Themenjahr „Erster Weltkrieg“

In vielen europäischen Staaten erinnert man in diesem Jahr an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges und versucht mit diversen Bildungsprojekten die historischen Kompetenzen zu fördern. In diesen Krieg waren fünfzig Staaten involviert und am Ende zählte man ungefähr 20 Millionen Tote. Gerade in Frankreich und in Deutschland waren so gut wie alle Familien in irgendeiner Art und Weise von den Kriegsfolgen betroffen. Da ein großer Teil der Kämpfe auf französischem Boden stattfanden, ist es auch nicht verwunderlich, dass man dort vom “ La Grande Guerre“ spricht.

In diesem Zusammenhang haben wir im Kinderbuchladen „Der Buchsegler“ ein Schaufenster gestaltet, das einerseits Briefe aus dem Ersten Weltkrieg zeigt, andererseits aber drei Graphic Novels vorstellt, die sich in unterschiedlicher Weise mit dem Thema auseinandersetzen.

10460664_878091335537433_3027437676593567167_oDiese Graphic Novels und einige andere Bücher, die sich mit dem Thema beschäftigen, möchten wir heute auch hier in kurzer Form vorstellen.

1. Graphic Novel „Mutter Krieg“ von Maël und Kris
Die Graphic Novel „Mutter Krieg“ beschäftigt sich auf den ersten und flüchtigen Blick mit dem Ersten Weltkrieg. Dieser bildet aber eigentlich nur den historischen Kontext. Im Mittelpunkt steht ein Mord an einer jungen Frau. Der ermittelnde Polizist Vialatte vermutet den Täter in einer Truppe von jungen und noch sehr unerfahrenen Soldaten. Als gläubiger Katholik und eiserne Patriot hat er eine ganz eigene Meinung von den Männern. Sehr gegensätzlich zu ihm steht der Unteroffizier Peyrac. Er ist eigentlich Anti-Militarist und Sozialist. Sein Blick auf den Krieg führt dazu, dass er seine Männer in gewisser Weise beschützen will und deshalb den Täter nicht unter ihnen vermutet. Obwohl der Kriminalfall also den Mittelpunkt bildet, lernt man mit Hilfe des Buches viel über den Ersten Weltkrieg und seine Auswirkungen auf die Menschen. Die Spannung der Ermittlungen sorgt dafür, dass man am Ball bleibt und ganz nebenbei etwas lernt. Die hervorragenden Zeichnungen von Maël sind ein optischer Genuss, der hauptsächlich auf den gut herausgearbeiteten Details und der sehr stimmigen Fabgebung beruht.

mutter_krieg_cover
Maël & Kris
„Mutter Krieg“
ISBN 978-3-86869-757-5
Splitter Verlag
39,80€

 

2. Graphic Novel „Tagebuch 14/18“ von Alexander Hogh und Jörg Mailliet
Vier erhaltene Tagebücher dienten als Vorlage für die Graphic Novel „Tagebuch 14/18“. In einer sehr klaren Struktur und einem eher minimalistischen, jedoch farblich umfangreichen, Zeichnungsstil berichten uns Walter (geboren 1897),  René (geboren 1908), Nessi (geboren 1900) und Lucien (geboren 1892) von ihren Erlebnissen, die im engen Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg stehen. Die Auswahl und Umsetzung der Tagebücher erfolgte unter wissenschaftlicher Begleitung. Daher ist es nicht verwunderlich, dass zwei direkte Kriegsbeteiligte und zwei Zivilisten ausgewählt wurden. Je eine Person stammt immer aus Frankreich und eine Person aus Deutschland. So ergibt sich ein sehr umfassendes Bild, das noch genügend Raum für eigene Gedanken lässt.
Aufgrund der Zeichenstruktur, der Sprache und der Art der Zeichnungen ist dieses Buch eher für jüngere Leser und Anfänger im Bereich Graphic Novel geeignet.

10559855_878091898870710_5386945176048436539_n
Hogh, Alexander und Mailliet, Jörg
„Tagebuch 14/18“
ISBN 978-3981632316
Tintentrinker Verlag
20,00€

 

3. Graphic Novel „Im Westen nichts Neues“ nach Erich Maria Remarque, von Peter Eickmeyer
Das Buch „Im Westen nichts Neues“ gilt weltweit als einer der wichtigsten Romane über die Zeit des Ersten Weltkrieges und hat sich einen Namen als Werk gemacht, das sich mit sehr drastischen Bildern gegen den Krieg ausspricht. Die Realität wird nicht beschönigt und es wird kein Aspekt des Lebens im Feld und Zuhause ausgelassen. Peter Eickmeyer hat ihn dreijähriger Arbeit passend zum Text äußert kunstvolle Bilder geschaffen, für die die eigentliche Panelstruktur aufgebrochen wurde. Großformatige Bilder wechseln sich mit kleinen fotoartigen Zeichnungen ab, auf denen mit wenigen Strichen, die Emotionen der Protagonisten hervorragend dargestellt werden. Text und Bildern ergänzen sich außerordentlich gut und man fragt sich, ob man nicht die heutige Schülergeneration mit diesem Buch für den ursprünglichen Text stärker begeistern kann.

10559855_878091895537377_1576543893787162651_n
Eickmeyer, Peter
„Im Westen nichts Neues“
ISBN978-3-86869-679-0
Splitter Verlag
22,80€

 

4. Sachbuch „Der Erste Weltkrieg. Vom Attentat in Sarajevo bis zum Friedensschluss von Versailles“ von Hermann Vinke
Es ist schwer ein Sachbuch zu schreiben, in dem wirklich alle wichtigen Dinge über den Ersten Weltkrieg vorhanden sind. Das hängt einmal damit zusammen, dass dieser Krieg in einer ganz neuen und stark technisierten Form stattfand und dass der Ursprung für diesen Konflikt und seine Nachwirkung nicht mit einem Satz abgehandelt werden können.
Hermann Vinke hat eine sehr gute Zusammenstellung erschaffen, die sehr detaillreich ist und gleichzeitig nicht überfrachtet wirkt. Neben einem thematischen Haupttext, der sich über zwei Buchseiten erstreckt, findet man eine ausgewogene Mischung aus Zeichnungen und Fotos. Zudem werden die Kernpunkte durch Kästchen ergänzt, die Zusatzsinfos enthalten. In diesen Abschnitten erhält man biographische Informationen, kann Auszüge aus Tagebüchern lesen und bekommt wichtige Begriffe erklärt. Dabei hat jede Form der Zusatzinformationen eine eigene Hintergrundfarbe. Somit kann man die entsprechenden Punkte schnell finden, kann sich aber auch gegen die Zusätze entscheiden.
Ergänzt werden alle Texte durch einen Glossar, eine Chronik und Tipps für die weitere Beschäftigung mit dem Thema.
9783836955829
Vinke, Hermann
„Der Erste Weltkrieg. Vom Attentat in Sarajevo bis zum Friedensschluss von Versailles“
ISBN 978-3-8369-5582-9
Gerstenberg
14,95€
5. Jugendbuch „Zeit der großen Worte“ von Herbert Günther
Paul ist 14 Jahre alt als er von dem Attentat in Sarajevo hört. Er versteht die Zusammenhänge nicht komplett, spürt aber einen Ruck, der durch die Menschen um ihn herum geht. In den kommenden Tagen und Wochen steigert sich dies zu einer wahren Kriegsbegeisterung und die meisten Männer warten nur darauf, dass sie sich freiwillig melden können. Nachdem der Krieg tatsächlich ausgebrochen ist, melden sich Pauls Bruder Max und der gemeinsame Vater für den Armeedienst. Beide sind guter Dinge und denken, dass sie Weihnachten wieder bei Ihrer Familie sein werden. Der Vater zieht an die Ostfront und der Bruder an die Westfront.
Doch es kommt alles ganz anders und Paul muss gemeinsam mit seiner Mutter und der kleinen Schwester um den Kolonialwarenladen der Eltern kämpfen. Da die Waren immer knapper werden, wird die Not auch immer größer. Einzig Max‘ Freundin und die Buchhändlerin Helene stellen einen Lichtblick dar.
Die Geschichte wird rückblickend von Max erzählt und beinhaltet die gesamte Kriegszeit. Dabei geht es aber nicht nur um seine Familie, sondern auch um die Vorgänge an der Front. Es geht um Menschlichkeit, Zusammenhalt und ein wenig um die Liebe. Herbert Günther beschreibt alle Facetten des Lebens während dieser Tage mit klaren, einprägsamen Worten, die sich direkt in das Herz des Lesers bewegen. Und dabei ist es egal, ob es sich um einen jugendlichen oder erwachsenen Leser handelt.

9783836957571
Günther, Herbert
„Zeit der großen Worte“
ISBN 978-3-8369-5757-1
Gerstenberg
14,95€

 

6. Erzählungen „Der Feind“ von Erich Maria Remarque
Dieses kleine Büchlein enthält sechs Erzählungen, die 1930 und 1931 in der amerikanischen Zeitschrift Collier’s Weekly erschienen und sich mit der Nachkriegszeit beschäftigen. Remarque zeigt darin auf, wie der Krieg die Menschen direkt und indirekt beeinflusst hat. Er dringt dabei in die Gefühlswelt der Protagonisten vor bis es schmerzt, verfolgt Gedanken bis ins Unendliche und führt die Leser an die Orte des Grauens. Gleichzeitig wird aber auch aufgezeigt wie sich die Welt an sich verändert hat, wie sich Menschen nach dem Krieg anders gegenüberstehen.

In Deutschland wird sehr viel über die Kriegsgeneration gesprochen, die während des Zweiten Weltkrieges aufwuchs. Doch was ist mit der Generation des Ersten Weltkrieges? In Frankreich ist dieser Krieg sehr viel präsenter. Er ist der “Grand Guerre” und beeinflusst die Franzosen bis heute. Remarque analysiert in seinen Erzählungen genau die Menschen und ihre Erlebnisse, die in Frankreich schon lange beleuchtet wurden. Und in Anbetracht der Tatsache, dass der letzte Überlebende des Ersten Weltkrieges 2011 verstarb, sind diese Erzählungen für das Verständnis der Generation eine wunderbare Quelle. Zudem denkt man nach der Lektüre auch über aktuelle Kriege und die Folgen für Menschen und Länder nach. (Auszug aus: https://buecherstadt.wordpress.com/2011/12/03/erich-maria-remarque-der-feind/)

9783462046298

Remarque, Erich Maria
„Der Feind“
ISBN 978-3-462-04629-8
KiWi
4,99€

 

Bestelllink für alle Bücher

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Sonstiges veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s