Kai Lüftner, Das Kaff der guten Hoffnung

Endlich hat es der Kai geschafft. Er ist momentan in aller Munde. Nein, ich sollte lieber sagen, dass er momentan in vielen Ohren steckt und viele neue begeisterte Leser gefunden hat. Zunächst einmal wurde nämlich die grandiose CD „Rotz’n’Roll Radio“ veröffentlicht, die nicht nur Kinder begeistert.

Hier bekommt ihr einen kleinen Einblick in die tollen Songs und seht auch gleich einen „Mitarbeiter“, der wie Kais Zwilling wirkt:

Beonders gefreut hat mich auch, dass das Buch „Für immer“ mit dem Leipziger Lesekompass ausgezeichnet und damit endlich auf die große Bühne geschoben wurde. Meine entsprechende Rezension könnt ihr HIER lesen.

Da der Herr Lüftner aber nicht zur Ruhe kommen kann, gibt es jetzt ein neues Buch aus seiner Feder, welches ich euch heute vorstellen möchte.

Kalle wäre ein ganz normaler frecher Junge, wenn er nicht DER Ausbrecherkönig wäre. 136 Kinderheime hat er jetzt schon kurzfristig bewohnen dürfen und in keinem hielt er es länger als ein paar Stunden oder Tage aus. Lange Zeit wusste er nicht, was ihn dazu antreibt und woher er den Mut zu seinen Taten nimmt. Sein Leben scheint ihm irgendwie selbstverständlich zu sein und die Sehnsucht nach einem richtigen Zuhause hält sich in Grenzen. Doch durch ein schicksalhaftes Ereignis wird ihm klar, dass seine Fluchten vielleicht viel mehr bedeuten und gleichzeitig auch einem guten Zweck dienen können. Seinen großen Bruder, der auch ein Heimkind wurde, vermisst er nämlich tief in sich drin sehr. Er hat aber keine Ahnung, wo er ihn finden könnte. Also nutzt er seine Kinderheimhoppingtouren für die Suche nach der Verwandtschaft. Erfährt er, dass sein Bruder nie in dem einen Heim weilte oder schon lange weg ist, zieht er weiter. Der Plan läuft bis zum Haus mit der Nummer 137, das den Name „Zur guten Hoffnung“ trägt. Dort trifft Kalle auf eine Menge eigentümlicher Gestalten, die in ungewohnt berühren. Sie stoßen ihn ab, amüsieren ihn und zeigen ihm, dass man auch in einem Kinderheim Freundschaften schließen kann. Gemeinsam mit drei anderen Kindern, die zu den schwer oder gar nicht vermittelbaren Heimbewohnern gehören, rutscht Kalle recht schnell in ein mitreißendes Abenteuer, das voller Überraschungen steckt und ihn zum vorübergehenden Bleiben bewegt.

Kurt Krömer hat einmal geschrieben, dass ihn gerade die Aufgaben und Ideen reizen, von denen andere Menschen sagen, dass man das doch gar nicht machen kann. Oft habe ich das Gefühl, dass diese Aussage auch auf Kai Lüftner zutrifft. Er schreibt Bücher über Kinderbanden, er verfasst ein Kinderbuch über den Tod eines Elternteils, dann kommt eine CD mit Liedern heraus, die wohl von einigen Eltern als pädagogisch nicht sehr wertvoll eingestuft werden und dann kommt eine Geschichte über ein Heimkind, das auf der Suche nach sich selbst und dem eigenen Bruder ist. Allen Geschichten ist gleich, dass sie von einigen erwachsenen Menschen teilweise nicht richtig verstanden oder negativ aufgenommen werden, aber genau die Nerven der Kinder treffen. Kai Lüftner schafft es für jede Geschichte die geeignete Sprache zu finden, die die Erwachsenen teilweise aus der erschaffenen Welt ausschließt und gleichzeitig großes Verständnis für die jungen Leser und Zuhörer zeigt. Aber auch für die großen Interessenten gibt es eine Chance in den Kosmos eintreten zu können. Man muss nur das Kind, welches in jedem von uns schlummert, aufwecken und in die Freiheit entlassen. Man muss mal den pädagogischen Zeigefinger in die Hosentasche stecken und daran denken, was man als Kind gerne für Geschichten gelesen und gehört hätte. Und erst dann wird man sich wirklich an den Arbeiten erfreuen können.

Genau dieser Gedanke schoss mir sofort wieder in den Kopf als ich die ersten Seiten des Kaffs gelesen habe und die Pädagogin in mir herauskam, die sich gefragt hat, ob Kinder und Jugendliche die Anspielungen überhaupt verstehen und ob sie die kreativen Wortfantasien überhaupt zusammenhängend lesen können. Ich kann die Frage gleich mit einem dicken JA beantworten. Die verspielte Sprache, die sich besonders in den Namen und den Wortkreationen zeigt, kann von pfiffigen 8-jährigen Lesern genauso wie von durchschnittlichen 11-Jährigen verstanden werden. Und beide Altersgruppen werden sich auch von der Geschichte angesprochen fühlen, da die handelnden Personen in diese Altersspanne gehören. Wenn man die Geschichte vorliest, ist sie auch schon für 6-jährige Zuhörer geeignet, wenn man sich über einzelen Punkte auch mal austauscht. Verantwortlich hierfür ist auch die Vielschichtigkeit der Figuren. Jeder Lesertypus wird sich in irgendeiner Figur wiederfinden und kann ihre Handlungen nachvollziehen. Zudem haben die meisten Personen Charaktereigenschaften, denen wir gewollt oder ungewollt im Alltag gegenübertreten. Und gerade Kinder haben für Menschen und ihr Getue viel feinere Antennen als wir Erwachsenen. Daher werden sie keine Probleme mit den Handlungssträngen haben. Weiterhin flechtet der Autor fantastische Elemente in die Geschichte ein, die einen Hauch von Magie versprühen und so die eigentliche Geschichte noch ein wenig spannender machen.

Da das Buch ein „Kein Ende“ hat, kann man dieses Werk wohl als Einstieg in eine Reihe sehen. Das sollte man bei der Bewertung nicht vergessen, weil man während des Lesens manchmal den Eindruck hat, dass zu viele Personen oder Ereignisse geschildert werden. Das wäre auch mein einziger Kritikpunkt, der aber schon durch den Autor selbst aufgelöst wird. Denn ein einziges Mal holt er doch den Zeigefinger heraus und weist darauf hin, dass man doch konzentriert lesen möchte, wenn man alle Witze verstehen will. Das habe ich natürlich gemacht und bin nun irgendwie ein Teil des Kaffs der guten Hoffnung geworden.

Man kann abschließend sagen, dass Kai Lüftner hier mal wieder ein ganz neues Fass aufgemacht hat und man gespannt sein kann, was sich darin noch alles befindet. Wird der Bösewicht, der allergisch auf Lachen reagiert, wieder auftauchen? Wird Kalle jetzt seine Ausbrecherkarriere beenden? Und welche kuriosen Erfindungen hat der Professorprofessor noch gemacht?

Mein junger Zuhörer und ich sind auf jeden Fall gespannt und hoffen, dass wir ganz schnell Neuigkeiten aus dem Kaff lesen können.

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208 Seiten, gebunden
FISCHER Sauerländer
ISBN 978-3-7373-5066-2

Link zur Verlagsseite

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