M. Wiese, Schon immer anders. Hochsensibel leben

Vorweg muss ich sagen, dass ich dieses Buch schon lange Zeit auf dem Tisch habe und es jetzt noch einmal gelesen habe, um ein vernünftiges Urteil abgeben zu können. Vielleicht hängt die lange „Wartezeit“ damit zusammen, dass ich selbst nicht betroffen bin und es zunächst für mich schwer war, richtig in das Thema einzudringen. Da ich aber in der letzten Zeit von diversen Seiten immer wieder die (Selbst-)Diagnose „Hochsensibilität“ höre, musste ich dann doch noch einmal das Buch lesen.

Matthias Wiese betreibt seit einigen Jahren eine Webseite, auf der er über das Thema informiert, seine eigenen Projekte vorstellt und einen Test anbietet, welcher interessierten Menschen einen Hinweis geben kann, ob sie mit ihrer Vermutung richtig liegen. Mit Hilfe von 30 Fragen kann man herausfinden, ob eine Hochsensibilität vorliegen könnte. Für diejenigen, deren Testergebnis recht hoch ist, hat Matthias Weise Tipps und weitere Informationsangebote.

Über diese Seite steht er seit 2012 mit vielen hochsensiblen Menschen in Kontakt. Mit 20 von ihnen hat er Interviews geführt, die in dem Buch vorgestellt werden. Ergänz werden sie durch ein Gespräch mit Jutta Böttcher von „Aurum Cordis“, dem so genannten Kompetenzzentrum für Hochsensibilität. Weiterhin befinden sich in dem Buch der oben angesprochene Test, dem die Testergebnisse der Interviewpartner gegenübergestellt werden und Praxistipps.

Da die Interviews immer mit den gleichen Fragen durchgeführt wurden, hat man beim Lesen zeitweise den Eindruck, dass es zu langweilig wird. Die immer wiederkehrenden Fragen kann man irgendwann schon auswendig. Die Antworten sind aber teilweise recht unterschiedlich und daher doch sehr viel interessanter als es auf den ersten Blick scheint. Außerdem sind die Interviewpartner verdammt offen und ehrlich. Sie geben dem Leser einen sehr konkreten und umfangreichen Einblick in ihr Leben. Denn nur so kann man wirklich nachvollziehen, was es heißt hochsensibel zu sein. Und das erfährt man auf jeden Fall. Nach dem Lesen hat man als Betroffener sicherlich das Gefühl, dass man über Menschen gelesen hat, die einem sehr ähnlich sind und man kann Symptome oder Eigenschaften, die man vorher nicht einordnen konnte, eher annehmen und teilweise auch als positive Eigenart akzeptieren. Gleichzeitig erhält man auch Tipps, wie bestimmte Dinge bewältigt werden können. Als Außenstehender erhält man wie gesagt einen umfangreichen Einblick und kann verstehen, warum manche Menschen auf scheinbar alltägliche Dinge (Geräusche, Gerüche, Berührungen, Wahrnehmung von Gefühlen etc.) anders reagieren, aber auch welche Probleme diese Besonderheit den Menschen im Alltag bereitet. Hier geht es besonders um die sozialen Kontakte und aus der Hochsensibilität resultierenden Schwierigkeiten im Umgang.

Matthias Wiese hat die zwanzig Interviews sicherlich gut geführt und es ist ihm hoch anzurechnen, dass er hochsensiblen Menschen eine Plattform bietet und versucht das Thema sozusagen in die Gesellschaft zu tragen. Die reine Wiedergabe der Interviews erschwert den Lesern allerdings ein wenig den Zugang. Wären die Interviews die Basis für zusammenhängende Texte gewesen, die jemand selbst verfasst hat, wäre der Lesefluss sicherlich angenehmer und das Buch würde mehr Interessenten außerhalb der eigenen Community finden. Es geht nicht darum reißerisch die Lebensgeschichten darzustellen. Nein, man muss schon auch bei der Wahrheit bleiben. Man kann aber die Fakten durchaus dramaturgisch anordnen und so das Leseinteresse wecken.

Trotzdem kann man das Buch jedem empfehlen, der selbst betroffen ist oder sich über das Leben mit Hochsensibilität interessiert. Abseits vom Fachjargon und den wissenschaftlichen Erklärungen bekommt man Einblicke und Tipps.

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14,95€
 ISBN 978-1500775308
Link zur Seite des Autors

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