Robert Löhr, Das Hamlet-Komplott

– Ja, man mag sagen, was man will, wer Geist hat, muss plaudern können! Diesem Talent aber ist, scheint es, nichts so fremd wie der Charakter und die Geistesart der Deutschen. Die Gabe der Unterhaltung, als Talent betrachtet, ist nur in Frankreich heimisch. –
Als Napoleon im Jahr 1807 Europa mit mehreren Kriegen überzieht, trauert Goethe noch immer seinem verstorbenen Freund Schiller hinterher. Zwei Jahre ist er jetzt schon allein und kann sich nicht vorstellen jemals wieder solch ein enges freundschaftliches Band mit einem Menschen zu knüpfen. Zwischen dem Besuch Napoleons in Weimar und den Proben für Iphigenie auf Tauris erhält Goethe Besuch von Tieck. Dieser hatte einen Brief erhalten, in dem Heinrich von Kleist eindringlich um Hilfe bittet. Er befindet sich in französischer Gefangenschaft und droht ermordet zu werden. Goethe muss zwar eine Weile überlegen, ob er das Vorhaben unterstützen sollte, willigt aber letztendlich ein. So machen sich die beiden auf den Weg nach Joux. Vielerlei ungeahnt Hindernisse und sonderbare Begebenheiten verändern ihre Pläne und forcieren eine Reise, die die geplanten Befreiung in Umfang und Zeit weit übertrifft.
Ihr Auftrag ist das Auffinden und der Schutz der tausendjährigen Reichskrone. Getarnt als fahrende Schauspieltruppe meistern Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich von Kleist, August Wilhelm Schlegel, Ludwig Tieck und Madame de Staël einige Gefahren.
Wie man schon an dem kurzen Inhaltsabriss erkennt, handelt es sich bei diesem Buch nicht um ein Werk für Leser, die auf eine durchgehende historische Genauigkeit Wert legen. Doch Robert Löhr schafft es auf eine wunderschöne Art und Weise historische Fakten mit fiktiven Handlungen zu vermischen. Die Rahmenbedingungen, in denen die Geschichte spielt, sind historisch korrekt. Das Abenteuer der Protagonisten ist jedoch erdacht. Wie auch schon in „Das Erlkönigmanöver“ werden die klassischen deutschen Dichter liebevoll und mit ihren ganz spezifischen Eigenarten beschrieben. Dabei werden immer wieder reale Beziehungen und Konflikte zwischen den Denkern einbezogen. Ebenso werden wichtige Werke der einzelnen Personen genannt oder beschrieben.
Sprachlich hat sich der Autor, aus meiner ganz persönlichen Sicht, seit dem letzten Werk erneut gesteigert. Er schafft es noch besser die epochenspezifischen Eigenarten aufzugreifen und langweilt den Leser damit nin keinster Weise. Ganz im Gegenteil werden der Lesefluss und das Interesse am Fortgang der Geschichte, trotz aller Absurditäten, nie wirklich unterbrochen.
Anstatt eines Fazits möchte ich hier noch ein Zitat anbringen, das auch auf dem Buchdeckel abgedruckt ist:
„Was gibt es Neues aus Weimar, Herr von Goethe?“ fragt Madame de Staël. 
„Haben Sie noch immer ein Liebesverhältnis mit Ihrer Haushälterin?“
„Nein.“
„Gott sei’s gepriesen. Sie war mit Verlaub, furchtbar gewöhnlich und gänzlich unter Ihrem Niveau.“
„Wir sind jetzt verheiratet.“


368 Seiten
Gebunden
€ 19,95 [D], € 20,60 [A], sFr 33,90
ISBN: 9783492053273

Link zur Verlagsseite mit Lese- und Hörprobe

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