George Mann, Affinity Bridge

– Newbury konnte es nicht glauben. „Ein Automat hat das Luftschiff gelenkt? Warum sagen Sie uns das jetzt erst? Da haben wir doch die wahrscheinlichste Ursache des Unglücks, Mister Stokes! Der Apparat hat versagt!“ – 
Sir Maurice Newbury ist nicht nur am British Museum tätig und veröffentlicht Aufsätze über die Bronzezeit und hält diesbezüglich Vorträge. Nein, er ist auch ein Agent, der für Königin Viktoria und somit für das British Empire arbeitet. Gerade besichtigte er noch einen Tatort, an dem ein blauer Geisterpolizist gewütet haben soll, als er die Nachricht erhält, dass  ein schreckliches Unglück geschehen ist. Ein Luftschiff ist abgestürzt und alle Insassen starben in den Flammen. Sir Maurice und seine emanzipierte Assistentin Veronica Hobbes sollen sich vorrangig um diesen Fall kümmern. Schon bei der ersten Besichtigung fallen ihnen sonderbare Dinge auf und wecken ihren Forschergeist. Aber auch den blauen Polizisten wollen die beiden nicht ganz aus den Augen verlieren.
Obwohl Veronica und ihr Vorgesetzter durch einen großen Wissensdurst und eine besondere Neugier verbunden sind, lassen sich auch sehr viele Unterschiede ausmachen. Während Sir Maurice ganz im Stil von Sherlock Holmes den Drogen verfallen ist und sich für Okkultismus interessiert, ist seine Assistentin eher abgeklärt. Nur wenn ihre Schwester während ihrer epileptischen Anfälle Visionen hat, rückt sie ein wenig von ihrem Weltbild ab. Zudem steht Veronica dem technischen Fortschritt sehr skeptisch gegenüber. Sie vermisst dabei die Einbeziehung der Menschen und hat Angst, dass diese in Zukunft nicht mehr benötigt werden.
Die vielen Abenteuer und Gefahren schweißen die beiden allerdings immer stärker zusammen.
In Ansätzen kann man die Entwicklung der Personen als gelungen bewerten. Leider ist das aber auch der einzige positive Aspekt, über den man berichten kann.
Ich kann die Beurteilung des Guardian („Unvergesslich aufregend- dieser Roman ist wie ein Schnellzug!“) nicht nachvollziehen. Es sei denn, die englischen Schnellzüge fahren so langsam wie ein durchschnittlicher Fußgänger läuft. Bis Seite 270 gab es keine nennenswerten Ereignisse, die für Spannung gesorgt hätten. Die interessanten Episoden häufen sich daraufhin zwar, doch die beiden Detektive müssen nichts tun. Sie werden nicht geistig beansprucht, sondern bekommen die Lösungen serviert. Gleichzeitig wird eine neue Enthüllung aber immer wie eine überirdische Leistung der beiden Protagonisten dargestellt. Das wirkt einfach nur lächerlich und führt dazu, dass man sich permanent das Buch an den Kopf hauen möchte. (Entschuldigt bitte die Ausdrucksweise, aber das Buch hat mich fast in den Wahnsinn getrieben!)
Zudem scheint mir die Übersetzung nicht kreativ genug. Sie wirkt sehr hölzern, lustlos und schmälert die Lesfreude enorm. Aber vielleicht ist das auch dem Originaltext geschuldet.
Letztendlich scheint der Autor auch nicht ausreichend rechercheirt zu haben. Sobald es um naturwissenschaftliche oder historische Aspekte geht, hat man den Eindruck, dass ein Laie am Werk war oder der Verfasser nur eine Google-Suche zum Thema betrieben hat.
Fazit: Für mich in keinster Weise Steampunk, sondern ein unterdurchschnittlicher Roman, den man sich (leider) sparen kann.

Aus dem Amerikanischen von Jürgen Langowski
Originaltitel: The Affinity Bridge
448 Seiten
Klappenbroschur
€ 16,99 [D], € 17,50 [A], sFr 24,90
ISBN: 9783492702386

 
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