Caroline Vermalle, Denn das Glück ist eine Reise

– Er kannte sie nicht, und das war ihm auch herzlich egal. Sie schien nämlich nicht einfach zu sein. Außerdem war sie wie ein Frosch im Weihwasserbecken; sie lebte sozusagen in der Kirche, was sie sehr von Georges unterschied. – 

Man sitzt in einem Café und träumt vor sich hin. Doch plötzlich nimmt man den Geruch eines wundervollen Parfüms wahr. Man dreht sich um und sieht in seine blauen Augen, beobachtet seine Gestik, hört seine angenehme weiche Stimme und kann sich nicht mehr abwenden. Zack! Schon ist man irgendwie ein bisschen verliebt.
Bei bibliophilen Menschen ist das natürlich ein bisschen anders:
Man träumt in einem Buchladen vor sich hin und streicht sanft über die Buchrücken. Plötzlich bleibt der Finger auf einem wunderbaren Titel kleben, der ein Lächeln auf das Gesicht zaubert. Das Buch wird herausgezogen und der Umschlag schmeichelt den Augen. Ganz zaghaft wird das Buch geöffnet, der Geruch wird eingesogen und sorgt für das Aufkommen wundervoller Erinnerungen. Nun stellt sich die Frage, ob man den nächsten Schritt wagen sollte. Soll man auf die Geschichte zugehen und die ersten Sätze lesen?
Wenn es sich bei dem Buch um „Denn das Glück ist eine Reise“ handeln sollte, kann ich nur eins Raten: Mit dem Lesen anfangen und nicht mehr aufhören, bevor das letzte Wort mit einem Echo im Kopf verhallt ist.
Ich habe mich auf den ersten Seiten in das Buch verliebt und habe alle Phasen einer Beziehung gemeinsam mit ihm durchlebt. Wir haben uns angenähert, sind zusammengewachsen, waren unzertrennlich. Doch dann zeichnete sich am Horizont schon ein Abschied an. Ich war sehr traurig und ein bisschen wütend, dass es so schnell vorbei sein sollte. Hätten wir nicht noch viele schöne Stunden miteinander verbringen können?

Inhalt:
Die Geschichte, die mich so begeistert hat, handelt von zwei französischen Männern, die einmal die Tour de France-Strecke abfahren wollen. Georges ist 83 Jahre alt und sein Nachbar Charles bringt es auf stattliche 76 Jahre. Beide haben mit diversen Krankheiten zu kämpfen und natürlich sind sie keine jungen Profisportler. Daher kauft Georges für ihre Reise einen neuen Renault inklusive Navigationssystem. Seit Monaten haben die beiden die Etappen bis in das kleinste Detail geplant, die Hotels sind gebucht und Besuche bei Familienmitgliedern finden auch noch Platz. Doch wirklich wichtig ist die absolute Geheimhaltung. Charles Familie ist zwar in alle Pläne eingeweiht, aber Georges Tochter, die ihn seiner Meinung nach immer in Watte packt, darf auf keinen Fall etwas erfahren. Sie befindet sich für einige Zeit in Peru und gibt ihrem Vater damit ungewollt die Gelegenheit seinen Traum zu erfüllen. Plötzlich meldet sich jedoch Adèle bei ihrem Großvater Georges und bittet um einen täglichen Anruf bis ihre Mutter aus dem Urlaub zurückkehrt. Zehn Jahre hatten beide nur sehr wenig Kontakt miteinander und plötzlich ruft sie an und bringt die gesamte Planung durcheinander. Wenn Adèle anruft und niemand da ist, würde sie sich schnell Gedanken machen und ihre Mutter anrufen. Im letzten Moment hat Charles die rettende Idee und installiert eine Rufumleitung auf Geroges‘ Handy. Das Abenteuer kann beginnen!

Sprache/Stil:
Caroline Vermalle hat eine Geschichte geschrieben, die auf den ersten Blick leicht wie ein Schmetterling vor der Nase des Lesers tanzt. Die Struktur der einzelnen Sätze ist einfach und bedingt durch die Satzlänge stellt sich schnell ein guter Lesefluss ein. Beschreibungen der Umgebung erfolgen nur sehr sparsam und wirken eher wie Bleistiftzeichnungen. Die Protagonisten werden nicht eindringlich, aber sehr liebevoll und behutsam dargestellt.
Diese Dinge, die von einigen Kritikern vielleicht als Oberflächlichkeit angesehen werden, gehören für mich zu einer gewissen Taktik. Die Leichtigkeit legt sich über die ernsten Themen, über die folgenreichen Gedanken der Figuren und führt dazu, dass das Herz des Lesers immer leicht bleibt. Die Gedanken von Georges, Charles und Adèle berühren in jeder Sekunde und sind der Kern der Handlung. Es ist eigentlich völlig egal wie die einzelnen Orte auf der Etappe aussehen oder welche Sehenswürdigkeiten betrachtet werden. Ebenso ist es unwichtig in welchen Hotels die beiden Männer übernachten. Wichtig ist allein was in ihren Herzen und Köpfen vorgeht. Und genau das kann Vermalle wunderbar in klare Wörter kleiden, die in berührende Lebensweisheiten münden. Zudem gibt sie der Geschichte immer wieder sehr natürliche und nachvollziehbare Wendungen, die den Leser mitreißen.

Fazit: Ich habe gelacht, nachgedacht und geweint. Ein wundervolles, wenn auch nicht typisch französisches Buch, das ich nur empfehlen kann.

EUR 10,00

Downloadpreis: 8,49 EUR

Bastei Lübbe
Hardcover, 224 Seiten
Ersterscheinung: 13.04.2011
ISBN: 978-3-431-03835-4


Mein Dank geht an den Verlag und an:

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2 Kommentare zu “Caroline Vermalle, Denn das Glück ist eine Reise

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