Caroline Eriksson, Die Vermissten

Mit Büchern ist es wie mit Autos oder Eiscreme. Hat ein neues Produkt Erfolg, entwickelt die Konkurrenz umgehend mehr oder weniger gelungene Kopien. Ein Nachahmerprodukt ist immer noch besser als ein schlechtes Original. Und im günstigsten Fall ist es vielleicht sogar eigenständig genug, dass es die Erwartungen der Käufer nach Neuem, aber Ähnlichem erfüllt. Auch der Buchmarkt funktioniert nach solchen Moden. Skandinavische Krimis sind eine sehr erfolgreiche Mode.  Joachim Kronsbein Spiegel 29/2010

Das Zitat von Joachim Kronsbein begleitet mich schon seit ein paar Jahren und hat mich ehrlich gesagt auch das ein oder andere Mal davon abgehalten ein Buch nicht zu lesen, nur weil es sich um einen skandinavischen Krimi handelt. Als ich nun den Psychothriller von Caroline Eriksson in der Hand hielt, war ich dementsprechend skeptisch. Aber rein haptisch war ich sofort ein Freund des Werkes, da der Buchumschlag toll gestaltet ist und der etwas raue Rand auf der einen Seite für Griffigkeit sorgt und auf der anderen Seite eine ganz kleine Gänsehaut erzeugt. Vielleicht sollte ich also doch nicht so skeptisch sein, wenn sich der Verlag schon solche Mühe gibt?

Um was geht es in dem Buch?
Greta ist anscheinend mit ihrem Mann und ihrer Tochter über das Wochenende in ihr kleines Haus an einem verwunschenen See gefahren, der angeblich dunkle Geheimnisse aufbewahrt. Davon erzählt Alex seiner Frau während einer Überfahrt auf eine kleine Insel, die sie gemeinsam erkunden wollen. Da sich Greta nicht so gut fühlt, bleibt sie auf dem kleinen Ruderboot zurück und lässt Mann und Kind alleine zu einem Mini-Abenteuer aufbrechen. Als die Sonne langsam untergeht, sind die beiden allerdings noch immer nicht zurückgekehrt und Greta macht sich große Sorgen. Irgendwie hat sie das Gefühl, dass beide nicht nur die Zeit vergessen haben, sondern sich bereits auf den Rückweg begeben haben. Aber wie sollten sie das machen? Schließlich hat sie ja die ganze Zeit in dem Boot gesessen und geschlafen. Sie geht also an Land und beginnt mit der Suche, die völlig planlos verläuft, da ihr die Insel völlig unbekannt ist, das Licht langsam schwächer wird und zudem die ganzen gruseligen Geschichten über die Gegend in ihrem Kopf umherschwirren. Trotz einer gewissen Beharrlichkeit kann sie ihre kleine Familie allerdings nicht ausfindig machen. Was sie aber sonst auf der Insel findet, löst eine gewisse Verstörung aus. Greta muss unbedingt zurück zum Haus und ihr Handy holen. Schließlich hat Alex sein Telefon dabei und es sollte leicht sein ihn so zu erreichen. Irgendwo müssen die beiden ja sein.
Der Rückweg, die anschließende weitere Suche, die Fragen nach den Hintergründen und Gretas Rekonstruktion von unterschiedlichen Geschehnissen zehren an ihren Kräften und lassen sie an ihrer psychischen Konstitution zweifeln. Was ist wahr und was hat sie sich eingebildet? Wozu sind Menschen in der Lage und wie werden sie durch ihre Umgebung geformt? Hat Greta vielleicht etwas getan, was sie verdrängt?

Die Arbeit der Autorin
Die Sprache im Allgemeinen und die Konstruktion der Sätze sind durchweg klar und leicht verständlich. Es stellt sich schnell ein guter Lesefluss ein, der dem Leser einen Einstieg in die Geschichte erleichtert, was auch an den vielfachen kurzen Sätzen liegt. Dies steht in einem krassen Gegensatz zu den verworrenen Gedanken der Protagonistin, ist aber notwendig, da man sonst schnell den Faden verlieren würde. Da dies aber in dem ganzen Buch beibehalten wird, leidet ein wenig die Spannung. Meiner Meinung nach kann man im Laufe der Geschichte dem Leser auf den Fall mehr zumuten. Man sollte dies sogar. Bei mir hat diese Art und Weise zum Beispiel bewirkt, dass ich auf mehr als 50 Seiten nicht recht wusste wann denn jetzt die Geschichte richtig beginnen sollte. Ich hatte den Eindruck, dass die Autorin krampfhaft versucht eine ganz große Spannung aufzubauen. Da aber alles so klar und prägnant ist, kam keine richtige Stimmung auf. Die Konstruktion der Ereignisse wirkte recht unecht. Dies besserte sich allerdings im Verlauf der Geschichte und die Spannung war stärker zu spüren. Nach der Hälfte des Buches war ich so richtig von der Geschichte gepackt, legte das Buch nicht mehr aus der Hand und fieberte dem Ende entgegen. Bis dahin kamen allerdings noch ein paar absehbare Wendungen, die nicht unbedingt sinnvoll erscheinen bzw. auch hätten anders gelöst werden können.

Fazit
Schlussendlich hat mir das Buch dann zwar gut gefallen, aber es hat mich nicht vom Hocker gerissen. Ich konnte mich des Gedankens nicht erwehren, dass hier jemand ein Psychologieseminar besucht, zwei oder drei Fallgeschichten gehört hat und das nun in eine nette Geschichte packen wollte. Mir fehlt einfach das Unerwartete und das wirklich Böse sowie eine Prise Raffinesse. Wer allerdings einen Psychothriller sucht, der nicht zu „krass“ ist, sich leicht lesen lässt und zudem einen Einblick in kleine menschliche Abgründe liefert, kann mit diesem Buch glücklich werden.

Die Vermissten von Caroline Eriksson

€ 13,00 [D]
€ 13,40 [A] |
Paperback
ISBN: 978-3-328-10038-6
Danke an buecher.de für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
Hier könnt ihr das Buch bestellen (Erscheinungstag: 08.08.2016).

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Håkan Nesser, Himmel über London

Leonard Vermin steht kurz vor seinem 70. Geburtstag und gleichzeitig ist er todkrank. Er hat nicht mehr viel Zeit, weiß aber nicht, wie viel Zeit im wirklich bleibt. Die Medikamenten lindern die Schmerzen, vernebeln aber auch seinen Geist. Und in der letzten Zeit passieren einige Dinge, die Anlass zur Sorge geben. Seine Mitmenschen finden sein Verhalten immer verwirrender und haben auch keine Ahnung, was er an seinem Geburtstag wirklich plant. Es ist nur klar, dass er mit seiner langjährigen Lebensgefährtin und deren zwei Kinder aus der ersten Ehe, in London zusammentreffen und gemeinsam dort essen will. Im Laufe der Zeit stellt sich aber heraus, dass noch zwei weitere Gäste eingeladen wurden. Und irgendetwas hat anscheinend auch der Watch-Killer, der gerade in London sein Unwesen treibt, mit den Personen rund um Leonard zu tun.

Håkan Nesser gibt seinen Figuren viel Raum und beschreibt nicht nur ihre Tage kurz vor der Abreise nach London und ihre Erlebnisse in der englischen Metropole sowie ihre Ideen, was der reiche Leonard Vermin planen könnte. Nein, Nesser lässt sich gleichfalls in Erinnerungen schwelgen und manche der Erinnerungen aufschreiben. Zusätzlich wird von den Akteuren bereits geschriebener Text gelesen und kommentiert. Hinzu kommt noch ein Autor, der eine Kurzgeschichte über London schreibt und plötzlich über allen Dingen schwebt. Wem dies schon verwirrend erscheint, dem sei gesagt, dass die Biografien und Gedanken der einzelnen Charaktere ebenso verworren und sonderbar sind. Es gibt eigentlich keine Figur, die nicht in einer gewissen Art und Weise gescheitert ist. In diesem ganzen Trubel fragt man sich dann irgendwann, was jetzt eher der Kategorie Wahn zuzuordnen ist und was der Wirklichkeit entspricht.

Diese Komplexität wird durch eine sehr dichte und gleichzeitig angenehme Sprache zusammengehalten. Teilweise hat man aber das Gefühl, dass der Text sich in einer gewissen Langatmigkeit verliert. Das ist besonders schade, weil der Autor existenzielle Themen betrachtet und die Charaktere interessant und ein wenig skurril gestaltet sind. Trotz kleiner Durststrecken baut sich aber hintergründig eine Spannung auf, der man unbedingt nachgehen will. Wenn man sich von Nebenerzählungen, die im Sande verlaufen oder diffus bleiben, nicht abschrecken lässt, kann man ein stilistisch gutes und unterhaltsames Werk lesen. Allerdings sollte man, wenn es dem Buchende entgegen geht, keine fulminanten Wendungen erwarten.

Fazit: Ein gutes Buch, wenn man her philosophisch orientierte Bücher mit vielen Erzählperspektiven mag. Für meine Verhältnisse war der kriminalistische Anteil zu gering. Da habe ich mich sicherlich von dem Autorennamen blenden lassen.

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Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
576 Seiten
13,5 x 21,5 cm
ISBN: 978-3-442-75318-5
€ 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 28,50* (* empf. VK-Preis)

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Sina Beerwald, Hypnose

– Aber das würde bedeuten, sie wäre in eine riesige Verschwörung hineingeraten. Viel lieber wollte sie an eine Halluzination glauben, auch wenn das kaum weniger beängstigend war.

Über die Autorin
Sina Beerwald, Jahrgang 1977, stammt aus Stuttgart und war schon als kleines Kind eine wahre Leseratte. Die örtliche Bibliothekarin hat wahrscheinlich schon immer die Augen verdreht, wenn die kleine Maus nach neuen Büchern gefragt hat, die sie noch nicht ausgeliehen hatte. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sie bereits früh den Wunsch äußerte Schriftstellerin zu werden. Ihre Eltern empfahlen ihr hingegen erst einmal einen richtigen Beruf zu erlernen, der es ihr leichter er- möglichen sollte die laufenden Lebenshaltungskosten zu begleichen. Ihrem Naturell entsprechend studierte sich daraufhin Bibliothekswesen und arbeitete nach dem Abschluss in einer wissenschaftlichen Bibliothek. Der Drang die ausgedachten Geschichten niederzuschreiben blieb aber erhalten und mündete 2001 in dem festen Entschluss einen historischen Roman zu veröffentlichen. Mit Hilfe eines Literaturagenten konnte Sina Beerwald den Heyne Verlag für sich gewinnen und hatte noch vor Beendigung eines Manuskriptes den Vertrag in der Tasche.Es blieb jedoch nicht bei dem Erstling „Die Goldschmiedin“. Es folgten drei weitere Romane, die einen historischen Hintergrund haben und in deren Mittelpunkt ein Handwerk steht.Im August 2012 veröffentlichte Beerwald dann ihren ersten Thriller „Hypnose“, der bereits vier Wochen später in die zweite Auflage ging.

Über das Buch
Seit einem halben Jahr lebt die Journalistin Inka Mayer sehr zurückgezogen in ihrem Stuttgarter Haus. Sie hat kurz vor Weihnachten ihr Baby zur Welt gebracht, welches kurz darauf verstarb. Doch nun möchte sie endlich die letzten sechs Monate hinter sich lassen und wieder in ihr altes Leben zurückkehren. Damit nichts mehr an die Ereignisse aus dem Winter erinnert, hat sie gemeinsam mit ihrem Mann die Wohnung renoviert und alle Dinge entfernt, die an das Baby erinnern. So richtig wohl fühlt sie sich zwar noch nicht, aber irgendwann und irgendwie muss ihr Leben ja wieder in geordneten Bahnen verlaufen. Um dieses Vor- haben in die Tat umzusetzen, hat Inka mehrere Freunde zu sich eingeladen und möchte die alten Kontakte wieder aufleben lassen. Sie merkt jedoch schnell, dass sie physisch und psychisch noch gar nicht so weit ist. Vor ihren Freunden verheimlicht sie dies natürlich und hofft, dass sie die alten Bekannten wieder in das Leben zurückholen.
Der Abend verläuft zunächst einmal recht schön und es werden neue Verabredungen getroffen. Doch die Nacht wird etwas unruhig. Inkas Mann ist bei der Spurensicherung und wird kurz nach Mitternacht an einen Tatort gerufen. Was Inka nicht ahnt: Eine ihrer Freundinnen, die auch auf der Feier war, soll ihren Verlobten umgebracht haben. Als sie das erfährt, wird ihr journalistischer Ehrgeiz geweckt und sie beginnt auf eigene Faust zu recherchieren. Dabei wird sie in ein sonderbares Psychospiel hineingezogen, das auf Hypnose und Manipulationen beruht und dazu führt, dass Inka teilweise nicht mehr erkennt, was der Realität entspricht und was nicht.

Meine Meinung
Erst einmal muss ich zugeben, dass ich wirklich keine Ahnung von Hypnose habe und daher völlig unvoreingenommen an dieses Buch herangegangen bin. Zudem bin ich der Meinung, dass Literatur häufig von der Realität abweicht und dies auch muss, weil sonst die Spannung darunter leidet. Daher habe ich mir schon lange angewöhnt nicht mehr darüber nachzudenken, ob der in einem Buch beschriebene Vorgang jetzt so stattfinden könnte oder nicht. Das würde mir doch den Spaß an den meisten Krimis, Thrillern und historischen Romanen stark verderben. Die Autorin hat mir allerdings diesbezüglich gesagt:

  „Ich war mit drei ausgewiesenen Hypnosetherapeuten in Kontakt, damit ich alles realsitisch oder plausibel schildere … und habe am Ende das vollste Einverständnis bekommen, dass mir alle Passagen zur Hypnose sehr gut gelungen sind …“

Mit einem guten Gewissen bin ich also in die Geschichte eingestiegen und habe mich schnell an die klare und sehr unkomplizierte Sprache gewöhnt. Durch diese schnörkellose Erzählweise findet man natürlich schnell in einen Lesefluss, gerät aber auch in die Gefahr etwas zu überspringen oder ganz allgemein, die Lust am Lesen der Geschichte zu verlieren. Je mehr die Geschichte jedoch an Fahrt gewinnt, desto stärker passt der pragmatische Stil zu den Vorgängen. Die knappen Sätze wirken nun nicht mehr abgehackt, sondern verstärken das Tempo. Dieser Prozess erstreckt sich in dem Buch über die ersten 100 bis 150 Seiten. Ein weiterer Grund für die veränderte Geschwindigkeit ist die Tatsache, dass der Leser plötzlich von seinen eigenen Theorien abweichen muss. Zunächst glasklare Zusammenhänge müssen neuen Erkenntnissen weichen und werden durch sinnvolle Wendungen ausgehebelt. Man muss also als Leser ein wenig Durchhaltevermögen beweisen, um zu dem spannenden Kern der Handlung vorzudringen. Ist man an diesem Punkt angelangt, möchte man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Die Komplexität nimmt im Verlauf zu und erfordert bis zum letzten Satz die ganze Aufmerksamkeit des Lesers.

Fazit
Für mich handelt es sich um eine Buch, das kleine Startschwierigkeiten aufweist. Es entwickelt sich aber aus meiner Sicht wunderbar und wird zu einem spannenden und eher unblutigen Thriller, der sich auf der psychologischen Ebene abspielt und trotzdem  auch für leichtere Gemüter geeignet ist. Und nachdem ich jetzt alles gemeinsam mit den Protagonisten durchgestanden habe, warte ich ganz ungeduldig auf Inkas neue Recherchen, da eine Fortsetzung angekündigt wurde!

Taschenbuch, 
Broschur, 
 400 Seiten,  
11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-453-43636-7

€ 8,99 [D]
| € 9,30 [A] | CHF 13,50* (* empf. VK-Preis)

Im Buch lesen

Andreas Eschbach, Ausgebrannt

– Er führte genau das high energy-Leben, das ihm immer vorgeschwebt hatte, ein Leben, wie es sein sollte: keine Langeweile, sondern jede Minute aufgefüllt mit aufregenden, ja geradezu sensationellen Tätigkeiten. Er hat sich allerdings nie vorgestellt, dass dieses Leben derart anstrengend sein würde. –


Markus Westermann ist von dem Traum besessen in Amerika sein berufliches und privates Glück zu finden. Er möchte in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten mit Ideen anderer Menschen und Geld von wiederum anderen Menschen erfolgreich sein. Er nennt dies Erfolg mit OPI (other people’s ideas) und OPM (other people’s money). Doch noch arbeitet Markus in einer Firma, die Softwareprogramme für große Wirtschaftsunternehmen programmiert. Mit diesen Programmen ist es möglich zu errechnen, wie sinnvoll es ist in ein neues Projekt zu investieren. Wie schnell wird sich die Investition rentieren? Wie hoch ist das Risiko? In der amerikanischen Zentrale der Firma wird an einem neuen Programm gearbeitet und aus den verschiedensten Ländern sollen fähige Mitarbeiter nach New York geschickt werden, um dort die Übersetzungen der Software vorzunehmen. Markus wurde für die deutsche Übersetzung ausgewählt und darf nach New York reisen. Für ihn soll dieser Job aber nur eine erste Stufe sein. Er hat nicht vor nach sechs Monaten wieder in ein Flugzeug nach Europa zu steigen. Nach einem halben Jahr möchte er sich in den Vereinigten Staaten bereits geschäftlich etabliert haben. Als er das Angebot bekommt weiter in Amerika für die Softwarefirma tätig zu sein, scheint er seinem Traum näher zu kommen. Kurz darauf führen jedoch personelle Änderungen innerhalb der Firma dazu, dass Markus wieder entlassen wird. Trotzdem möchte er nicht in seine Heimat zurückkehren. Mit einer stattlichen Erbschaft ausgestattet, plant er eine Firma gründen. Kurz nachdem er diesen Entschluss gefasst hat, lernt er Karl Block kennen.
Dieser erzählt ihm, dass er in der Lage sei Öl zu finden, wo niemand welches vermutet. Markus wittert ein großes Geschäft und schließt mit Block eine Partnerschaft. Mit einem großen Teil seiner Erbschaft schafft er es ein Konzept zu entwickeln und einen starken finanziellen Partner ins Boot zu holen. Damit beginnt für Markus ein rasantes Leben, das jeden Tag neue und aufregende Überraschungen bietet. Das einzige Problem ist, dass Block seine Methode niemandem verraten will. Und dann scheint es plötzlich so, als ob der ganze Ölmarkt zusammenbricht. Die Preise steigen in die Höhe und ein großer Teil der Menschheit beginnt das erste mal in seinem Leben zu begreifen was alles vom Öl abhängt. Können Markus und Block die „Katastrophe“ verhindern?

Andreas Eschbach ist mit einigen SciFi-Büchern bekannt geworden. Mit den Werken „Jesus-Video“ und „Eine Billion Dollar“ hat er Thriller-Bestseller geschrieben. Mit dem Buch „Ausgebrannt“ nähert er sich wieder ein wenig dem fantastischen Genre. Die Grundlage der Geschichte ist jedoch sehr real. Öl beeinflusst unser gesamtes Leben. Doch wenige Menschen denken darüber nach was passiert, wenn eines Tages weniger Öl gefördert wird.
Abgesehen von einigen wirtschaftlichen Fachbegriffen, schafft es Eschbach dem Leser die wirtschaftlichen Zusammenhänge rund um das Öl recht gut zu beschreiben. Die Sprache ist dabei leicht verständlich und wird selbst bei chemischen oder biologischen Aspekten nicht zu detailliert.
Die gesamte Geschichte rund um Markus Westermann wird aus verschiedenen Perspektiven und Zeitschienen erzählt. So erfährt der Leser schon recht früh wie Markus‘ Geschichte nach dem angeblichen beruflichen Erfolg weitergeht. Allerdings weiß man nicht wie es dazu kommt.
Das ist ein recht übliches Stilmittel, das mir jedoch persönlich beim Lesen immer wieder Freude bereitet und Spannung erzeugen kann.

Aus meiner Sicht ist es dem Autor jedoch nicht gelungen die alltäglichen Einflüsse des Öls darzustellen. Eschbach beschreibt zwar wie der wirtschaftliche Kreislauf funktioniert, wie sich aber das Leben der Menschen verändert oder verändern muss wird mir nicht tief genug beschrieben. Im Endeffekt geht es nur um die Fortbewegung mit Fahrzeugen, die durch Benzin angetrieben werden. Er erwähnt zwar die Pharmaindustrie und die Textilherstellung, geht aber auf die Veränderungen nur in Nebensätzen ein.
Zudem fand ich die Wendung auf den letzten 50 Seiten des Werkes etwas skurril und sehr spontan. Ich hatte den Eindruck, dass der Autor jetzt endlich mal zum Schluss kommen muss und daher schnell die kommenden 30 Jahre beschreibt.

Fazit: Der Ansatz gefällt mir recht gut. Allerdings dreht sich aus meiner Sicht die Geschichte zu stark um Markus Westermann und seine Geschäftsideen. Das Öl und die Herausforderungen für die Menschheit am Ende des so genannten Erdölzeitalters tritt zu stark in den Hintergrund.

EUR 9,95
Downloadpreis: 8,49 EUR
Taschenbuch, 750 Seiten
Ersterscheinung: 16.09.2008
ISBN: 978-3-404-15923-9

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Christoph Scholder, Oktoberfest

‚Er schnitt dem alten Mann in einer einzigen Bewegung die bloßliegende Kehle durch. (…) „O’zapft is‘!“, sagte der Besucher in unverkennbar bayrischem Dialekt.‘

Schon das obige Zitat, welches aus dem Prolog stammt, stimmt den Leser darauf ein, dass es sich bei diesem Buch wirklich um einen Thriller handelt. Das erste Kapitel entführt den Leser allerdings zunächst in die ganz und gar harmlose Welt von Karl Romberg. Sein Aufstieg von einem einfachen, aber sehr talentierten Automechaniker zu einem der größten Spediteure, wird genauso beschrieben wie sein Privatleben. Auch sein zukünftiger Partner und bester Freund Werner Vogel tritt bereits in diesem Teil auf. In verschiedenen andere Handlungssträngen, die sich abwechseln und teilweise Geschehnisse beinhalten, die 20 Jahre zurückliegen, werden Waffenkäufe im großen Stil und Kampfhandlungen beschrieben. Bei den Beschreibungen der Kämpfe in Tschetschenien und Afghanistan stehen russische Eliteeinheiten im Mittelpunkt. Auch bei den Waffenkäufen im Kosovo und der Entgegennahme von Material in Bremen  treten immer wieder russische Männer als Handelnde auf.  Teilweise werden in diesen Erzählsträngen brutale Handlungen beschrieben, die eindeutig gegen internationales Kriegsrecht verstoßen, jedoch auch in der non-fiktionalen Welt umfangreich dokumentiert worden sind. Einen klaren Gegenpol dazu bildet der Aufstieg von Romberg und die private Situation von Werner Vogel. Er lernt auf einer Party seine Traumfrau kennen und startet mit ihr in eine gemeinsame Zukunft. Amelie ist Journalistin einer großen Boulevardzeitung und hat sich bisher eher mit Society-Themen beschäftigt. Die Party, auf der sich die beiden das erste Mal getroffen haben, wurde von Josef Hirschmoser organisiert. Er ist der Hauptlieferant für die Zelte auf dem Oktoberfest und somit eine Art inoffizieller König der Wiesn. Außerdem ist er in der Münchner-Schickeria kein Unbekannter. Vor dem Oktoberfest, dessen erfolgreicher Abschluss auf der Feier begossen wird, hatte er mit Romberg und Vogel einen sehr lukrativen Vertrag unterzeichnet. Die Spedition der beiden organisierte die Belieferung der Zelte und wird auch in Zukunft wieder mit Hirschmoser zusammen arbeiten.
Auf dem nächsten Oktoberfest treffen die meisten Personen aus den einzelnen Erzählungen aufeinander. Am zweiten Sonntag der Wiesn spielt jeder eine bestimmte Rolle in einem Horrorszenario, das sich am frühen Abend abspielt. 70.000 Menschen werden zu Geiseln russischer Elitesoldaten. Wer welche Rolle in dem Drama spielt, was die Soldaten wollen und ob alle Menschen gerettet werden können, scheint manchmal glasklar und rückt dann wieder in weite Ferne.

Der Debütroman von Christoph Scholder hat alles was ein guter Thriller benötigt. Er spart nicht an Brutalität, beschreibt sie aber in solch einer guten sprachlichen Form, dass sie nicht an ein Splatter-Movie erinnert. Er schafft es die Handlungen der Soldaten in allen Einzelheiten und mit dem gesamten Schrecken zu beschreiben. Gleichzeitig schwenkt er aber nach solchen Details immer wieder zu anderen Beobachtungen und Beschreibungen, die im klaren emotionalen Widerspruch dazu stehen und einen Ekel oder sogar ein Abstumpfen verhindern.
Zudem gibt es eine Hauptperson, die versucht die einzelnen Handlungsstränge miteinander zu verbinden, Informationen zu sammeln und Schlussfolgerungen zu ziehen. Natürlich ist diese Person mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet. Teilweise mögen diese Fähigkeiten einem kritischen Leser zu überzogen wirken. Aus meiner Sicht passen sie jedoch gut in die Geschichte und erlauben Wendungen, die man nicht vorausahnen konnte.
Scholder schafft es außerdem den politischen und militärischen Aspekt gut zu beleuchten. Allerdings kann es gerade hierbei vorkommen, dass dem Leser, der nicht militärisch bzw. waffentechnisch geschult ist, die Begriffe nur so um Kopf herumschwirren. Hier hätte ich mir mehr Erläuterungen gewünscht. Es reicht schon aus, wenn eine der Figuren in einem kurzen Satz erwähnt welche Zerstörungskraft die ein oder andere Waffe hat.
Allerdings treten diese kleinen Nachteile in den Hintergrund, wenn man beachtet, dass die Spannung bis zur letzten Seite anhält. Und gerade dies schaffen nur wenige Autoren.

Fazit: Ich kann Oktoberfest nur empfehlen. Das Buch ist spannend, in einer klaren und interessanten Sprache geschrieben und beinhaltet interessante Figuren. Wer zum Beispiel die Bücher von Daniel Silva mag, wird sein Gefallen an Scholders Werk finden.


Droemer 
640 Seiten
Preis EUR (D) 19,95  
ISBN3-426-19888-6  
ISBN 978-3-426-19888-9          

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Tania Carver, Entrissen

In der englischen Stadt Colchester wurden zwei Frauen ermordet. Einem Opfer wurde die Kehle durchgeschnitten. Bei dem anderen Opfer handelt es sich um eine schwangere Lehrerein, die kurz zuvor in ihrer Wohnung eine Babyparty gefeiert hatte. Sie wurde nicht nur brutal ermordet. Ihr wurde auch der Bauch aufgeschnitten. Von dem Kind fehlt jede Spur. Phil Brennan und seine Kollegen sollen den Fall untersuchen. Relativ schnell taucht die Vermutung auf, dass der Doppelmord mit zwei anderen Morden in Verbindung stehen könnte. Bei diesen Opfern handelte es sich auch um zwei schwangere. Allerdings lagen die Babys tot neben dem Körper ihrer Mütter. Ist der Täter eine Frau oder ein Mann? Stand er im Konflikt mit den Opfern? Und was will er mit dem Baby? Um diese Fragen beantworten zu können, holt der Polzeichef eine Psychologin mit in das team. Marina Espositos hatte schon vorher mit dem Team von Brennan zusammen gearbeitet. Die Zusammenarbeit endete jedoch sehr unfreundlich. Schnell findet das einen Verdächtigen. Doch Marina zweifelt an seiner Schuld. Zudem scheint die Mordserie weiterzugehen und ein Polizist ist auf irgendeine Weise privat in den Fall involviert.

Sprachlich ist das gesamte Werk sehr ausgewogen. Die Autorin schafft es zeitweise sehr bildlich und teilweise humoristisch zu schreiben. Zu anderen Zeitpunkten wirkt die Sprache sehr kühl und kanpp. Die verschiedenen Modi passen aber immer genau zu den Handlungen und zu den Personen und stellen daher für mich einen Beweis des Könnes der Autorin dar. Insgesamt liest sich das Buch, trotz aller Detailgenauigkeit bezüglich der Brutalität, sehr flüssig und angenehm.

Fazit: Aus meiner Sicht handelt es sich um ein absolut empfehlenwertes Buch. Ein paar starke Nerven sollte man allerdings schon mitbringen. Es ist ein hervorragendes Erstlingswerk. Ich hoffe Tania Carver arbeitet schon an ihrem neuen Meisterstück.

Paperback
€ 14,95 [D], € 15,40 [A], sFr 25,50
ISBN-10: 3471350349
ISBN-13: 9783471350348

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Daniel Silva, Das Moskau-Komplott

Ein unabhängiger russischer Journalist wird in einem französischen Alpenort ermordet. Dort sollte er für seine Zeitung Informationen über einen Geschäftsmann sammeln, der Waffenhandel betreibt. Nach dem Tod will der russische Chefredakteur seine Informationen an den israelischen Geheimdienst weitergeben. Er möchte allerdings nur mit einem bestimmten Agenten sprechen. Dieser hält sich gerade in Italien auf, wo er seine Flitterwoche verbringt und nebenbei für den Vatikan Bilder restauriert. Ein Treffen soll in Rom stattfinden. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen wird der Redakteur vergiftet. Die Flitterwochen sind beendet, der Geheimdienst alamiert und aus dem scheinbar einfachen Auftrag wird eine schwere Prüfung. Nach kürzester Zeit jagen die russischen Behörden und die persönliche Garde des Waffenhändlers eine weitere Journalistin und den isarelischen Agenten. Doch im Laufe der Geschichte werden noch CIA, MI5, MI6 und einige französische Behörden einbezogen. Eine rasante Handlung entsteht, die nicht gefüllt ist mit Leichen, sondern mit Hinterlist, Glück, Charme und ein wenig Hoffnung.
Trotz dieser Fülle von Beteiligten und Schauplätzen werden die Figuren und Orte sorgsam eingeführt. Man erfährt nicht zu viel über sie, kann sich aber ein hinreichendes Bild von ihnen malen. Spezifische Charakteristika werden herausgearbeitet und mit viel Liebe beschrieben. Die Sprache ist sehr klar und nicht zu ausschweifend. Es werden nur sehr wenige „Fachwörter“ benutzt und die Satzlänge ist sehr ansprechend.
Außerdem werden viele Fakten und tatsächlichen Ereignisse so gut mit erdachten Anschlägen und politischen Handlungen verwoben, dass man den Eindruck hat eine sehr realistische Geschichte zu lesen. Gerade wenn man mit Russlandkennern oder russischen Bürgern spricht, wird einem immer wieder vor Augen geführt wie nah diese Geschichte an der Realität angelehnt ist. Darauf geht der Autor auch sehr schön im Anhang ein. Erdachte Aspekte und Tatsachen werden dort noch einmal gegenübergestellt.
Fazit: Aus meiner Sicht ein sehr spannendes und interessantes Buch, dass zwar eine fiktive Handlung beschreibt gleichzeitig aber Interesse an den angesprochenen Themen weckt und vielleicht auch ein bißchen Angst macht. Wer gerne mehr darüber wissen möchte, dem möchte ich die Werke von Anna Politkowskaja sehr ans Herz legen.

Aus dem Amerikanischen von Reiner Pfleiderer
Originaltitel: Moscow Rules
480 Seiten
Gebunden
€ 19,95 [D], € 20,60 [A], sFr 33,90
ISBN: 9783866122482

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