Frau Freitag; Voll streng, Frau Freitag

– Als die Luft raus ist, hole ich das furzeinfache Arbeitsblatt raus ( eigentlich sind es drei – sicher ist sicher) und lasse es verteilen. Konzentrierte Ruhe. Niemand ist überfordert, und man zeige mir mal den Schüler, der sich ernsthaft über Unterforderung ebschweren würde – außer Schantalle natürlich. –
Die meisten Menschen denken ja, dass Lehrer ab 13 Uhr frei haben, zuhause nichts mehr machen müssen und durch eine Menge Urlaub gesegnet sind. Wer jedoch Lehrer im Freundeskreis hat oder sich selbst zu den engagierten seines Fachs zählt, kennt eine ganz andere Welt. In dieser Welt hat man nie Feierabend, ständig Konferenzen, tausende bürokratische Hürden und jede Menge nervenzehrende Diskussionen mit Schülern. Wenn wir von einer idealen Schülerschaft und einem super Kollegium ausgehen, sieht das natrülich ganz anders aus. Aber wer kennt schon eine Schule, an der das so ist?
Frau Freitag ist Lehrerin an einer Schule mit recht komplizierter Schülerschaft, die für sie eine Herausforderung darstellt. Sie akzeptiert ihre Schüler mit all ihren Macken, versucht ihnen aber wichtige Dinge (oder neudeutsch Kompetenzen) zu vermitteltn, die sie in ihrem späteren Leben gebrauchen können. Gleichzeitig lernt sie aber auch von ihren Schülern eine ganze Menge. Wie dies passiert beschreibt sie in ihrem Blog, der mehrmals wöchentlich aktualisiert wird. Die schönsten Geschichten und einge unbekannte Begebenheiten wurden bereits in dem Buch „Chill mal, Frau Freitag“ veröffentlicht. In dem zweiten Buch „Voll streng, Frau Freitag“ geht es hauptsächlich um ihre Klasse, die in der Zehnten ist, aber noch einige Probleme hat die eigene Zukunft in die Hand zu nehmen. Dabei ist es gar nicht so, dass bei allen Hopfen und Malz verloren wäre. Nein, sie scheinen sich nur noch ganz gut zu fühlen in der behüteten Welt der Schule und verplanen wichtige Termine. In vielen Fällen ist den Schülern nicht klar wie wichtig Engagement ist. Und teilweise muss man sie auch einfach als ein bisschen weltfremd abstempeln. Frau Freitag rotiert daher immer wieder, stellt Fragen, gibt Hilfen und versucht gleichzeitig die Schüler zu ermutigen. Das ist eine aufreibende Arbeit und gedankt wird ihr so gut wie nie. Doch wenn sie ihre Abschlussklasse mit der neuen siebten Klasse vergleicht, wird ihr klar, was sie alles geschafft hat und wie sich die Schüler entwickelt haben. Und darauf ist sie schon ganz schön stolz.
Frau Freitag berichtet in einem sehr ungezwungenen Stil über ihre Schüler. Sprachlich springt sie dabei immer zwischen der Ausdrucksweise ihrer Schüler und der eigenen Form hin und her. Das wirkt aber nie aufgesetzt oder unpassend. Es ist immmer in die jeweilige Handlung eingebettet und entspricht der vorherrschenden Atmosphäre. Zudem bewirkt dieser sanfte Stilwechsel, dass man immer mit einem gewissen Schmunzeln den Text liest und keine Verständnisprobleme hat. Dadurch kann man das Buch natürlich auch sehr fix druchlesen. Ist man hingegen ein Leser, der eher am Abend nur ein wenig lesen will, kommen einem die kurzen Kapitel entgegen.
Betrachtet man die Protagonisten genauer, entsteht der Eindruck, dass die Autorin völlig offen und schonungslos über sie berichtet. Das bezieht sich auch auf ihre eigenen Person. Frau Freitag gibt eigene Fehler zu, ohne Ausflüchte zu suchen. Sie berichtet aber auch über ihre Ängste, Wut und Traurigkeit. Das mag in manchen Fällen zwar auch auf eine sehr witzige Art und Weise passieren, wer aber zwischen den Zeilen liest, erkennt den wahren Gehalt.
Die Schüler findet man irgendwie putzig und im selben Moment ein klein wenig sonderbar. Und nach dem Lesen fragt man sich, ob ihr Verhalten und ihre damit einhergehende Leichtigkeit nicht auch ein bisschen erschreckend ist.
Insgesamt gibt Frau Freitag einen wundervollen und sehr humorvollen Einblick in den deutschen Schulalltag einer multikulturellen Gesellschaft. Der recht oberflächliche Leser wird sich köstlich amüsieren und vielleicht der blühenden Autorenfantasie danken. Alle anderen erkennen zusätzlich zum Spaß auch Hinweise, Probleme und die ein oder andere Moral.
Broschur
€ 9,99 [D], € 10,30 [A], sFr 13,90
ISBN-10: 3548374573
ISBN-13: 9783548374574
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