Mairowitz & Crumb, Kafka

Kafkaesk! Dieses Wort wird ja in manchen Kreisen und auch zu manchen Zeiten sehr inflationär gebraucht. Aber was meint man damit eigentlich und passt es eigentlich zu dem, was Kafka ausdrücken wollte? Viele (schlaue) Menschen haben versucht den Autor zu verstehen, haben ihn jahrelang analysiert und anschließend in eine schöne passende Box oder Schublade gepackt. Dabei haben sie natürlich immer einen bestimmten Aspekt oder Lebensaschnitt betrachtet und dadurch den Blick für den ganzen Menschen und seine Sozialisation verloren.

David Zane Mairowitz und Robert Crumb haben sich aber genau dies als Thema ihrer Arbeit ausgewählt. Sie versuchen Kafkas Leben, seine innere Zerrissenheit, seine literarischen Werke und die historischen Begebenheiten, die ihn beeinflusst haben, in einem Buch darzustellen, das nicht in ein bestimmtes Genre zu passen scheint. Auf der einen Seite handelt es sich um eine Graphic Novel, die nicht nur durch die verschiedene Anzahl der Panels, sondern auch durch großformatige und einfarbige Zeichnungen besticht. Andererseits bricht diese Form immer wieder ein wenig auf und man weiß nicht mehr recht, ob man sich noch in einer Graphic Novel befindet. In der Rückschau ist das Werk aber letztendlich unheimlich konsistent und dadurch extrem informativ.

Grundlage hierfür bilden die ganz verschiedenen Quellen, die die beiden herangezogen haben. Sie benutzten Tagebucheinträge, Briefe, Kafkas literarische Werke, Sekundärliteratur und ihre eigenen Leseerfahrungen und Interpretationen. Dadurch eintsteht ein wundervoller bildlicher Einblick in all diese Aspekte des Autorenlebens. Diese Bilder sind fantasievoll, düster und manchmal bestechend klar. Sie illustrieren die Werke Kafkas in einer unglaublich durchdringenden Art und Weise und haben mir gleichzeitig sein Seelenleben noch einmal sehr viel eindringlicher dargestellt. Das war für mich ein sehr paradoxes Erlebnis, da doch gerade Kafka immer dazu angehalten hat, dass es keine Illustrationen zu seinen Werken geben soll. Der Leser möge doch bitte seine eigenen gedanklichen Bilder erschaffen.

Einige Beispielbilder kann man (hier) auf der Verlagsseite einsehen.

Für wen ist dieses Buch also geeignet und warum sollte man es lesen?
Aus meiner Sicht ist das Buch für alle Altersklassen ab 14 Jahren geeignet, wenn man Graphic Novels gegenüber aufgeschlossen eingestellt ist. Es ermöglicht einen sehr angenehmen und gleichzeitig umfangreichen Zugang zu den Werken und dem Leben Kafkas. Es tauchen wirklich alle wichtigen literarischen Werke auf und man bekommt einen Überblick über den Inhalt, der durch die Zeichnungen ganz anders abgespeichert wird. Weiterhin kann man die Enstehung seiner Ergüsse besser nachvollziehen, lernt gleichzeitig wichtige biographische Aspekte kennen und kann die Sozialisation des Autors nachvollziehen. Selbst der Umgang mit dem Autor nach seinem Tod wird im Schlussteil sehr differenziert betrachtet. Und selbst wenn man sich überhaupt nicht für Kafka interessiert, sollte man zu dem Buch greifen, weil es sich um eine hervorragende Graphic Novel im weiteren Sinne handelt. Die Zeichnungen sind sehr gelungen und die Geschichte ist spannend zusammengesetzt worden.

9783943143546ISBN 978-3-943143-54-6
176 Seiten, schwarzweiss
14 x 21 cm
Klappenbroschur
EUR 17,00
Link zur Verlagsseite (mit Bestellmöglichkeit)

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