Erich Maria Remarque, Der Feind

Im September fuhr ich mit einigen Referendaren nach Frankreich. Dort wollten wir uns genauer mit dem Thema „Europa“ beschäftigen. Einen ganzen Tag verbrachten wir in Verdun und besuchten die alten Schlachtfelder und die Friedhöfe. Mich beeindruckten diese Besuche enorm und sie haben mich sehr zum Nachdenken, auch über aktuelle Themen, angeregt.
Im Bus hatten wir uns auch die alte Verfilmung von „Im Westen nichts Neues“ angeschaut.

Auszug aus Wikipedia:

Die erste Verfilmung, eine US-Produktion aus dem Jahr 1930 von Lewis Milestone, gilt als einer der 100 besten Filme der US-amerikanischen Filmgeschichte (vgl. Im Westen nichts Neues (1930)). Der Produzent Carl Laemmle erhielt für diesen Film einen Oscar in der Kategorie „Bester Film“.
Bei der deutschen Uraufführung des Films im Metropol in Berlin kam es zu einem Skandal. Auf Anweisung des damaligen Berliner NSDAP-Gauleiters Joseph Goebbels besetzten nationalsozialistische Schlägertrupps den Saal und hinderten andere Kinogäste am Besuch; die Vorführung musste abgebrochen werden. Nach mehrfacher Wiederholung der Störaktionen im gesamten Deutschen Reich (z.B. durch Legen von Stinkbomben, Aussetzen großer Mengen weißer Mäuse und immer wieder durch Besetzen der Kinos) wurde der Film vorerst abgesetzt. Erst nach einer Novellierung des Lichtspielgesetzes (Lex Remarque), die am 31. März 1931 in Kraft getreten war, wurde der Film am 8. Juni 1931 „für bestimmte Personenkreise und in geschlossenen Veranstaltungen“ wieder freigegeben. Am 2. September 1931 erfolgte die allgemeine Wiederzulassung des Films in einer nochmals gekürzten Fassung. Die Produktionsfirma musste sich überdies verpflichten, „zukünftig auch im Ausland nur noch diese von den deutschen Zensurbehörden genehmigte Fassung zu zeigen“[7]. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde Im Westen nichts Neues endgültig verboten.

Einige Tage habe ich überlegt das Buch noch einmal zu lesen.
In Peenemünde entdeckte ich allerdings „Der Feind“ von Remarque. Dieses kleine Büchlein enthält sechs Erzählungen, die 1930 und 1931 in der amerikanischen Zeitschrift Collier’s Weekly erschienen und sich mit der Nachkriegszeit beschäftigen. Remarque zeigt darin auf, wie der Krieg die Menschen direkt und indirekt beeinflusst hat. Er dringt dabei in die Gefühlswelt der Protagonisten vor bis es schmerzt, verfolgt Gedanken bis ins Unendliche und führt die Leser an die Orte des Grauens. Gleichzeitig wird aber auch aufgezeigt wie sich die Welt an sich verändert hat, wie sich Menschen nach dem Krieg anders gegenüberstehen.

In Deutschland wird sehr viel über die Kriegsgeneration gesprochen, die während des Zweiten Weltkrieges aufwuchs. Doch was ist mit der Generation des Ersten Weltkrieges? In Frankreich ist dieser Krieg sehr viel präsenter. Er ist der „Grand Guerre“ und beeinflusst die Franzosen bis heute. Remarque analysiert in seinen Erzählungen genau die Menschen und ihre Erlebnisse, die in Frankreich schon lange beleuchtet wurden. Und in Anbetracht der Tatsache, dass der letzte Überlebende des Ersten Weltkrieges in diesem Jahr verstarb, sind diese Erzählungen für das Verständnis der Generation eine wunderbare Quelle. Zudem denkt man nach der Lektüre auch über aktuelle Kriege und die Folgen für Menschen und Länder nach.

Ich konnte wahrscheinlich auch so viel mit den Geschichten verbinden, weil ich die angesprochenen Orte gerade besucht habe. Aber auch für alle anderen, die sich einfach für das Thema interessieren ist das kleine Buch sehr zu empfehlen.
Ich musste nach dem Lesen immer wieder daran denken was unser Reiseleiter auf dem Friedhof in Verdun sagte:

Hinter jedem Kreuz steht nicht nur die Geschichte eines Soldaten, sondern auch die Schmerzen einer Mutter und das Schicksal einer Familie.

ISBN: 978-3-462-02733-4
Erscheinungsdatum: 01. Januar 1995
80 Seiten, Paperback
KiWi 496
Lieferbar
Euro (D) 4,95 | sFr 7,90 | Euro (A) 5,10 

Link zur Verlagsseite

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3 Kommentare zu “Erich Maria Remarque, Der Feind

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