Birgit Querengässer, Die feine Art des Vögelns. Ein Handbuch für den modernen Beischlaf

– Schlecht im Bett ist immer der andere. – 
Nein, ich bin nicht auf dem Charlotte Roche-Niveau angekommen. Und bisher habe ich es auch immer nicht als sonderlich interessant empfunden, Bücher zu lesen, die die Sexualität unserer Artgenossen noch umfangreicher auf dem Teppich der Öffentlichkeit ausbreiten. Aber Birgit Querengässer, die ungefähr meiner Altersgruppe angehört ist nun einmal im selben Jagdrevier unterwegs und da ist ausreichende Information unerlässlich. Obwohl, als Redakteurin der Maxim und als freie Journalistin für die FAZ und den Playboy, bewegt sie sich wohl in einem etwas anderen Umfeld. Nun gut, aber irgendwelche Gemeinsamkeiten wird man schon haben. 
Nach dem Lesen des Vorwortes war mir klar, warum die Mini-Leseproben, die es auf Facebook gab, mein Interesse geweckt hatten und mir Gemeinsamkeiten zwischen Leserin und Autorin suggerierten: Der Humor. Schon die ersten vier Seiten haben mich zum Lachen gebracht und mein Geist verlangte nach mehr Input. Minimal niveaulos, extrem offensiv und dabei ein schelmisches Grinsen auf dem Gesicht. So trat mir der Erzähler oder besser die Erzählerin des Buches entgegen. Fantastisch! Wir hatten uns also gefunden und um auf einem einigermaßen einheitlichen Niveau zu starten, erfuhr ich erst einmal 25 Wahrheiten über Sex. Die einleitende Aussage „Es gibt drei verschiedene Stellungen. Alles andere ist Turnen“, war in meinen Augen so prägnant formuliert, dass ich wusste die Autorin ist Expertin und man muss ihr einfach alles glauben.
Sie hatte sich ja selbst vorgenommen ein sehr umfangreiches Buch zu schreiben, dass viele verschiedene Aspekte der menschlichen Kopulation betrachtet und hilfreiche Tipps gibt. Die Grundvoraussetzung für die Erprobung der Hinweise ist natürlich das Vorhandensein eines Partners. Die erste Frage ist also welcher Partnertyp überhaupt infrage kommt. Querengässer beschreibt diesbezüglich das Biotop, die Vor- und Nachteile, die häufigsten Aussagen und die eigentliche Bedeutung der Worte von der Kollegin, dem Internetflirt, der  Fremden, der Partnerin, der Affäre, dem besten Freund, der Ex, dem Verehrer, dem Schwulen, dem Sextoy und der Prostituierten. Hier ist schon ein erster positiver Aspekt des Handbuchs zu erkennen. Die Autorin beschreibt eine sehr große und heterogene Gruppe von möglichen Sexualpartnern. Ebenso verfährt sie auch in den anderen Kapiteln. Es wird immer eine Vielzahl von Möglichkeiten vorgestellt, unter der der Leser immer die passende findet. 
Hat der Ratsuchende einen bevorzugten Partnertyp ausgewählt, geht es an die Kontaktaufnahme. Fünf Varianten werden ausführlich beschrieben und es wird auch erklärt für welchen Menschenschlag die jeweilige Methode geeignet ist. Weiterhin gibt es Worst Case Szenarien. Beispiel: Es geht um das Anschreiben im Internet und die Auswahl bzw Bearbeitung eines geeigneten Fotos. 
Ideal für: Menschen, die sich gut mit Bildbearbeitungssoftware auskennen.
Worst Case: Sie geraten an einen Menschen, der sich gut mit Bildbearbeitungssoftware auskennt.
Irgendwie hat man es also geschafft und der ersehnte Partner steht vor einem. Wie verführt man ihn nun fachgerecht? Hierzu gibt die Autorin verschiedene Möglichkeiten an und erklärt auch immer die Bedeutung, die mit verschiedenen Handlungen in Verbindung gebracht wird.
Und dann, ja dann kommen wir endlich zu dem eigentlichen Akt der (Nächsten-)Liebe. Ganze drei Kapitel beschäftigen sich mit dem Geschlechtsverkehr. Begonnen wird mit Problemen und Lösungsansätzen, gefolgt von Benimmregeln und Sätzen, die Sexualpartner gerne hören.
Man könnte jetzt meinen, dass das alles war und es ja schön und gut ist, dass die Autorin auf humorvolle Art und Weise über Sex gesprochen hat. Aber nein, auch eine gute sexuelle Beziehung kann irgendwann langweilig werden und es stellt sich die Frage, wie man den Partner wieder los wird. Hierfür eignen sich verschiedene Methoden des gepflegten Kontaktabbruchs, der sich den Kategorien Event-Trennung, Trennung per SMS und Trennung ohne Trennung zuordnen lässt.
Ist auch diese Hürde übersprungen und der lästige Partner entsorgt, kann man weiter seinen Lüsten frönen, ohne Rücksicht auf jemanden zu nehmen. Auch für diese Lebensweise gibt in den Kapiteln „Hinweise für Vielreisende“ und „Methoden der Triebkontrolle“ Anregungen. Abgerundet wird das Werk durch einen kleinen historischen Abriss über die Sexualität, ein Kompendium über die Sprache der Liebe und den 14 Anzeichen dafür, dass Sie gut im Bett sind.
Dieser Überblick zeigt, dass thematisch kein Bereich ausgelassen wird und der Leser nach der Lektüre ein umfangreiches und aktuelles Wissen über die moderne Sexualität erlangt hat. Die wirklich sehr humorvolle und kurzweilige Sprache von Birgit Querengässer macht das Lesen zu einem Genuß. Zudem ist das Buch grafisch wunderschön aufgearbeitet und bietet auch einen kleinen optischen Appetithappen. Wobei ich sagen muss, dass die durchgehende rosa Färbung der Seiten doch den männlichen Konsumenten von einem Lesen in der freien Wildbahn abhalten wird.
Fazit: Ein lustiges kleines Buch, bei dessen Lektüre ich mich köstlich amüsiert habe. Ein kleiner Leckerbissen abseits der großen Literatur.
2. Aufl. 2011,
208 Seiten,
broschiert, 
zahlreiche Abbildungen,
zweifarbiger Druck
ISBN: 978-3-608-50304-3 
€ 14,95
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2 Kommentare zu “Birgit Querengässer, Die feine Art des Vögelns. Ein Handbuch für den modernen Beischlaf

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