Mark Watson, Elf Leben

– Menschen mit Problemen haben sich schon immer instinktiv an Xavier gewandt, oder er hat eine zufällige Anziehungskraft auf sie ausgeübt. Er ist der Typ Mensch, der sich immer die Sorgen des Taxifahrers anhören muss oder mitfühlend nickt, wenn ihm ein Fremder im Aufzug plötzlich wortreich sein Herz ausschüttet. Vielleicht hilft es, dass Frauen ihn gut aussehend finden (…) –
 
Sicherlich hat jeder schon einmal irgendetwas von dem so genannten Schmetterlingseffekt gehört. Kurz und sehr vereinfacht gesprochen beschreibt der Effekt die Auswirkungen minimaler Veränderungen. Wenn an den Ausgangsbedingungen eines Systems Abweichungen vorgenommen werden, kann dies immense Folgen haben.
Mark Watson beschreibt in seinem Werk eine Handlung und ihren Effekt auf elf ausgewählte Personen. Im Mittelpunkt steht dabei Xavier, der eigentlich Chris heißt und vor einigen Jahren seine Heimat Australien verlassen hat. Er arbeitet als Moderator in einem Londoner Radiosender. Gemeinsam mit seinem Freund Murray bestreitet er die Nachtschicht. Dabei nutzt er seine natürlichen Beraterfähigkeiten und hilft frustrierten Menschen semiprofessionell ihre persönlichen Täler zu überwinden. Doch was sein eigenes Problem ist, verschweigt er eine ganze Weile. 
Eines Tages setzt er unbewusst eine Handlungskette in Gang, die elf Menschen und ihre Schicksale miteinander verknüpft. Gleichzeitig läuft aber auch sein eigenes Leben weiter. Er sucht eine Partnerin und findet eine Putzfrau. Er unterstützt seinen Kollegen und Freund, der ein Stotterproblem hat und aus der Sendung gedrängt werden soll. Und er denkt über seine eigene Vergangenheit, seine Fehler und seine Chancen nach. 
Watson hat mit Hilfe einer leichten und angenehmen Sprache, die trotzdem einen gewissen Anspruch hat, ein Potpourri an wundersamen Lebensgeschichten geschaffen. Jede einzelne Begebenheit amüsiert und stimmt in anderen Momenten wieder nachdenklich. Die Figuren werden, trotz ihrer teilweisen kurzen Auftritte, liebevoll beschrieben. Sie erfüllen sicherlich auch das ein oder andere Klischee, was aber aus meiner Sicht kein schlechter Kunstgriff ist. Sehr erfreut haben mich die kleinen Ausblicke. Ich liebe es zu erfahren was eine Person zwanzig Jahre später macht. Ein Nebensatz reicht dafür aber auch vollkommen aus.  Man kann sagen, dass Watson kein Wort zu viel, aber auch kein Wort zu wenig benutzt. Er unterhält, er regt an und er lässt den Leser nicht so schnell los. Nimmt man dieses Buch wirklich ernst, muss man anschließend sich selbst hinterfragen.
Fazit: Ein wirklich unterhaltsames Buch, das trotz Humor zum Nachdenken anregt.
Roman
Übersetzt von Stefanie Jacobs

272 Seiten
19.95 Euro, 30.50 sFr
März 2011
ISBN: 9783821861241

Link zur Verlagsseite 
Mark Watsons Blog

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