Robert Galbraith, Der Ruf des Kuckucks

Das bekannte Model Luna Landry wurde tot vor einem Wohnhaus in London aufgefunden. Laut einer Zeugenaussage habe sie sich kurz vorher in ihrer Wohnung mit einem Mann gestritten. Vermutungen aus dem Umfeld legen nahe, dass sie selbst in den Tod gesprungen ist. Auch die ausführlichen Ermittlungen der Polizei kommen zu dem Schluss, dass sich die wunderschöne Frau von ihrem eigenen Balkon gestürzt hat. Doch ihr Bruder, der genauso wie sie adoptiert wurde, glaubt nicht an einen Selbstmord. Er engagiert einen Privatdetektiv, den er noch aus Kindertagen  flüchtig kennt. Und obwohl dieser keinen Anhaltspunkt für einen Mord sieht, nimmt er den Auftrag an, weil er in großer Not steckt. Er hat sich von seiner wohlhabenden Verlobten getrennt, die Kunden rennen ihm nicht gerade das Büro ein und ein Kredit muss auch ganz dringend abbezahlt werden. Obwohl die Voraussetzungen also nicht die besten sind, macht sich Cormoran Strike sehr gewissenhaft an die Aufklärung des Todes und wird dabei von seiner Sekretärin, die eigentlich nur als Aushilfe tätig sein sollte, tatkräftig unterstützt. Beide tauchen in die Welt der reichen und schönen Menschen ein und finden eine Menge schmutziger Wäsche, die sortiert ein ganz anderes Bild von Luna Laundry und ihrer Umgebung ergibt.

Unter dem Pseudonym Robert Galbraith wollte J. K. Rowling den Krimi veröffentlichen. Ein kleines Plappermaul hat aber schon lange vor dem Erscheinen den echten Namen der Autorin genannt. Und nun zerreißt man sich wiederum die Mäuler, ob die Qualität des Werkes nicht eher gegen das Können der Harry Potter-Erfinderin spricht. Ich muss zunächst gestehen, dass ich bisher kein einziges Buch aus ihrer Feder gelesen habe. Daher kann ich auch keinen Vergleich zu den älteren Werken anstellen. Ich habe mich aber trotzdem gefreut als ich das Buch in der Hand hielt, weil ich endlich mal wieder einen guten Krimi lesen wollte. Schon die ersten Seiten haben mich gepackt, weil die Autorin eine ganz kleine nette Welt erschafft, die nicht hundertprozentig unserer Realität entspricht aber nahe an sie herankommt. Sie versucht häufig über klare und angenehme Bilder eine Situation oder eine Umgebung zu beschreiben und so Assoziationen beim Leser zu wecken. Da ich für solche Vorgehensweisen sehr empfänglich bin und die Sprache sehr leicht verständlich ist, habe ich mich also gleich beim Lesen wohlgefühlt. Zudem mag ich die klassischen Detektivgeschichten und war neugierig, ob es Rowling schafft den Typ des Detektivs auf die heutige Zeit zu übertragen. Mit Cormoran Strike hat sie eine Figur erschaffen, die aus meiner Sicht nicht nur sympathisch ist, sondern gleichzeitig auch sehr überlegend handelt ohne dabei solch übertrieben geniale Züge wie Sherlock Holmes oder ähnliche Figuren an den Tag zu legen. Den anderen werden zwar sehr überspitze Charakterzüge zugeschrieben, die vielfach klischeebehaftet sind. Trotzdem wirken sie auf mich nicht unrealistisch oder zu überzogen. Die Biografien der Handelnden werden dem Leser recht langsam dargelegt und immer wieder hat man das Gefühl, dass noch nicht alles gesagt wurde. Genauso langsam entwickelt sich auch die Handlung. „Der Ruf des Kuckucks“ ist kein rasanter Krimi, dessen Spannung mit jedem Kapitel zunimmt. Es ist eher ein Buch, bei dem man mitdenken muss und gleichzeitig die Arbeit eines Detektivs begleiten kann. Dies erinnert wiederum an die klassischen Werke, lässt aber an manchen Stellen eine gewisse Raffinesse vermissen. Ein kleines weiteres Opfer hier oder eine völlig unerwartete Wendung da, würden bei manchen Lesern sicherlich für mehr Lesefreude und vor allen Dingen Leselust sorgen. Aber vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung, in die solche Dinge eingearbeitet werden können.

Fazit: Da ich keine Erwartungen an das Buch hegte, wurde ich auch nicht enttäuscht. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und wieder Lust auf andere Detektivgeschichten bekommen. Wer allerdings eine super spannende und rasante Geschichte erwartet, wird sicherlich enttäuscht sein.

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Gebundenes Buch mit Schutzumschlag,
640 Seiten,
13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-7645-0510-3
€ 22,99 [D] | € 23,70 [A] | CHF 32,90* (* empf. VK-Preis)

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3 Kommentare zu “Robert Galbraith, Der Ruf des Kuckucks

  1. ein gutes neues jahr und danke für die empfehlung! ich finde es sehr lustig, dass du noch nie hp gelesen hast… kennst du die filme? am besten ist der 3. teil (falls du doch mal in die versuchung kommen solltest 🙂 )
    schönste grüße, a.

    • Der Hype war mir irgendwie zu blöd 🙂 Aber vielleicht komme ich ja irgendwann noch einmal dazu. Ich denke spätestens, wenn mein Sohn in dem entsprechenden Alter ist. Und danke für den Tipp!

      • 😉 ich hab die ersten bücher nach dem hype gelesen. ich finde, j.k.r. hat glück, dass sie so großartige filmleute gefunden hat. gerade der erste teil ist sehr schön märchenhaft und voller zauber. aber wie gesagt der dritte teil… übrigens ist es nicht die schlechteste lektüre für den sohn, er wird dir das schon erklären ❤

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