Eine fabelhafte Reihe

Ich habe mir gerade die englische Ausgabe des neuesten Artemis Fowl-Bandes bestellt. Ja, ich weiß. Ich bin notorisch ungeduldig. Auch den vorherigen und damit sechsten Band habe ich im Original gelesen. Denjenigen von euch, die Artemis noch nicht kennen, möchte ich einiges über ihn erzählen.
Im ersten Band ist Artemis Fowl 12 Jahre alt. Er ist ein extrem intelligenter und selbständiger Junge, der aus einer Verbrecherdynastie stammt. Allerdings ist diese Familie nicht wegen kleinerer Einbrüche oder ähnlichen Delikten berühmt. Ihre „Raubzüge“ laufen sehr diskret ab, haben aber zu einem beträchtlichen Vermögen geführt. Der Besitz ist aber im Begriff sich auflösen seit Artemis‘ Vater von einer Expedition nicht zurückgekehrt ist. Sein Sohn versucht nun das restliche Vermögen zusammenzuhalten oder sogar durch einen neuen Coup zu vergrößern. Dabei vergisst er natürlich nicht auf die Suche nach seinem Vater zu gehen. Unterstützt wird er dabei von einem außergewöhnlichen Bodyguard, der nicht nur im asiatischen Raum eine grandiose Ausbildung genossen hat. Er kennt sich auch mit allen möglichen technischen Geräten aus, ist ein Waffenmeister und hat die besten Kontakte in die Unterwelt und in Regierungskreise.
Das mag sich jetzt für den einen oder anderen Leser nicht sonderlich interessant anhören, aber das wichtigste Element fehlt auch noch. Artemis entdeckt ein Volk, das unter der Erdoberfläche lebt. Es besteht aus Trollen, Zwergen, Elfen und vielen anderen fantastischen Lebewesen, die staatlich organisiert sind. Das Leben des Erdvolkes unterscheidet sich, abgesehen von den Lebewesen, nur geringfügig von dem Leben über der Erde. Zu bestimmten Ereignissen erscheinen sie auch auf der Erdoberfläche. Sie schaffen es aber unentdeckt zu bleiben oder bei den Menschen eine Gehirnwäsche vorzunehmen.
In den verschiedenen Bänden befindet sich Artemis immer wieder auf verschiedenen Seiten. Er kämpft gegen das Erdvolk und mit ihm, verbündet sich mit Verbrechern aus dem Erdvolk und benutzt sie. Teilweise hat man auch keine Ahnung auf welcher Seite er gerade steht. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, bleibt die Geschichte immer spannend.
Ich kann jedem Leser, der gerne mal ein Kinder-/Jugendbuch in die Hand nimmt und vielleicht nicht der knallharte Fantasiefan ist, diese Reihe nur empfehlen. Eoin Colfer schafft es die menschlichen Charaktere und die Fantasiefiguren so wunderbar zu beschreiben, dass man sofort in die Welt des kleinen Meisterdiebs eintaucht. Man ist fasziniert von seiner Intelligenz und seinem Ideenreichtum. Allerdings fiebert man auch mit ihm, wenn er nach seinem Vater sucht und trauert wenn er kurz davor ist einen wichtigen Menschen zu verlieren. Und spätestens beim Lesen des zweiten Bandes ist die Existenz des Erdvolkes für den Leser ganz selbstverständlich.

Artemis-Fowl-Website
Wikipedia-Artikel

Die folgenden Daten beziehen sich auf den ersten Band:

239 Seiten, € 7,95 [D]

Erschienen: 01.04.03


Kartoniert
€ 7,95 [D], € 8,20 [A], sFr 12,90
ISBN-10: 3548603203
ISBN-13: 9783548603209 

Verlagsseite 

Andreas Gößling, Der Ruf der Schlange

An den Grünen Ozean grenzen die Länder Dunibien, Zaketumesien, Bakus und der Noili-Archipel. Die Bewohner dieser Regionen sind über ihre verschiedenen Religionen und den damit einhergehenden Kämpfen um die Vorherrschaft verbunden. In grauer Vorzeit wurde die Schlange von den mächtigen Schöpfungsgöttern niedergeschlagen. Doch die verschiedenen Schlangenkulte breiten sich wieder aus und erste ungewöhnliche Todesfälle treten auf. Stimmen die Geschichten, die sich viel erzählen doch? Ist die Wirbelsäule nur einfach eine erstarrte Schlange, die zum Leben erweckt werden kann? Und ist der erstarkende Schlangenkult wirklich gefährlich oder bilden sich das nur die abergläubigen Menschen ein?
Diese Fragen soll Samu A. Rabov im Namen der Regierung lösen. Er ist der Leiter der Mysto-Abteilung. Und eigentlich ist er auch, abgesehen von seiner Vorgesetzten, der einzige Mitarbeiter. Seine Aufgabe ist es Vorkommnisse mit Hinblick auf ihre mystischen Anteile zu untersuchen. Es ist zu klären, ob Zauber im Spiel ist und wenn ja, ob der Zauberer gefährlich werden kann. Da in jedem der Einwohner eine gewisse magische Kraft liegt, diese aber eine dunkle und eine helle Seite hat, ist Samus Aufgabe nicht einfach. Und gleichzeitig muss er auch darauf achten, dass sein eigenes Dunkeldu nicht die Oberhand gewinnt. Doch bisher war sein Leben als Mysto-Leiter sehr ruhig verlaufen. Das ändert sich, als eine junge Frau auf merkwürdige Weise umkommt und er einen Jungen aus den Klauen einer Kultgemeinde rettet.
Mit diesem Tag ändert sich nicht nur seine Aufgabe, sondern auch sein privates Leben und sein Inneres. Es treten immer gehäuftere mysteriöse Fälle auf, die anscheinend alle im Zusammenhang mit einer archäologischen Exkursion stehen. Samu vermutet schon recht früh mehr dahinter. Doch häufig wird seine Arbeit sabotiert und er muss mehr und mehr inoffiziell arbeiten und seine magischen Kräfte nutzen. Persönlich wird er immer mehr in die Geschichte verstrickt und und weiß zeitweise selbst nicht auf welcher Seite er steht. Zudem scheint ihm niemand zu glauben, dass wirklich ganz Dunibien in Gefahr schwebt. Kann er das Blatt noch wenden? Und findet er die Drahtzieher?

Andreas Gößling schafft mit seinem Roman eine neue fantastische Welt, die gefüllt ist mit interessanten Erfindungen (Dampfmobile) und charakterstarken Figuren. Da wie gesagt eine ganz neue Welt erschaffen wird, muss man sich zunächst in die Begriffe einfinden. Dem Leser kann es daher schwer fallen die Zusammenhänge auf den ersten Seiten zu verstehen. Recht schnell scheint man jedoch zum Kreis der Phora-Einwohner zu gehören und taucht in die geheimnisvolle Umgebung ab. Neue Begriffe, Örtlichkeiten und Personen werden in einer klaren Sprache gut erklärt. Dies führt zu einem angenehmen und raschen Lesen. Aber teilweise wünscht man sich noch detailliertere Beschreibungen oder eine klangvollere Wortwahl.
Hervorragend sind dem Autor die Bezüge zu geschichtlichen Ereignissen und Institutionen in unserer Welt gelungen. In vielen Fällen geht es, jedenfalls aus meiner Sicht, um die Christianisierung und die Unterdrückung anderer Religionen/Kulte ansprechen. Auch der Umgang mit religiösen Schriften wird angesprochen. Zum Beispiel: „(…)Ich wollte nur sagen, dass man die Gebote und Geschichten aus dem Heiligen Linglu-Buch vielleicht nicht ganz so wörtlich nehmen, sondern eher als Gleichnisse ansehen sollte(…)“ (S. 162). An einer anderen Stelle wird eine Tempelwache beschrieben, die mich sehr an die Schweizer Garde erinnert hat.

Fazit: Bei dem Buch handelt es sich um eine empfehlenswerte Möglichkeit für eine Fantasiereise, die durch ihre kriminalistischen Elemente viel Spannung bereit hält. Zudem gibt die Geschichte dem Leser die Möglichkeit auch seine eigenen Welt mit ihrer eigenen Geschichte zu reflektieren.

Auflage: 1. Aufl. 2010
Ausstattung: gebunden mit Schutzumschlag, Vorsatzkarten
Seiten: 527
ISBN:978-3-608-93875-3
Preis EUR [D] 22.95*

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