er Träume, die ihm anscheinend vertraute Bilder aus einer fremden Welt zeigen. Er schafft es aber nicht die Puzzleteile zu verbinden. Ist er wirklich ein Gott?
Unabhängig davon droht dem gesamten Volk von Midgard eine Gefahr . Immer wieder kommt es zu Angriffen. Die Krieger, die sich gegen  Midgard stellen, scheinen Lichtbringer zu sein. Diese besitzen unermessliche Kräfte und predigen mit dem Schwert in der Hand ihre Religion. Kann Thor Midgard retten? Oder hat er insgeheim ganz andere Pläne?

Thor war mein erstes Hohlbein-Buch und ist eines der wenigen Fantasy-Bücher, die ich bisher gelesen habe. Bisher haben mich immer die vielen Vampire und Werwölfe abgeschreckt. Da es sich hier „nur“ um Wölfe handelt, die allerdings eine besondere Beziehung zu einigen Menschen pflegen, bin ich sehr aufgeschlossen an das Lesen gegangen. Relativ schnell und einfach war es für mich in die Geschichte einzusteigen. Die Sprache ist recht klar strukturiert und an vielen Stellen frei von Fachbegriffen, Metaphern oder anderen rhetorischen Stilmitteln. Allerdings wirkt sie dadurch teilweise auch etwas hölzern und langweilig. Gleichzeit ist die Geschichte allerdings auch sehr spannend konstruiert. Man versucht gemeinsam mit der Hauptperson die gedanklichen Puzzle zu einem großen Ganzen zu verbinden und scheitert regelmäßig daran. Die Fragen, die sich Thor stellt, stellt sich auch der Leser. Man ist also eng mit dem Protagonisten verbunden und hat teilweise das Gefühl seine Gedanken zu kennen. Allerdings handelt er dann an manchen Stellen der Geschichte so unverständlich, dass man kurz inne hält und sich fragt, ob das jetzt wirklich passiert ist. Einige Entscheidungen konnte ich persönlich bis zum Ende nicht nachvollziehen und teilweise haben sie mich auch ein wenig gestört und geringfügig wütend gemacht. Die Erklärungen gingen mir nicht tief genug. Doch dann ging die Geschichte wieder so rasant weiter, dass keine weitere Zeit für solche Überlegungen vorhanden war.
Sehr geschickt wendet sich die Geschichte auch noch einmal auf den letzten Seiten und sorgt dafür, dass man die Fortsetzung einfach lesen muss.

Fazit: Ein wirklich sehr spannendes Buch, das trotz einiger sprachlicher Defizite ein Genuss ist.

EUR 19,99
Downloadpreis: 15,99 EUR
Bastei Lübbe
Hardcover, 861 Seiten
Ersterscheinung: 12.03.2010
ISBN: 978-3-7857-2392-0
Link zur Verlagsseite
(Infos und Foto stammen von dieser Seite)

 

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5 Kommentare zu “Wolfgang Hohlbein, Thor

  1. Danke :-)Ja, man muss halt auch mal einen Blick in eher unbekannte Genres werfen. Somit hat die Challenge mir schon gleich im ersten Monat etwas gebracht. Toll.

  2. Also wieder ein typischer Hohlbein. 😉 Mir ging es bei der Chronik der Unsterblichen von Hohlbein auch so, dass ich über manche Entscheidungen und Handlungsweisen der Hauptfiguren den Kopf schütteln musste und manchmal zu wenig Hintergrund geliefert wurde. Dann widerum ist die Handlung so spannend, dass das Buch am Ende doch sehr gefällt und das nächste auch gelesen werden muss. ;-)Thor steht bei Steppenwolf auch schon im Regal. Bin mal gespannt, was er dann dazu sagt.

  3. Liebe Charlene. Ich wünsche dir ein frohes neues Jahr und hoffe, dass du gut reingeruscht bist. Außerdem habe ich dich auf meinem Blog für einen Award nominiert!Liebe GrüßeAiyanahttp://buecher-seele.blogspot.com/2011/01/liebster-blog-award-ist-eingezogen.html

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