Cornelia Funke, Geisterritter

– Über Angus‘ Bett hingen Fotos von seinem Hund, zwei Kanarienvögeln und einer zahmen Schildkröte, doch keins von den menschlichen Mitgliedern seiner Familie. Als Stu und ich sie schließlich kennenlernten, stellten wir fest, dass sie tatsächlich nicht so nett wie der Hund und die Kanarienvögel aussahen. Allerdings hatte Angus‘ Großvater sehr viel Ähnlichkeit mit der Schildkröte.-

Als ihn seine Mutter auf das Internat in Salisbury schickt, ist Jon nicht gerade erfreut. Er ist zwar auf der einen Seite froh nicht mehr den neuen bärtigen Freund seiner Mutter ständig in der Nähe zu haben. Aber auf der anderen Seite vermisst er schon bei seiner Abfahrt die Familie und die gewohnte Umgebung. Er fühlt sich ungeliebt und verstoßen. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass er überlegt, wie er das neue Familienmitglied los werden und wieder nachhause zurückkehren kann. Doch erst einmal muss er sich mit der neuen Situation engagieren. Entgegen seiner Erwartungen verlaufen die ersten Tage auch recht gut und er schließt einige neue Bekanntschaften. Doch gegen Ende der ersten Woche passiert etwas sehr ungewöhnliches, dass ihn völlig aus der Bahn wirft. Er hört in der Nacht Geräusche und schaut aus seinem Zimmerfenster. Drei Männer, die auf Pferden sitzen, schauen zu ihm herauf und machen ihm unmissverständlich klar, dass sie genau ihn suchen. Was sind das für seltsame Gestalten? Die herbeigerufenen Zimmerkumpanen sehen draußen nichts und denken Stu sei ein Schlafwandler. Er sieht sie wegreiten und ist sich sicher: Das waren Geister!

Jon ist nicht auf einem Zauberinternat und er entwickelt auch keine magischen Fähigkeiten. Er ist einfach in der Lage Geister zu sehen und mit ihnen zu kommunizieren. Allerdings muss er lernen sich vor der gefährlichen Sorte zu hüten und notfalls Hilfe zu rufen. Ohne den ein oder anderen Freund kann er diese Aufgabe nicht bewältigen. Damit sind auch schon wichtige Punkte genannt, die stets ein Garant für den Erfolg der Funke-Bücher waren: Fantasie und fantastische Orte, Geheimnisse, Freundschaft und Gefahren. Auch auf den wenigen Seiten von „Geisterritter“ macht genau diese Mischung die gute Geschichte aus. Das Verhältnis, in dem die einzelnen Aspekte zueinander stehen, ist ausgewogen und sorgt für Spannung. Man befindet sich sehr schnell in Jons Leben. Der Leser, und hier denke ich besonders an das jüngere Publikum, kann sich sehr gut in ihn hineinversetzen und seine Gefühle nachvollziehen. Man fiebert mit ihm und hat Angst, freut sich aber auch über jeden Schritt, den er nach vorne macht.

Sprachlich gesehen hat das Buch allerdings hin und wieder kleine Durchhänger. Ich hatte den Eindruck, dass manche Aspekte zu stark hervorgehoben oder wiederholt wurden. Das ist jedoch mein ganz subjektiver Eindruck, der sicherlich auch mit dem Alter zusammenhängt und jüngeren Lesern nicht sofort ins Auge stechen wird.

Die Illustrationen stammen in diesem Buch nicht von der Autorin, sondern von Friedrich Hechelmann.

Abgesehen von der Darstellung einer alten Dame, haben seine farbigen Bilder wunderbar mit meinen Vorstellungen, die ich mit Hilfe des Textes entwickelt hatte, übereingestimmt. Teilweise habe ich mehrere Minuten die Abbildungen betrachtet und mich auf die Details konzentriert und dabei das Weiterlesen ganz vergessen.

Fazit: Ein Buch, das mir gut gefallen hat und das ich empfehlen kann. Die tolle Geschichte und die schönen Illustrationen gleichen kleine sprachliche Unebenheiten komplett aus.

256 Seiten · gebunden
16.5 x 23.2 cm
ab 10 Jahren
EUR 16,95 · SFR 24,90 · EUA 17,50
ISBN-13: 978-3-7915-0479-7
EAN: 9783791504797
Erscheint im August 2011 

Link zur Verlagsseite (Dressler)

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Ein Kommentar zu “Cornelia Funke, Geisterritter

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