Literaturblogger oder „Die Heuschrecken“?

Gestern wurde im Culturmag ein Text der Autorin Zoë Beck veröffentlicht, der sich mit dem Thema Literaturblogger beschäftigt und auf eine Art „Anleitung für Blogger“ aus dem Hause Blanvalet Bezug nimmt. Ich schätze Frau Becks analytische Vorgehensweise, ihre kritische Haltung und ihre Erfahrungen in der digitalen Welt sehr. Daher habe ich den Artikel zum Anlass genommen, mich einmal selbst zum Thema Blogger zu äußern. (Den Artikel von Zoë Beck findet ihr hier)

Warum bloggt man über Bücher?

Ich gebe zu, dass es bei mir mit einer gehörigen Portion Zeit angefangen hat, die irgendwie ausgefüllt werden wollte. Über das Portal vorablesen.de habe ich dann einige Blogger kennengelernt und selbst mit dem Schreiben angefangen. Für mich stand von Beginn an die Kommunikation im Vordergrund. Ich habe nie gedacht, dass ich mal von Verlagen Rezensionsexemplare erhalten könnte. Anfragen in diese Richtung habe ich unterlassen und rezensiert wurde, was ich eh im Regal hatte oder durch Vorablesen erhielt. Natürlich steht auch hinter dem Vorablesen-Portal ein Verlag. Aber das war für mich in Ordnung.

Mittlerweile habe ich nicht mehr so viel Zeit, weil das Referendariat und die anstehende Prüfung sowie die Familie wichtiger geworden sind. Und auch wenn es vielleicht gehässig klingen mag: Ich habe keinen gut verdienenden Ehemann oder wohne auch nicht bei meinen Eltern. Daher kann ich nicht stets und ständig bloggen, mich an diversen Diskussionen beteiligen oder Geld in dieses Hobby investieren. Ich weiß, dass es vielen Bloggern anders geht. Das ist ja auch schön für sie, aber für mich steht die Sicherung des Lebensunterhalts an erster Stelle und darauf müssen Verlage, Autoren und Leser Rücksicht nehmen. Ich blogge momentan aus Leidenschaft und aus Spaß, ich bekomme kein Geld dafür und ich strebe nicht nach Ruhm. Ich möchte einfach nur mein Interesse an Literatur und meine Erfahrungen teilen.

Wer liest solche Blogs

Ja, langsam frage ich mich das auch. Ich habe meine Texte vorher über Blogger veröffentlicht und hatte rund 100 regelmäßige Leser. Das ist in der heutigen Bloggerwelt nicht viel, hat mir aber auch ausgereicht. Ich war stolz darauf diese Zahl ohne diese nervigen und hirnlosen Gewinnspiele erreicht zu haben. Für mich waren diese Follower ein gerechter Lohn für meine Arbeit. Nun bin ich zu WordPress umgezogen, weil ich meinen Leserkreis erweitern wollte und es teilweise in diesem Rahmen mehr Möglichkeiten für Blogger gibt. Und was passiert? Die Besucherzahlen brechen ein, ich bin dem Wahnsinn nahe und überlege, ob ich mit dem Bloggen aufhören sollte. Aber was heißt das eigentlich? Die Follower bei Blogger müssen anscheinend eine Art von Karteileichen gewesen sein, die 150 Aufrufe am Tag hingen wohl mit irgendwelchen Suchmaschinen zusammen und die angezeigte Reichweite meines Blogs entsprach nicht der Realität. Völlig zu Recht schauen Verlage aber gerade auf diese Zahlen und entscheiden, ob Sie Bloggern Rezensionsexemplare zukommen lassen. Zu dem Umgang damit werde ich später noch einmal zurückkommen. Ich möchte noch einmal euren Blick auf die Zahlen richten. Ich blogge seit mehreren Jahren und hatte die oben genannten Zahlen. Nun frage ich mich, wie die ganz jungen Blogs auf ihre Besucherzahlen kommen. Muss man sich nicht generell fragen, ob die Zahlen korrekt sind? Erreichen die Blogs wirklich so viele Menschen, wie sie angeben? Oder geht es doch nur wieder um kostenlose Bücher? Und gleichzeitig stelle ich mir auch die Frage, ob die Besucherzahlen wirklich im Einklang mit der Qualität eines Blogs stehen.

Was man über die Bücher schreibt und schreiben sollte

In dem von Blanvalet herausgegebenen Leitfaden werden einige Angaben zum Verfassen von Rezensionen gemacht. Die Details und eine breite Diskussion dazu könnt ihr beim Lesekreis nachlesen. Engagierte und erfahrene Blogger werden über diese Angaben nur Lachen können, da sie diese Hinweise selbstverständlich schon lange beherzigen. Auf der anderen Seite empfinden das viele aus der LitBlogger-Szene als Einschränkung ihrer Arbeit. Ich verstehe diese Haltung, da man gerade beim Bloggen sehr viel freier agieren kann als es in den Printmedien möglich ist. Zudem sind wir (in den meisten Fällen) auch nicht Berufsrezensenten. Die Freiheit führt aber auch dazu, dass es viel Schrott gibt und viele Ahnungslose Menschen unterwegs sind. In diesem Zusammenhang finde ich es gut, dass ein Verlag Mindeststandards setzt. Ich will das mit einem Beispiel verdeutlichen:

Wenn ich ein Buch lese, mache ich mir während des Lesens Notizen. Ich suche teilweise Zitate heraus.  Anschließend recherchiere ich ein wenig über das Thema, die Autor_innen und ggf. die Illustrator_innen. Dann geht es ans Eingemachte und ich schreibe die eigentliche Rezension. Dabei fasse ich die Handlung zunächst zusammen und gehe im zweiten Teil auf die Konstruktion der Figuren, die Handlung, den Satzbau und so weiter ein. Meine eigene Meinung steht dabei natürlich im Mittelpunkt. Und hier ist ein deutlicher Unterschied zu den großen Rezensenten zu erkennen: Ja, ich habe nicht Germanistik studiert, mir sind nicht alle Fachbegriffe aus der Literaturwelt bekannt und es schleichen sich mal Fehler ein. Aber ich bemühe mich, lese Artikel zum Thema, versuche mir Begriffe anzueignen und schaue, wie andere Hobbyrezensenten schreiben.
Mit dem Schreiben des eigentlichen Textes hört die Arbeit aber nicht auf. Ich suche eine Coverabbildung heraus, pflege die Daten der Bücher ein, suche nach Leseproben und verlinke meine Artikel mit der Verlagsseite. Nach dem Veröffentlichen wird die Rezension auch auf diversen anderen Socialmedia-Seiten gepostet. Und wenn ich das Buch von einem Verlag oder durch eine Aktion erhalten habe, schicke ich natürlich sofort ein Dankeschön und einen Beleglink heraus. Wenn ich von den entsprechenden Personen die Vorgabe bekomme das Buch innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu rezensieren, mache ich das natürlich. Das finde ich nur fair.

Im Gegensatz dazu gibt es eine Vielzahl von Bloggern, die zwar grandiose Leserzahlen haben, deren Rezensionen aber nur aus einem Klappentext und zwei Sätzen bestehen, die als eigene Meinung deklariert werden. Immer wieder kann man erkennen, dass selbst diese Sätze aus bestehenden Rezensionen anderer Menschen geklaut wurden. Daher finde ich es durchaus legitim, wenn ein Verlag, der Rezensionsexemplare herausgibt,  Mindeststandards festlegt. Auch wenn ich es schön finden würde, wenn im Gegenzug die Blogger durch die Verlage ein bisschen mehr gewürdigt werden würden. Zum Beispiel durch Verlinkungen und Zitate.

Solche Vorgaben sorgen auch dafür, dass allgemein in der Bloggerwelt ein wenig mehr Qualität herrscht. Und diese Vorgaben sind ja nicht in Stein gemeißelt. Man kann darüber diskutieren, sie auskleiden oder einfach nicht mehr mit dem entsprechenden Verlag zusammenarbeiten. Warum das aber nicht geschehen wird, werde ich im folgenden Abschnitt erläutern.

Rezensionsexemplare oder wenn Blogger zu Heuschrecken werden

Einige Monate stapelten sich hier bei mir die Bücher. Ich war in jedem Portal angemeldet, über das man kostenlos an Bücher kommt. Ich habe an jedem noch so blöden Gewinnspiel teilgenommen, mir nur immer Bücher gewünscht und Rezensionsanfragen noch so unbekannter Autoren angenommen. Aber nur sehr selten habe ich direkt bei Verlagen nach Rezensionsexemplaren gefragt. Ich war dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte so viele Bücher zu lesen und ich wollte nicht betteln. Warum auch? Ich hatte genug Lesestoff für mehrere Monate. Daher war ich auch schockiert als ich auf der Frankfurter Buchmesse von verschiedenen Verlagsvertretern und Bloggerfreunden auf ein Phänomen angesprochen wurde. Anscheinend hatten sich einige Blogger zusammengeschlossen und haben die Verlagsstände regelrecht überfallen. Sie zogen erst ab, wenn die Mitarbeiter ihnen Rezensionsexemplare gegeben hatten. Für uns „alte Hasen“ war das ein Unding. Einige wenige schafften es, rasch unseren Ruf zu ruinieren. Blogger waren plötzlich die Heuschrecken der Branche und wurden nicht mehr ernst genommen. Mit dem Ende der Buchmesse endete dieses Problem jedoch nicht. Immer mehr Blogs erwachen plötzlich zum Leben, sind gefüllt mit Nichtigkeiten und bombardieren die Verlage mit Anfragen. Nun könnte man einwenden, dass jeder einmal klein angefangen hat und ich mittlerweile in einer ganz guten Position bin und daher laut brüllen kann. Zudem gibt es für jedes Thema Leser und jede Art von Blogaufmachung oder Rezensionsform findet ihre Liebhaber. Das mag sein, aber muss man denn diese Gier an den Tag legen? Ich denke, dass man erst einmal eine gewisse Leistung erbringen, sich einen Ruf erarbeiten muss. Dann kann ich mich an die Verlage herantrauen. Und genau damit sind wir wieder am Ausgangspunkt und den Vorgaben von Blanvalet. Die Verlage leben nun einmal von dem Verkauf der Bücher und auch die Autoren bekommen ein wenig ab. Wenn ich als Blogger ein kostenloses Exemplar bekomme, kann der Verlag doch auch eine Gegenleistung verlangen, oder? Ich produziere ja auch nicht irgendetwas und  gebe es einfach so kostenlos her. Und die Vorgaben beinhalten schließlich nur Aspekte, die gute Rezensenten von Natur aus beachten. Es gibt Portale für Blogger, Gewinnspiele, Wettbewerbe und teilweise Presseverteiler, die sich direkt an Blogger richten. Es ist also nicht schwer die „Kostenlos-Mentalität“ zu pflegen, wenn man es unbedingt will. Auf der anderen Seite wäre es aber schön, wenn es wirklich nur um das diskutieren der eigenen Wahrnehmung und Meinung gehen würde und nicht um die Anzahl der nicht bezahlten Bücher.

Fazit

Jetzt habe ich mich ein bisschen verrannt, weil es so viele Dinge gibt, die ich schon seit einer halben Ewigkeit schreiben wollte. Ebenso viele Dinge beschäftigen mich aber weiterhin und daher mag der vorliegende Text vielleicht nicht für alle einen Sinn ergeben. Daher bin ich auch für jede Diskussion bereit und würde mich freuen, wenn ihr mir eure Meinung mitteilt. Warum bloggt ihr? Was gehört eurer Meinung nach in eine gute Rezension? Und wie steht es um die Qualität in der LitBlogger-Szene?

Für mich bleibt eigentlich nur zu sagen: Ich wünsche mir mehr Qualität und mehr Dankbarkeit von der Bloggerseite. Im Gegenzug sollten die Verlage aber auch unsere Arbeit wertschätzen und unseren Beitrag an der Verbeitung neuer Werke nicht unterschätzen.

Advertisements

20 Kommentare zu “Literaturblogger oder „Die Heuschrecken“?

  1. Reblogged this on Buchjunkie und kommentierte:
    Charlene und ich haben uns ursprünglich über das Bloggen kennengelernt, dann festgestellt, dass wir mal fast Nachbarn waren (und es inzwischen wieder sind) und aus einem losen Bloggerkontakt wurde inzwischen eine Freundschaft.
    In diesem Beitrag hat sie vieles zur Sprache gebracht, über das wir uns schon oft unterhalten haben und das auch mir sehr am Herzen liegt, und aus diesem Grund möchte ich ihn hier rebloggen.
    Danke, Charlene!

  2. Die Bloggerszene ist von Neid zerfressen. Die wenigen neune Ideen werden von vielen einfach kopiert. Das Miteinander habe ich mir unter Literaturbegeisterten auch wirklich anders vorgestellt.

    Ich blogge nun schon seit 2000, zuerst mit einer eigenen Homepage auf der eigene Texte, Fotos und Buchrezensionen standen. Vor gut 6 Jahren bin ich dann auf einen kostenlosen Blog umgezogen, auch aus Kostengründen. Gut zwei Jahre habe ich Bücher auch mit Videorezensionen vorgestellt. Ich war die erste die passend zum Thema das Setting dekoriert hat, einen Buchvorspann gedreht hat oder mit Greenscreen die Rezenion aufgepeppt hat. Damit hebt man sich heute aber auch nicht mehr ab, weil jeder das kopiert.

    Wie du liebe Charlene habe ich keinen Mann der so viel verdient das ich meine Beine hochlegen könnte, ich lebe auch schon lange nicht mehr bei meinen Eltern.
    Das Hobby musste also irgendwie finanziert werden. Und da kam mir natürlich auch Vorablesen sehr gelegen. Das Gute wie ich fand, war das man das Buch nicht einfach so bekam. Momentan fehlt mir dazu leider auch die Zeit.
    Ich gebe auch gerne zu, das ich durch einen guten Kontakt zu Droemer, Luchterhand und DTV Bücher zum rezensieen bekommen habe. Man hat mich und meine Rezensionen geschätzt.
    Für mich hat sich dennoch einiges geändert, die wenige Zeit die ich habe möchte ich einfach auch mit den Büchern verbringen, die ich auch wirklich lesen mag und nicht muss. Es ist manchmal auch echt mühsam ein Buch zu besprechen zu dem es gerade schon 100 aktuelle Rezensionen gibt.
    Ich habe nicht die Zeit jeden Tag das Rad neu zu erfinden.

    Wenn ich regelmäßig blogge liegen meine Besucherzahlen zwischen 100 und 150, wenn es mal ruhig um mich ist bei ca. 50.
    In der Statistik kann ich sehen, das die meisten Besucher durch suchen nach Buchtitel auf meine Seite kommen. Ich gebe zu, diese Zahlen waren mal enorm wichtig für mich, und es wäre gelogen wenn es nicht eine Art von Bestätigung für die Arbeit die ich mir gemacht habe wäre. Eine Arbeit die ich wirklich gern gemacht habe.
    Nur leider macht Cyber Mobbing auch in der Lit-Szene keinen halt. Das führte dazu, das ich fast die Lust am lesen verloren hätte und viele meiner Kontakte verloren habe.
    Und das ist auch eine wirklich erstzunehmende Entwicklung.

    Wie die meisten nun auf ihre Klickzahlen kommen?
    Wenn du das mal bei Facebook beobachtest, hier wird ständig für irgendjemanden geworben. Wenn man sich in dieser Masse befindet, schwimmt man sehr gut mit dem Strom. Ganz wenige schaffen das weil sie gut sind, und andere strampeln und strampeln.

    Meine Frage jetzt an Dich:
    Wie wichtig sind dir denn die Klickzahlen? Du widersprichst dich etwas in deinem Text.

    Mein Fazit ist.
    Ich bin froh schon so lange zu bloggen. Neue haben fast keine Chance angenommen zu werden, da es schon viele schwarze Schafe gibt und wir ein weißes auch eigentlich gar nicht mehr erkennen wollen.
    Ich höre immer nur „die“ Bloggerszene, hier wird mir viel zu sehr über einen Kamm geschehrt!

    Liebe Grüße
    Karin

    • Danke für deinen ausführlichen Kommentar. Das mit den Klicks ist ja auch irgendwie sehr ambivalent. Man freut sich und die Verlage schauen darauf, aber sagt es wirklich etwas über die Qualität? Eigentlich ja nicht. Aber wie sie eine Alternative aus? Ich bin da wirklich ratlos. Und die Nachahmung finde ich auch wirklich ätzend. Da gibt man sich Mühe und dann…

      • Nein, ich glaube nicht das Abo oder Klickzahlen etwas über die Qualität aussagen. Es kommt ja auch immer wieder vor das Rezensionen geklaut und kopiert werden. Das ist auch das was mich bei Youtube gestört hat, denn die Videorezensenten gehören für mich dazu.
        Aber wollen die Leute denn berhaupt diese Qualität?
        Ich habe mir immer sehr viel Mühe gegeben, das istaber nie so richtig angekommen.
        Und plötzlich gibt es Teatimes und die Leute haben klicks und Abos ohne Ende.
        Meine Alternative war Rückzug, und damit geht es mir sehr gut.

    • Ich habe noch etwas vergessen: irgendwie muss man beim Meckern erst einmal über einen Kamm scheren und ich finde es gibt auch nur wirklich wenige sehr gute Blogs. Da gehöre ich noch lange nicht dazu, weder sprachlich noch vom Angebot her. Und meinst du wirklich, dass es neue so schwer haben? Warum gibt es dann so viele LitBlogs?

      • …nein, sie haben es nicht schwer, eigentlich sogar noch einfacher. Nur das sie nicht so unter den Bloggern angesehen sind. Blogger sind Grüppchenbilder 🙂

  3. Hallo !Ein spannender Blogeintrag. Ich hatte zeiweise bis zu 270 Leser auf meinem Blog die von einem Tag auf den anderen einbrachen – ich bin jezt bei 40, 60 auch mal 80 Lesern. AUch ich war bei blogger und habe mich dort abgemeldet…

  4. schöner beitrag, mal so richtig den schmonzes von der seele geredet…. 😉 muss auch sein, ist gut so.

    ich persönlich bin froh, daß ich wirklich nur für mich blogge. ich blogge genau das, was ich will, wie ich es will, warum ich es will.. ich arbeite nicht mit leseexemplaren und brauche auf niemanden rücksicht zu nehmen. ich freue mich über die besucher, die meinen blog lesen, aber ich poste nicht, um sie anzulocken. wer kommt, kommt und ist hochwillkommen, wer nicht kommt, kommt vllt später mal vorbei, vllt ist ihm mein blog auch nur zu anstrengend, weil absolut textlastig. dafür habe ich aber einen stamm von lesern, über die ich glücklich bin!

    das ist mein rat, den ich geben kann: nicht auf andere schauen und wenn, dann um zu lernen, nicht um zu kopieren. die eigene linie verfolgen und nicht versuchen, die klickzahlen zu erhöhen, in dem man sich verbiegt…

    lg
    fs

  5. Ein wirklich interessanter Text, durch den ich tollerweise auch gleich auf deinen Blog aufmerksam geworden bin. 🙂
    Ich kann nicht verleugnen, dass ich natürlich auch ab und auf meine Klickzahlen schiele, irgendwie ist das auch einfach eine schöne Bestätigung der Zeit, Mühe und Arbeit die ich in meinen Blog investiere. Trotzdem versuche ich mich an das zu halten, was auch Flattersatz anspricht: im Endeffekt blogge ich, weils mir Spaß macht und ich möchte nicht irgendwann nur noch Bücher lesen, weil ich darüber bloggen möchte, sondern ich möchte Spaß am Lesen haben. Der Blog und die Kontakte die dadurch entstehen sind aber natürlich eine große Freude. 🙂

  6. Ich bin gerade fast ein bisschen schockiert darüber, dass auf Buchmessen offensichtlich Horden von Buchbloggern Verlagsstände überfallen. Auf so eine Idee käme ich nicht im Traum. Ich habe mich lange nicht getraut, Rezensionsexemplare bei Verlagen anzufragen, weil ich mich für bedeutend zu schlecht und unbekannt hielt, um dem Verlag irgendeinen Mehrwert zu bringen. Geändert hat sich das, nachdem ein Verlag von sich aus angefragt hat, ob ich dieses oder jenes lesen wollte. Das hat mich ein wenig gestärkt, in meinem Vertrauen in mich selbst. Und mittlerweile frage ich schon mal, wenn mich ein Buch wirklich sehr interessiert. Das hat aber mitnichten dazu geführt, dass ich keine Bücher mehr kaufe. Nach wie vor gebe ich Geld für Bücher aus und ich glaube auch nicht, dass es jemals dazu kommen würde, dass ich das unterließe. Bloß, weil ich sie ja eventuell auch kostenlos bekäme.

    Mh, warum blogge ich. Anfangs war es Gedächtnisstütze und das Bedürfnis, mit anderen Lesern über Literatur ins Gespräch zu kommen. Mittlerweile bemerke ich, dass ich mir durchaus vorstellen könnte, auch beruflich in eine solche Richtung zu geben. Da ich aber noch in der Ausbildung bin und einen 40-Stunden-Job habe, bleibt natürlich längst nicht soviel Zeit für dieses Hobby, wie ich bräuchte. Ich bin jedenfalls durchaus ambitioniert, aus diesem Hobby mehr zu machen, denn ich liebe das Schreiben über kulturelle und literarische Themen und bilde mir ein, da auch eine gewisse Qualität zu produzieren. Sonst würde ich nicht weiterhin bloggen. Allerdings unterschreibe ich durchaus deinen Eindruck, dass das häufig nicht der Fall ist. Buchblogs sprießen wie Pilze aus dem Boden und für viele ist es offenbar eine gute Möglichkeit, kostenlos ihr Bücherregal aufzufüllen. Hinsichtlich der Besuchszahlen kann ich wenig sagen. WordPress schlüsselt ja eigentlich sehr detailliert auf, woher die Besucher kommen und durch welche Links sie auf den Blog gestoßen sind. Dementsprechend erachte ich diese Statistiken schon als aussagekräftig.

    Die Qualität in der Lit-Blog-Szene schwankt ganz gewaltig. Und vielen ist es, hatte ich oft den Eindruck, mehr daran gelegen, ihr Lesen zu präsentieren (durch zahllose Listen und Statistiken, gekrönt durch die Absurdität, den Lesern mitzuteilen, wie viele Seiten man im Monat gelesen habe) als sich tatsächlich inhaltlich mit dem Gelesenen auseinanderzusetzen. Bei vielen Büchern gibts allerdings auch nichts, worüber man diskutieren und womit man sich auseinandersetzen kann. Der dreißigste Vampirroman lockt eben auch niemanden mehr hinter’m Ofen vor, außer die, die diese Art von Literatur sowieso lesen. Alles in allem ein interessantes Thema, was durch diese Richtlinien da losgetreten wurde.

  7. Ich blogge, weil ich mich mitteilen möchte. Weil ich Spaß daran habe, daß andere Spaß an meinen Beiträgen haben. Gut, mein Blog ist kein Literaturblog, trotzdem bin ich als Rezensent recht aktiv unterwegs (Amazon, Vorablesen, Büchereule, Lovelybooks) Eine Zeitlang haben mir Leserunden mit Freiexemplaren großen Spaß gemacht, als ich feststellte, daß kritische Meinungen zu gehypten Büchern dort nicht gerne gesehen sind, habe ich das beendet. So nötig habe ich die Freiexemplare nicht, daß ich mir meine Meinung verbieten oder verbiegen lasse. Mittlerweile beziehe ich dank Amazonvine und vorablesen sehr häufig Rezensionsexemplare. Auf die Idee selbst an einen Verlag heranzutreten und diesen um Freiexemplare zu bitten, würde ich NIEMALS kommen. Wenn ich ein Buch haben möchte, dann kaufe ich es mir und unterstütze damit den von mir wertgeschätzten Autor. Vor einiger Zeit bekam ich dann von mehren Verlagen aufgrund meiner bei Amazon hinterlegten Emailadresse Anfragen, ob ich Interesse an diesem oder jenem Buch hätte. Hatte ich und nun bekomme ich tatsächlich hin und wieder Freiexemplare, was mich ungemein freut. Bei diesen Exemplaren fühle ich mich dann aber auch verpflichtet, sie auf „Herz und Nieren“ zu testen: Eine Inhaltsangabe gehört für mich allerdings nicht zur Rezension und ich muß zugeben, diese immer recht genervt zu überblättern, wenn ich Rezensionen lese. Auf meinem Blog finden sich allerdings nur Besprechungen von Kochbüchern wieder, ob sich das irgendwann ändern wird, weiß ich noch nicht. Aber eigentlich finde ich meine Rezensionen nicht wichtig genug, um ihnen dort einen größeren Raum zu schaffen und offenbar sind die Verlage auch mit meinen Bewertungen bei Amazon, Lovelybooks und der Büchereule glücklich.

    Das Wichtigste am Bloggen und Rezensieren ist mir aber, daß ich authentisch bleibe, daß ich auch mal sagen darf: „Mein Gott, war das eine gequirlte Scheiße!“
    Damit laufe ich sicherlich auch hin und wieder Gefahr, daß ein Verlag sagt, ne der geben wir aber kein Buch mehr. Na und? Ich blogge/spreche nicht für Bücher… ich blogge/spreche über sie.
    Das ist ein Unterschied!

    PS: Klickzahlen sind mir so egal, daß ich nicht mal sagen könnte, wie die bei mir ansatzweise aussehen.
    Ich blogge aus Spaß, aus keinem anderen Grund!

  8. Was du schreibst, kann ich voll und ganz teilen, obwohl ich eigentlich erst seit diesem Jahr ein Auch-Literatur-Blog führe. Besonders der Punkt mit den „Mindeststandards“ ist ziemlich entscheidend. Ich denke, die Struktur des Internets verleitet dazu, mal eben schnell seine Meinung herauszuschreiben. Man hat die Möglichkeit dazu, die sich einem sonst in Printmedien oder gar im Fernsehen oder Radio nur sehr selten bietet. Leider fühlen sich dann oft auch Menschen dazu berufen, ihre Leseeindrücke kund zu tun, die sich eigentlich nicht wirklich mit dem Werk auseinandergesetzt haben, das sie rezensieren. Hin und wieder darf man sogar Meinungen zu Büchern sehen, die von den Blogger_innen selbst gar nicht gelesen wurden. Aber selbst wenn die Bewertung auf eigenen Leseerfahrungen beruht, was zum Glück doch meistens der Fall ist, fehlt meiner Meinung nach oft eine gewisse Distanz und der Versuch, die Bewertung für andere nachvollziehbar zu machen. Auch ein subjektives Empfinden, dass man das Buch langweilig oder aber spannend fand, kann ja reflektiert und begründet werden – wird es aber meistens nicht. Das kann und sollte natürlich in den meisten Fällen nicht im Interesse der Verlage sein, selbst wenn das jeweilige Buch dadurch Mund-zu-Mund-Propaganda erfährt.
    Was du von der Buchmesse berichtest, ist wirklich erschreckend und war mir auch gar nicht bekannt. Auf der anderen Seite sollte man eigentlich der Literaturszene auch zumuten, dass sie nicht von solchen Einzelfällen auf die Allgemeinheit der Bloggenden schließt. Ich selbst habe auch gar nicht unbedingt ein Interesse daran, kostenlose Bücher zu erhalten, denn wenn ich tatsächlich alle diese Werke rezipieren würde, die ich dort meist geschenkt bekomme, käme mir sicherlich eine Menge Schwaches, vielleicht auch Ärgerliches über den Schreibtisch. Zudem geht es mir gerade darum, dass ich, wenn ich Neuerscheinungen kaufe, kleinere Verlage wie z.B. Kook Books auch unterstützen kann. Wie viele wunderbare Verlage sind schon eingegangen oder wurden aufgekauft, weil es nicht möglich war, sich mit einem anspruchsvollen Programm gegen die Riesen am Markt durchzusetzen. Man denke da nur an Ammann. Geht es also wirklich bei vielen Blogger_innen nicht eher um das Haben, um das Geschenkt-Bekommen? Oder steht da noch das Lesen im Vordergrund, die Lust der Lektüre? Ich bin mir da leider nicht immer so sicher…
    In diesem Sinne vielen Dank für deinen Artikel! Es freut mich, hier ein neues, interessantes Blog gefunden zu haben!

  9. Ich blogge, weil es mir Spaß macht. Ich blogge erst seit etwas über einem Jahr und sehe das als meine „virtuelle Spielwiese“, vielleicht auch eine Art „Lesetagebuch“. Ich finde es schon verständlich, dass Verlage einen Mindestqualitätsanspruch haben und als Ergebnis ihrer Rezensionsexemplare dann vielfach nur einen abgetippten Klappentext + 2 Zeilen „eigene Meinung“ möchten. Ich bin allerdings jetzt einfach mal so frei und sage, ich will nicht über alles, was ich lese auch tatsächlich bloggen müssen. Klar, ich habe auch mal ein Buch über vorablesen oder blogg dein Buch gelesen und darüber geschrieben, aber ich bin dann auch schnell wieder davon abgekommen. Ich will mich nicht in ein Schema pressen lassen, ich will z.B. keine biografischen Details über den Autor schreiben müssen weil mich selbst das auch schlichtweg in den meisten Fällen nicht sonderlich interessiert. Und wenn doch: dafür gibt es die Verlagsseiten, Homepages der Autoren, Wikipedia usw. Ich will mich sowohl sprachlich als auch inhaltlich austoben dürfen oder schlicht und einfach auch mal keine Rezension schreiben. Ich habe auch keinen reichen Ehemann oder Eltern, die mir das Geld hinterherwerfen, ich muss für meinen Lebensunterhalt arbeiten und Lesen und auch Bloggen ist für mich in erstern Linie ein Hobby, das ich so gestalten will wie es mir in den Sinn kommt. Also kaufe ich meine Bücher selbst und schreibe (oder auch nicht), wie es mir gerade gefällt. Ich bin lieber unabhängig, und was Leserzahlen angeht: ja, mich kennt so gut wie niemand. Meine Klickzahlen sind ein Witz. Aber ich mache das für mich, meine Freunde und eine Handvoll Leute, die sich ab und zu zu mir verirren. Natürlich ist der Gedanke manchmal schon verführerisch, über große Klickzahlen an kostenlose Rezensionsexemplare zu kommen, aber das würde für mich ja auch wieder bedeuten, dass ich mich den Qualitätsansprüchen anderer beugen müsste. Wenn ich eine Rezension schreibe dann bemühe ich mich natürlich, meinen gefühlten 3 Lesern gerecht zu werden. Aber eben auf meine Art und Weise. Ohne abgetippten Klappentext, ohne Verlags/Amazon/sonstwas-Link und ohne irgendwelchen Richtlinien zu folgen.

    Deshalb habe ich mich gefreut, auch mal eine kritische Stimme zu diesem Thema zu hören. Es nervt mich, wenn ich auf sehr vielen Blogs diesselben Rezensionen zu lesen bekomme oder von einem „Verlink mich“-Gewinnspiel übers nächste stolpere. Da lese ich dann lieber auch mal kritische Rezensionen, die nicht unbedingt dem üblichen Schema folgen müssen. Ich lese gerne Blogs, bei denen erkennbar ist, dass der Blogger das, was er tut aus einer gewissen Leidenschaft zur Sache macht und mit Begeisterung dabei ist und nicht weil da wieder mal ein paar kostenlose Bücher rausspringen könnten.

  10. Hach, alle Kommentare sind so schön und ausführlich… Da geht einem doch das Bloggerherz auf. Ich danke euch für die vielen Antworten, Ratschläge, tollen Worte und vielfältigen Ansichten. Zunächst hatte ich ein wenige Bedenken, ob es so gut war einfach mal meine Meinung auszuspucken. Aber jetzt bin ich froh, dass ich es getan habe und denke, dass ich auch in Zukunft nicht nur meine Rezension posten werde, sondern auch mal andere Artikel schreiben sollte.

  11. Liebe Charlene,

    die Frage, „ob die Besucherzahlen wirklich im Einklang mit der Qualität eines Blogs stehen“ würde ich – als Leser OHNE Buchblog – einfach mal verneinen. Darüber solltest Du Dir keine Gedanken machen. Es ist leicht, einen Blog zu erstellen, ein paar erste (hoffentlich selbst verfasste) Rezensionen zu veröffentlichen und dann vielleicht sogar „regelmäßige Leser“ über Gewinnspiele zu ködern – regelmäßig? Das bezweifel ich … aber die „Follower“-Zahlen steigen … natürlich ist es eine Bestätigung für den Blogbetreiber, wenn er sieht, die Follower-Zahl bzw. die Klicks steigen, aber man sollte sich nicht verrückt machen, denn der Blog soll in erster Linie doch dem Betreiber – hier also Dir! – eine Freude machen! Und es gibt so unterschiedliche Blogs bzw. Blogger/innen, für mich persönlich spielt da auch die Sympathie eine Rolle, sogar das Aussehen des Blogs – ja, natürlich auch die Rezensionen 🙂 Wobei ich dadurch auch Blogs besuche, die gar nicht unbedingt meinen Lesegeschmack widerspiegeln. Momentan bin ich aber (leider) nur wenig in der Buchblog-Szene als Leser unterwegs (Zeitmangel).

    Liebe Grüße
    Svenja

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s