Ullstein open house 2012. Erster Teil

 

Im Frühsommer warb der Ullstein Verlag unter den Bücherwürmern für einen Workshop-Tag im Berliner Verlagshaus. Vielleser, die von der Teilnahmegebühr in Höhe von 50€ nicht abgeschreckt wurden, konnten sich um einen Platz bewerben. Ich versuchte einfach mein Glück und gehörte zu den ca. 50 Personen, die am 22.09.2012 kurz vor 10 Uhr in der Friedrichstraße begrüßt wurden und in dem wunderschönen Musiksaal des alten Schulgebäudes Platz nehmen konnten. Kurze Zeit später wurden wir bereits von Frau Bublitz, der Geschäftsführerin des Verlages, mit dem folgenden Mark Twain-Zitat begrüßt:
Es ist idiotisch, sieben oder acht Monate an einem Roman zu schreiben,
wenn man in jedem Buchladen für zwei Dollar einen kaufen kann.

 

In Deutschland folgt man dieser Aussage anscheinend nicht. In einem Kalenderjahr erscheinen hierzulande 90.000-100.000 neue Bücher. Mit 400 Büchern gehört Ullstein vielleicht nicht zu den ganz Großen der Branche, aber sie gehören sicher mit zu den kreativsten Köpfen und haben teilweise sehr hochwertige Titel in ihrem Programm. Dies sind bereits seit Gründung des Verlages zwei wichtige Merkmale der Ullsteins. 

 

Heute besteht der Verlag aus zehn Buchverlagen (Ullstein, List, Propyläen, Econ, Marion von Schröder, Allegria, Graf, List Taschenbuch,  Ullstein extra, Ullstein Taschenbuch).

 

Gearbeitet wird in den Abteilungen Lektorat, Herstellung, Marketing, Presse, Vertrieb und Lizenz.
Von den einzelnen Aspekten, die in den Vorträge dargelegt wurden, möchte ich hier nur die wichtigsten Punkte nennen:


Lektorat
Erst einmal der wichtigste Satz für diejenigen von euch, die eventuell selbst an verschiedenen Geschichten schreiben: Manuskripte bzw. Exposés an den Verlag können gerne auch unaufgefordert eingesendet werden! Diese werden daraufhin betrachtet, ob sie thematisch und stilistisch in das Programm des Verlages passen. Hauptaugenmerk liegt auf Erzählton, Sprache sowie Genre. Der entsprechende Lektor muss sozusagen einen Lesesog spüren, in den auch ein potenzieller Leser gezogen werden würde. Einmal in der Woche werden in der Hausrunde ausgewählte Manuskripte vorgestellt. Wenn sich alle für ein Werk entschieden haben, wird der Autor benachrichtigt und die wichtigsten Aspekte werden in einem Vertrag festgeschrieben, der sich am Erlösmodell orientiert. Das bedeutet, dass der Autor von Beginn an am Erlös beteiligt wird. Diesbezüglich erhält er einen Vorschuss, welcher einem Garantiehonorar entspricht, und demnach auch bei schlechten Verkaufszahlen nicht zurückerstattet werden muss. Der Verlag übernimmt zudem die Kosten für Lektorat, Vertrieb, Marketing und Schutz es Urheberrechts. Wirklich Leben können aber nur wenige Autoren von ihrer Schreibtätigkeit. Ungefähr 90% gehen einem (zweiten) Brotjob nach. 
Nach der Vertragsunterzeichnung beginnt die eigentliche Arbeit für die Lektoren und die Nacharbeit für die Autoren. Das gesamte Manuskript wird zunächst nach strukturellen Aspekten und dann nach sprachlichen Aspekten untersucht. Beide Phasen stellen sich als dialogischer Prozess zwischen Autor und einem der 25 Lektoren  dar.  Ist alles bearbeitet geht es für den Lektor aber noch weiter. Er oder sie muss Titelideen sammeln und Klappentexte konzipieren, die von der Marketingabteilung genutzt werden. 
In dieser Zeit laufen in der Herstellung bereits die Köpfe heiß.
 
Herstellung
Hier sind wahre Ästheten am Werk. Bis die Satzanweisungen für den Druck und die wichtigsten Informationen für die Endproduktion fertig sind, gibt es eine Menge zu tun. Zunächst muss eine lesbare Schrift für den jeweiligen Text gefunden werden und das beste Papier wird ausgesucht. Anschließend geht es an Einbandmaterialien, Prägungen, diverse Farbentscheidungen und immer wieder um Kalkulationen. Ist ein Beispielexemplar angenommen worden, geht es in die Produktion und manchmal kurz danach auch schon in den Nachdruck. Für die gesamte Herstellung werden ca. vier Wochen benötigt und damit sich ein Projekt mit Blick auf die Kosten überhaupt trägt, müssen mindestens 3.000-4.000 Exemplare hergestellt und verkauft werden. 
Für die Findung weiterer Leser sind die Mitarbeiter der Marketing-Abteilung zuständig.
 
Marketing
In dieser Abteilung erarbeitet man Kampagnen-Ideen, die zum Autor und zu dem Buch passen. Natürlich konzentriert man sich hier auf die eher bekannten Autoren und investiert in entsprechende Projekte mehr als in das Debüt eines Neulings. Grundlage für die meisten Strategien sind Analysen, die vorher von diversen Instituten oder dem Verlag erstellt wurden. Die „neuen“ Medien und die verschiedenen Portale, die bereits für Büchersüchtige existieren. Ganz vorne rangiert natürlich das hauseigene Portal vorablesen.de
Gerade in diesem Bereich gibt es aber Überschneidungen mit dem Bereich der Pressearbeit.
 
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
In dieser Abteilung sind mehrere Fachreferenten tätig, die sich mit einem Ressort beschäftigen. Sie erstellen Pressemappen, vereinbaren Termine in Redaktionen oder auf den Buchmessen, sind für den Vorschauversand und die Leseexemplare zuständig. Ebenso vermitteln sie Interviewtermine und planen Pressefahrten. Nach dem Erscheinen eines Buches geht es in dieser Abteilung hauptsächlich um das Nachfassen und Nachtelefonieren. es wird geklärt wer noch eine Rezension schreiben würde und in welcher Zeitung vielleicht noch ein Bericht platziert werden kann.

Vertrieb

Natürlich müssen auch zu den Buchhändlern Kontakte unterhalten und Vereinbarungen getroffen werden. Hierfür sind die Mitarbeiter des Vertriebes zuständig, die jeweils für verschiedene Regionen in Deutschland zuständig sind. Sie sichten den Markt, sorgen für die Präsenz in den eher kleinen Läden und Filialen der großen Ketten. Da sie die Auslieferung und den Zwischenhandel betreuen sowie Bestandsüberwachung, Auswertung und Logistik im Auge behalten, sind sie eine wichtige Komponente bei der Rückspiegelung der Marktentwicklung in den Verlag.

Alle Abteilungen greifen bei unterschiedlichen Prozessen ineinander und profitieren auch von den Erkenntnissen untereinander. Hierfür sind aus meiner Sicht natürlich eine gute Kommunikation und eine sinnvolle Führung des gesamten Verlages notwendig. Bezüglich der Ullstein Buchverlage habe ich an dem Besuchstag einen guten Eindruck bekommen und interessante Gespräche geführt. Das Verschieben der einzelnen Verlage, welches in den letzten Jahren durchgeführt wurde, habe ich dabei aber außeracht gelassen.

In den nächsten Tagen werde ich euch auch über die Erlebnisse berichten, die ich in den einzelnen Workshop-Gruppen hatte.

Inge Löhnig berichtete über Recherchemöglichkeiten, Marc Raabe diskutierte mit uns über das Anlegen von Figuren und Szenen. Und bevor der Tag durch einen kleinen Umtrunk beendet wurde, erzählte Nele Neuhaus ihre eigene Geschichte und die Etablierung auf dem Literaturmarkt.

Link zur Verlagshomepage
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