Sina Beerwald, Hypnose

– Aber das würde bedeuten, sie wäre in eine riesige Verschwörung hineingeraten. Viel lieber wollte sie an eine Halluzination glauben, auch wenn das kaum weniger beängstigend war.

Über die Autorin
Sina Beerwald, Jahrgang 1977, stammt aus Stuttgart und war schon als kleines Kind eine wahre Leseratte. Die örtliche Bibliothekarin hat wahrscheinlich schon immer die Augen verdreht, wenn die kleine Maus nach neuen Büchern gefragt hat, die sie noch nicht ausgeliehen hatte. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sie bereits früh den Wunsch äußerte Schriftstellerin zu werden. Ihre Eltern empfahlen ihr hingegen erst einmal einen richtigen Beruf zu erlernen, der es ihr leichter er- möglichen sollte die laufenden Lebenshaltungskosten zu begleichen. Ihrem Naturell entsprechend studierte sich daraufhin Bibliothekswesen und arbeitete nach dem Abschluss in einer wissenschaftlichen Bibliothek. Der Drang die ausgedachten Geschichten niederzuschreiben blieb aber erhalten und mündete 2001 in dem festen Entschluss einen historischen Roman zu veröffentlichen. Mit Hilfe eines Literaturagenten konnte Sina Beerwald den Heyne Verlag für sich gewinnen und hatte noch vor Beendigung eines Manuskriptes den Vertrag in der Tasche.Es blieb jedoch nicht bei dem Erstling „Die Goldschmiedin“. Es folgten drei weitere Romane, die einen historischen Hintergrund haben und in deren Mittelpunkt ein Handwerk steht.Im August 2012 veröffentlichte Beerwald dann ihren ersten Thriller „Hypnose“, der bereits vier Wochen später in die zweite Auflage ging.

Über das Buch
Seit einem halben Jahr lebt die Journalistin Inka Mayer sehr zurückgezogen in ihrem Stuttgarter Haus. Sie hat kurz vor Weihnachten ihr Baby zur Welt gebracht, welches kurz darauf verstarb. Doch nun möchte sie endlich die letzten sechs Monate hinter sich lassen und wieder in ihr altes Leben zurückkehren. Damit nichts mehr an die Ereignisse aus dem Winter erinnert, hat sie gemeinsam mit ihrem Mann die Wohnung renoviert und alle Dinge entfernt, die an das Baby erinnern. So richtig wohl fühlt sie sich zwar noch nicht, aber irgendwann und irgendwie muss ihr Leben ja wieder in geordneten Bahnen verlaufen. Um dieses Vor- haben in die Tat umzusetzen, hat Inka mehrere Freunde zu sich eingeladen und möchte die alten Kontakte wieder aufleben lassen. Sie merkt jedoch schnell, dass sie physisch und psychisch noch gar nicht so weit ist. Vor ihren Freunden verheimlicht sie dies natürlich und hofft, dass sie die alten Bekannten wieder in das Leben zurückholen.
Der Abend verläuft zunächst einmal recht schön und es werden neue Verabredungen getroffen. Doch die Nacht wird etwas unruhig. Inkas Mann ist bei der Spurensicherung und wird kurz nach Mitternacht an einen Tatort gerufen. Was Inka nicht ahnt: Eine ihrer Freundinnen, die auch auf der Feier war, soll ihren Verlobten umgebracht haben. Als sie das erfährt, wird ihr journalistischer Ehrgeiz geweckt und sie beginnt auf eigene Faust zu recherchieren. Dabei wird sie in ein sonderbares Psychospiel hineingezogen, das auf Hypnose und Manipulationen beruht und dazu führt, dass Inka teilweise nicht mehr erkennt, was der Realität entspricht und was nicht.

Meine Meinung
Erst einmal muss ich zugeben, dass ich wirklich keine Ahnung von Hypnose habe und daher völlig unvoreingenommen an dieses Buch herangegangen bin. Zudem bin ich der Meinung, dass Literatur häufig von der Realität abweicht und dies auch muss, weil sonst die Spannung darunter leidet. Daher habe ich mir schon lange angewöhnt nicht mehr darüber nachzudenken, ob der in einem Buch beschriebene Vorgang jetzt so stattfinden könnte oder nicht. Das würde mir doch den Spaß an den meisten Krimis, Thrillern und historischen Romanen stark verderben. Die Autorin hat mir allerdings diesbezüglich gesagt:

  „Ich war mit drei ausgewiesenen Hypnosetherapeuten in Kontakt, damit ich alles realsitisch oder plausibel schildere … und habe am Ende das vollste Einverständnis bekommen, dass mir alle Passagen zur Hypnose sehr gut gelungen sind …“

Mit einem guten Gewissen bin ich also in die Geschichte eingestiegen und habe mich schnell an die klare und sehr unkomplizierte Sprache gewöhnt. Durch diese schnörkellose Erzählweise findet man natürlich schnell in einen Lesefluss, gerät aber auch in die Gefahr etwas zu überspringen oder ganz allgemein, die Lust am Lesen der Geschichte zu verlieren. Je mehr die Geschichte jedoch an Fahrt gewinnt, desto stärker passt der pragmatische Stil zu den Vorgängen. Die knappen Sätze wirken nun nicht mehr abgehackt, sondern verstärken das Tempo. Dieser Prozess erstreckt sich in dem Buch über die ersten 100 bis 150 Seiten. Ein weiterer Grund für die veränderte Geschwindigkeit ist die Tatsache, dass der Leser plötzlich von seinen eigenen Theorien abweichen muss. Zunächst glasklare Zusammenhänge müssen neuen Erkenntnissen weichen und werden durch sinnvolle Wendungen ausgehebelt. Man muss also als Leser ein wenig Durchhaltevermögen beweisen, um zu dem spannenden Kern der Handlung vorzudringen. Ist man an diesem Punkt angelangt, möchte man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Die Komplexität nimmt im Verlauf zu und erfordert bis zum letzten Satz die ganze Aufmerksamkeit des Lesers.

Fazit
Für mich handelt es sich um eine Buch, das kleine Startschwierigkeiten aufweist. Es entwickelt sich aber aus meiner Sicht wunderbar und wird zu einem spannenden und eher unblutigen Thriller, der sich auf der psychologischen Ebene abspielt und trotzdem  auch für leichtere Gemüter geeignet ist. Und nachdem ich jetzt alles gemeinsam mit den Protagonisten durchgestanden habe, warte ich ganz ungeduldig auf Inkas neue Recherchen, da eine Fortsetzung angekündigt wurde!

Taschenbuch, 
Broschur, 
 400 Seiten,  
11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-453-43636-7

€ 8,99 [D]
| € 9,30 [A] | CHF 13,50* (* empf. VK-Preis)

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