Heinrich Zankl & Katja Betz, Trotzdem genial

Ich gebe gleich einmal zu, dass mich der Titel „Trotzdem genial“ zunächst ein wenig abgeschreckt hat. Dieses Wort „trotzdem“ hat mich einfach irritiert. Ich fand es ungeschickt von den Paralympics der Wissenschaft zu sprechen und dann diesen Begriff zu verwenden. Selbst bei den sportlichen Paralympics finde ich ihn schlecht gewählt, weil er das Augenmerk auf einen Fehler oder ein Anderssein gelenkt wird. Man stellt somit das „Normale“ dem „Unnormalen“ gegenüber. Aber das mag etwas ein, das nur mich persönlich stört. Zum Glück habe ich mich jedoch trotzdem mit dem Buch beschäftigt und die 24 biographischen Notizen gelesen, die die beiden Wissenschaftsautoren zusammengestellt haben.

Die Struktur des Buches kam mir als Mischling aus Geistes- und Naturwissenschaftlerin sehr entgegen und fiel mir daher gleich zu Beginn positiv auf. Die Geschichten der 24 Wissenschaftler sind in zwei große Abschnitte unterteilt. Zunächst geht es um den Bereich „Naturwissenschaft und Mathematik“, in dem 13 namhafte Personen vorgestellt werden. Anschließend werden 11 Menschen aus dem Bereich „Medizin und Psychologie“ näher betrachtet. Dabei gehen die Autoren chronologisch nach den Geburtsdaten vor.

Bei den biographischen Abrissen handelt es sich jedoch nicht um Texte, die Aspekte aufgreifen, die man schon hundertfach gelesen hat. Heinrich Zankl und Katja Betz legen ein besonderes Augenmerk auf die gesundheitlichen Eigenarten der einzelnen Persönlichkeiten. Innerhalb des Textes wird an geeigneter Stelle erwähnt mit welchen psychischen und körperlichen Veränderungen die einzelnen Menschen zu kämpfen hatten und wie diese ihren Alltag beeinflusst haben. Dabei wird bewusst nicht einseitig und negativ über diese Dinge berichtet. Die Autoren versuchen immer wieder zu erörtern, ob diese Eigenschaften nicht eher positiv auf die Schaffenskraft und die daraus resultierenden Ergebnisse gewirkt haben und wie die einzelnen Personen damit umgegangen sind. An diese Betrachtung wird ein medizinisch orientierter Abschnitt angeschlossen. In diesem Teil werden die genannten Aspekte aufgegriffen und mit Fakten untermauert. Dabei werden Häufigkeiten, Ursachen, Symptome und Therapie eindeutig identifizierter Krankheiten dargelegt.

Mit ihrer sehr angenehmen und frischen Sprache, die nur in wenigen Punkten rein wissenschaftlich anmutet, schaffen es die Autoren den Leser zu begeistern. Man möchte mehr über die einzelnen Persönlichkeiten erfahren und ist teilweise sehr erstaunt mit welchen Erkrankungen sie zu kämpfen hatten. Aber auch Erkrankungen von Wissenschaftlern, die dem Leser bereits bekannt sind, werden noch einmal gut dargestellt und mit dem entsprechenden Hintergundwissen erklärt. Dabei wird selbst durch die medizinischen Fakten der Lesfluss nicht unterbrochen. Zudem ist die Auswahl der Persönlichkeiten sehr gut gelungen und bietet eine schöne Abwechslung, die auch nur leicht wissenschaftlich interessierten Lesern entgegenkommt.

Fazit: Leichte und gleichzeitig interessante wissenschaftliche Kost, die sich auch als Geschenk sehr gut eignet 🙂

WILEY VCH WEINHEIM GERMANY

 

300 Seiten
Hardcover
24,90 €
ISBN 978-3-527-33410-0
Link zur Verlagsseite

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