Silvia Avallone, Ein Sommer aus Stahl

– Wenn du ständig deinen Arsch an ihm reibst, dich ihm an den Hals wirfst und ihm die Titten entgegenstreckst, findest du schon den Burschen, der auf dich reinfällt. –
Zwei 13-jährige Mädchen, die sich in ihrer Schönheit übertreffen, Sonne, das Meer und ältere Jungs. Anna und Francesca befinden sich aus ihrer Sicht an der Schwelle zu einem neuen Leben, das mit dem vierzehnten Geburtstag beginnen wird. Sie dürfen Moped fahren, gehen auf neue Schulen und sind endlich nicht mehr die kleinen Mädchen. Sie wollen das alles gemeinsam erleben und möchten keine Erfahrung verpassen, die die Freundin macht. Und irgendwann werden sie gemeinsam ihre Koffer packen und die verdammte Hafenstadt Piombino verlassen. Hier gibt es keine Zukunft für zwei Mädchen, die einfach nicht so werden wollen wie ihre Mütter. Sie möchten keinen Stahlarbeiter als Mann, der seine Familie tyrannisiert oder drogenabhängig ist. Sie möchten sich ihr Leben nicht mit schmutzigem Geld finanzieren, dass sie in einem Nachtclub oder beim Kokainhandel verdient haben. Genauso wenig möchten sie mit 16 ein Kind haben und zuhause versauern. Der Fixpunkt in all ihren Träumen sind sie als Duo.
Doch was passiert wenn diese Symbiose einen Riss bekommt? Wie verändern sich die Träume wenn das Leben doch so verläuft, wie das der Eltern?
Silvia Avallone spricht nicht über das touristische Italien. Sie berichtet nicht über Orte wie Elba oder Mailand, sondern über die Orte, die nur ein paar Kilometer von den sauberen Ecken entfernt sind und doch scheinbar zu einer anderen Welt gehören. Es geht um das Italien, das dreckig und heiß ist, das von der Wirtschaftskrise gebeutelte südeuropäische Land. Sie erzählt von den Stahlarbeitern und den Leben, die wir aus den Büchern von Roberto Saviano kennen. Und trotzdem erzählt sie eine wunderbare Geschichte, die von Freundschaft und Enttäuschung handelt und das Erwachsenwerden oder das was man dafür hält, beleuchtet. Denn solche Geschichten gibt es nicht nur in den weißen Orten, sondern auch dort wo man nichts als Trübsinn vermutet. Die Menschen von Piombino scheinen zunächst etwas einfacher gestrickt zu sein. Im Endeffekt sind sie aber nur ein Produkt ihrer Umgebung. In einer anderen Gegend hätten sie sich aller Wahrscheinlichkeit nach anders entwickelt.
Das uns dieser Roman so leicht einnimmt und auf die Reise nach Italien schickt, ist der weichen und frischen Sprache der Autorin zu verdanken. Michael von Killisch-Horn ist es gelungen diese sommerliche Leichtigkeit der einzelnen Wörter in das Deutsche zu übertragen, ohne den Klang dabei zu degenerieren. Harte und schroffe Dialoge wechseln sich mit fast philosophischen Passagen ab. Die Jugendlichkeit der Mädchen scheint sich in den Wörtern wiederzufinden. Die Last des Lebens fällt von dem Leser ab und zeitweise wünscht er sich einfach wieder jung zu sein. Auch wenn er sich sicherlich nicht wünscht, seine Jugend in Piombino verbringen zu müssen.
Fazit: Mich hat der Roman unterhalten, nachdenklich gestimmt und gefangen. Absolut empfehlenswert.

Aus dem Italienischen von Michael von Killisch-Horn (Acciaio)
1. Aufl. 2011, 

415 Seiten,
gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-93898-2 

19,95 EUR
gebunden mit Schutzumschlag 
 
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3 Kommentare zu “Silvia Avallone, Ein Sommer aus Stahl

  1. Hallo Charlene,ich werde "Ein Sommer aus Stahl" in den nächsten Tagen auch lesen (zuvor will ich noch ein anderes beenden). Umso mehr freut mich Dein Fazit, dass es lesenswert ist. Ich bin gespannt!Liebe Grüße,Svenja

  2. Allerdings habe ich ein paar Seiten gebraucht bis ich "drinnen" war. Also nicht wundern, wenn es dir auf den ersten Seiten (ca. 20) teilweise schleppend vorkommt.

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