Arne Jysch, Der nasse Fisch

Einige Freunde von Kriminalromanen werden die Geschichten von Volker Kutscher, der seinen Kommissar Gereon Rath im Berlin der 20er und 30er Jahre ermitteln lässt, bereits in Romanform kennen. Mittlerweile sind sechs Bände der Reihe erschienen, die insgesamt aus acht Bänden bestehen wird. Da das Umfeld äußerst gut recherchiert wurde, die Figuren toll dargestellt werden und die Geschichten äußerst spannend sind, kann man auch denjenigen die Werke empfehlen, die bisher nichts von Gereon Rath gehört haben.

Die Geschichten werden momentan von Tom Tykwer in eine 16-teilige Serie umgesetzt, die 2018 in der ARD ausgestrahlt werden soll. Zudem wurde der erste Band im März bei Carlsen als Graphic Novel herausgebracht. Dass Arne Jyrsch die Umsetzung übernommen hat, ist ein wahrere Glücksfall, da er für seine gute Recherche und seinen klaren Stil bekannt ist. Bereits 2009 hatte er bezüglich der Umsetzung erstmals Kontakt mit dem Autor aufgenommen. Da der Autor natürlich zeitlich stark in die Arbeit an der Romanreihe eingebunden ist, konnte er das Comicszenario nicht selbst schreiben. Er war aber durch diverse Kontakte mit Arne Jysch immer auf dem Laufenden und die abschließende Kontrolle lag natürlich auch in seinen Händen. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass beide zu diversen Terminen gemeinsam erschienen und das Buch vorstellten.

In den letzten Monaten und Jahren sind viele Graphic Novels erschienen, die einfach nur eine gekürzte Version der Romanvorlage darstellten. Für Leser, die mit Graphic Novels vorher kaum Berührungspunkte hatten, mag das ein interessanter Einstieg sein. Aus meiner Sicht werden dadurch aber die Möglichkeiten, die eine Graphic Novel bietet, nicht ausgeschöpft. Hier sind die Verlage einfach auf einen Zug gesprungen und wollten möglichst hohe Gewinne erzielen, haben dabei aber die Qualität aus den Augen verloren. Aber das hier soll nicht der Rahmen für solch eine Diskussion sein, da wir sonst zunächst einmal über den Begriff Graphic Novel reden müssten. 🙂

„Der nasse Fisch“ ist zum Glück nicht einfach nur eine neue Darstellung des Romans. Arne Jysch hat bewusst Änderungen vorgenommen und dabei keine Verluste eingefahren. Die Grundstruktur der Figuren bleibt erhalten, auch wenn einige Personen fehlen, die aus dem Roman bekannt sind. Die Geschichte entspricht auch weitestgehend dem Roman, allerdings wurden dramaturgische Veränderungen vorgenommen, die mir persönlich sehr gut gefallen, weil mir genau diese Aspekte in dem Roman etwas zufällig erschienen. Zudem erzählt hier Kommissar Rath selbst auf knapp über 200 Seiten von seinem Einstieg bei der Berliner Kriminalpolizei und dem erster Fall. Dabei geht es auch um eigene Verfehlungen und andere private Aspekte. nebenbei erhält man einen umfangreichen Einblick in das Berlin der 20er Jahre und die damalige Polizeiarbeit, die stark von „dem Dicken“ (Kommissar Gennat) geprägt war.

Arne Jysch nutzt hauptsächlich drei bis sieben Panels und fügt hin und wieder eine Splash Page ein. Es handelt sich um Schwarz-Weiß-Zeichnungen mit wenigen Grauschattierungen, die zunächst mit Tusche gezeichnet und dann am Computer bearbeitet wurden. Die Linienführung ist recht klar und eher kantig, zeigt aber auch in den kleinsten Bildern sehr gut die entsprechende Mimik. Teilweise fühlt man sich an die alten DC-Comics erinnert. Das Lettering (Minou Zaribaf) ist ebenfalls klar und deutlich. Aussagen und Gedanken werden voneinander abgegrenzt, Lautstärken treten deutlich hervor. Sehr angenehm fallen die wenigen Soundwords auf. Die Dynamik der Handlung wird überwiegend durch die Schattierungen deutlich.

Trotz aller Kürzungen und kleinen Veränderungen ist die Geschichte verdammt spannend geblieben und man hadert ein wenig mit seinen Gefühlen gegenüber Gereon Rath. Irgendwie ist er ja sympathisch, aber muss er denn immer wieder gegen die Regeln verstoßen? Dadurch denkt man auch ein wenig über die eigenen moralischen Vorstellungen nach und überlegt, wie man selbst in der jeweiligen Situation gehandelt hätte.

Fazit: Es handelt sich um eine tolle Umsetzung der Vorlage, die technisch und erzählerisch gelungen ist. Wer die Kutscher-Bücher nicht kennt, wird danach auf jeden Fall einige lesen wollen. Wer über die Kutscher-Werke zur Graphic Novel gelangt ist, wird begeistert sein und vielleicht häufiger zu einer Graphic Novel greifen. Man kann hier also von einer win-win-Situation im Literaturbetrieb sprechen 🙂

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Größe 20,00 x 26,50 cm
Seiten 216
Alter ab 14 Jahren
ISBN 978-3-551-78248-9
17,99€

Link zur Verlagsseite

Hier gibt es mehr Infos über die Kriminalpolizei in den 20er Jahren

Luc Brunschwig & Cécil, Holmes (1854–†1891?)

Inhalt
Bei einem Kampf mit Dr. Moriarty stürzt Sherlock Holmes am 04. Mai 1891 die Reichenbachfälle hinab und nimmt seinen Erzfeind mit in den Tod. Watson steckt daran anschließend in einer großen Krise und ist deprimiert. Da er den Tod seines Freundes nicht rückgängig machen kann, möchte er zumindest sein Andenken bewahren und schreibt über dessen letzte Stunden eine weitere Geschichte. Wie üblich wird er dabei von seinem  Literaturagenten Arthur Conan Doyle unterstützt und verkauft die Geschichte an das Strand Magazine. Der Chefredakteur verweigert das erste Mal den Abdruck einer Sherlock Holmes Geschichte. Grundlage für diese Entscheidung sind Hinweise darauf, dass Dr. Moriarty, so wie er in den Geschichten rund um den Detektiv dargestellt wird, nicht existiert hat. Holmes will  der Sache nachgehen und macht sich gemeinsam mit einigen Helfern auf die Suche nach der Wahrheit. Dabei kommen ihnen mehrfach sonderbare und interessante Persönlichkeiten in die Quere. Zudem müssen sie tief in Sherlocks Familiengeschichte graben und fördern ungeahntes zutage.

Meinung
Die von Luc Brunschwig erzählte und von Cécil gezeichnete Geschichte erschien bereits 2008 in Frankreich und fügte sich damals in den allgemeinen Sherlock Holmes-Hype ein. Dieser hat mittlerweile zwar stark nachgelassen, das Interesse für den recht unnahbar wirkenden Detektiv besteht jedoch weiterhin. Die von Sir Arthur Conan Doyle geschriebenen Geschichten werden aber meiner Meinung nach in abgewandelter Form in jeder Generation neue interessierte Leser, Zuhörer und Zuschauer finden. Das Anpassen an die jeweilige Generation und die Zielgruppe führte in den letzten Jahren dazu, dass sich viele Autoren mit einer eventuellen Vor- und Nachgeschichte zu den veröffentlichten ursprünglichen Holmes-Geschichten auseinandersetzten.  Besonders die Jugendjahre des Detektivs wurden in den Büchern beleuchtet. In den Filmprojekten ging es hingegen mehrfach um eine moderne Erzählung der ursprünglichen Geschichten. In der neuesten TV-Serie „Elementary“, die übrigens sehr empfehlenswert ist, wird Sherlock in das heutige New York versetzt und Watson ist eine Frau.

Brunschwig und Cécil beschäftigen sich hingegen mit Holmes Ende und greifen einige Aspekte auf, die aus ihrer Sicht vielleicht in den Doyle-Romanen zu kurz kamen oder sogar ansatzweise widersprüchlich erschienen. Dabei rücken sie, ebenso wie andere Roman- und Drehbuchautoren, die Figur des Dr. Moriarty in den Mittelpunkt. Im Gegensatz zu Doyle, der den Doktor tot in den Reichenbachfällen zurücklässt und nur Sherlock eine zweite Chance gibt, lassen die Autoren den Leser im ersten Band weiter im Unklaren, ob Holmes überlebt hat. Sein Erzfeind ist ein ganz anderes Thema.
Auch die Beziehung zwischen Watson und seinem Freund wird in Ansätzen betrachtet. Viel intensiver setzt man sich allerdings mit Holmes Familiengeschichte auseinander und zeigt Verbindungen zu der Familie Moriarty auf.

Die Graphic Novel ist in drei Kapitel unterteilt, von denen zwei im Jahr 1891 spielen. Das mittlere Kapitel spielt 1844 und erzählt, welche Menschen Holmes Eltern waren und wie sie sich kennenlernten. Dieses Kapitel hebt sich nicht nur zeitlich von den anderen Teilen ab, sondern auch farbig. Währen die flankierenden Abschnitte in Grautönen gehalten sind, zeichnet sich der mittige Teil durch eine Sepiafärbung aus. In dem gesamten Band fällt zudem nur eine Zeichnung heraus, die farblich gestaltet ist. Dabei handelt es sich um ein Gemälde, welches ein Vorfahre von Sherlock gemalt hat und auf dem eine Schlacht dargestellt ist. In der Geschichte spielt dieses Bild auf allen Zeitebenen eine Rolle.

Innerhalb der einzelnen Kapitel gibt es auch Zeitsprünge, die in Form von Gedanken in die Geschichte eingebaut werden. Diese erkennt man an der nicht vorhandenen Panelrahmung. Für das Verständnis der zeitlichen Ebenen ist diese Vorgehensweise hervorragend. Schwierig für das Verständnis könnten hingegen die ersten Seiten sein, auf denen handschriftliche Briefauszüge abgedruckt sind. Sie sind auf keinen Fall unleserlich. Aber für Personen, die nur noch selten mit handschriftlichen Texten zu tun haben, ist das Lesen auf jeden Fall ein wenig schwerer.
Die Zeichnungen sind wiederum glasklar und die Gesichtszüge der einzelnen Figuren sind faszinierend deutlich. Auch wenn die Gesichter der Damen teilweise recht maskulin wirken. Weiterhin ist bei einigen Personen eine gewisse Ähnlichkeit zu älteren gezeichneten Figuren oder sogar Schauspielern erkennbar. Dies hindert aber nicht den Lesefluss oder stört den Handlungsverlauf. Sehr detailgetreu und historisch korrekt erfolgt zudem die Darstellung der Kleidung und er Umgebung. Cécil beherrscht in dieser Hinsicht das Spiel mit Licht und Schatten perfekt und macht damit die Graphic Novel zu einem wahren Genuss.

Brunschwigs Geschichte ist sehr logisch aufgebaut und verknüpft Details aus anderen Romanen mit neuen Aspekten und wirklich interessanten Ideen. Die Sprache ist dabei ansprechend und wirkt sehr realistisch. Einen ausgeprägten Humor, der schon fast übertrieben wirkt, den man aber aus den aktuelleren Filme kennt, sollte man hier allerdings nicht erwarten. Der Humor ist gut dosiert und rückt den eigentlich interessanten Aspekt der Geschichten wieder in den Mittelpunkt: Die analytischen Fähigkeiten und das umfangreiche Wissen einiger Figuren. Aus meiner Sicht schafft es Brunschwig auf eine wunderschöne und gleichzeitig sehr stringente Art und Weise eine spannende Geschichte voller Wendungen zu erzählen, die Holmes-Fans und unvoreingenommene Leser gleichermaßen begeistern wird. Er regt, natürlich stark unterstützt durch die Zeichnungen, seine Leser zum Mitdenken und Mitfiebern an. Wenn man das Buch schließt, hat man nur einen Gedanken im Kopf: Ich will mehr!

Fazit: Eine wunderbare Symbiose aus Meisterdetektiv und Graphic Novel. Auch empfehlenswert für Einsteiger in das Thema und/oder das Genre.

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Aus dem Französischen von Edmund Jacoby
80 Seiten | 23 x 35 cm
geb. | durchgehend farbig
ISBN 978-3-941087-51-4
€ [D] 19,95 | € [A] 20,60 | SFr 28,50

Link zur Verlagsseite (mit Bestellmöglichkeit)

Hinweis: Der zweite Band erscheint im Herbst 2013

Sina Beerwald, Hypnose

– Aber das würde bedeuten, sie wäre in eine riesige Verschwörung hineingeraten. Viel lieber wollte sie an eine Halluzination glauben, auch wenn das kaum weniger beängstigend war.

Über die Autorin
Sina Beerwald, Jahrgang 1977, stammt aus Stuttgart und war schon als kleines Kind eine wahre Leseratte. Die örtliche Bibliothekarin hat wahrscheinlich schon immer die Augen verdreht, wenn die kleine Maus nach neuen Büchern gefragt hat, die sie noch nicht ausgeliehen hatte. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sie bereits früh den Wunsch äußerte Schriftstellerin zu werden. Ihre Eltern empfahlen ihr hingegen erst einmal einen richtigen Beruf zu erlernen, der es ihr leichter er- möglichen sollte die laufenden Lebenshaltungskosten zu begleichen. Ihrem Naturell entsprechend studierte sich daraufhin Bibliothekswesen und arbeitete nach dem Abschluss in einer wissenschaftlichen Bibliothek. Der Drang die ausgedachten Geschichten niederzuschreiben blieb aber erhalten und mündete 2001 in dem festen Entschluss einen historischen Roman zu veröffentlichen. Mit Hilfe eines Literaturagenten konnte Sina Beerwald den Heyne Verlag für sich gewinnen und hatte noch vor Beendigung eines Manuskriptes den Vertrag in der Tasche.Es blieb jedoch nicht bei dem Erstling „Die Goldschmiedin“. Es folgten drei weitere Romane, die einen historischen Hintergrund haben und in deren Mittelpunkt ein Handwerk steht.Im August 2012 veröffentlichte Beerwald dann ihren ersten Thriller „Hypnose“, der bereits vier Wochen später in die zweite Auflage ging.

Über das Buch
Seit einem halben Jahr lebt die Journalistin Inka Mayer sehr zurückgezogen in ihrem Stuttgarter Haus. Sie hat kurz vor Weihnachten ihr Baby zur Welt gebracht, welches kurz darauf verstarb. Doch nun möchte sie endlich die letzten sechs Monate hinter sich lassen und wieder in ihr altes Leben zurückkehren. Damit nichts mehr an die Ereignisse aus dem Winter erinnert, hat sie gemeinsam mit ihrem Mann die Wohnung renoviert und alle Dinge entfernt, die an das Baby erinnern. So richtig wohl fühlt sie sich zwar noch nicht, aber irgendwann und irgendwie muss ihr Leben ja wieder in geordneten Bahnen verlaufen. Um dieses Vor- haben in die Tat umzusetzen, hat Inka mehrere Freunde zu sich eingeladen und möchte die alten Kontakte wieder aufleben lassen. Sie merkt jedoch schnell, dass sie physisch und psychisch noch gar nicht so weit ist. Vor ihren Freunden verheimlicht sie dies natürlich und hofft, dass sie die alten Bekannten wieder in das Leben zurückholen.
Der Abend verläuft zunächst einmal recht schön und es werden neue Verabredungen getroffen. Doch die Nacht wird etwas unruhig. Inkas Mann ist bei der Spurensicherung und wird kurz nach Mitternacht an einen Tatort gerufen. Was Inka nicht ahnt: Eine ihrer Freundinnen, die auch auf der Feier war, soll ihren Verlobten umgebracht haben. Als sie das erfährt, wird ihr journalistischer Ehrgeiz geweckt und sie beginnt auf eigene Faust zu recherchieren. Dabei wird sie in ein sonderbares Psychospiel hineingezogen, das auf Hypnose und Manipulationen beruht und dazu führt, dass Inka teilweise nicht mehr erkennt, was der Realität entspricht und was nicht.

Meine Meinung
Erst einmal muss ich zugeben, dass ich wirklich keine Ahnung von Hypnose habe und daher völlig unvoreingenommen an dieses Buch herangegangen bin. Zudem bin ich der Meinung, dass Literatur häufig von der Realität abweicht und dies auch muss, weil sonst die Spannung darunter leidet. Daher habe ich mir schon lange angewöhnt nicht mehr darüber nachzudenken, ob der in einem Buch beschriebene Vorgang jetzt so stattfinden könnte oder nicht. Das würde mir doch den Spaß an den meisten Krimis, Thrillern und historischen Romanen stark verderben. Die Autorin hat mir allerdings diesbezüglich gesagt:

  „Ich war mit drei ausgewiesenen Hypnosetherapeuten in Kontakt, damit ich alles realsitisch oder plausibel schildere … und habe am Ende das vollste Einverständnis bekommen, dass mir alle Passagen zur Hypnose sehr gut gelungen sind …“

Mit einem guten Gewissen bin ich also in die Geschichte eingestiegen und habe mich schnell an die klare und sehr unkomplizierte Sprache gewöhnt. Durch diese schnörkellose Erzählweise findet man natürlich schnell in einen Lesefluss, gerät aber auch in die Gefahr etwas zu überspringen oder ganz allgemein, die Lust am Lesen der Geschichte zu verlieren. Je mehr die Geschichte jedoch an Fahrt gewinnt, desto stärker passt der pragmatische Stil zu den Vorgängen. Die knappen Sätze wirken nun nicht mehr abgehackt, sondern verstärken das Tempo. Dieser Prozess erstreckt sich in dem Buch über die ersten 100 bis 150 Seiten. Ein weiterer Grund für die veränderte Geschwindigkeit ist die Tatsache, dass der Leser plötzlich von seinen eigenen Theorien abweichen muss. Zunächst glasklare Zusammenhänge müssen neuen Erkenntnissen weichen und werden durch sinnvolle Wendungen ausgehebelt. Man muss also als Leser ein wenig Durchhaltevermögen beweisen, um zu dem spannenden Kern der Handlung vorzudringen. Ist man an diesem Punkt angelangt, möchte man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Die Komplexität nimmt im Verlauf zu und erfordert bis zum letzten Satz die ganze Aufmerksamkeit des Lesers.

Fazit
Für mich handelt es sich um eine Buch, das kleine Startschwierigkeiten aufweist. Es entwickelt sich aber aus meiner Sicht wunderbar und wird zu einem spannenden und eher unblutigen Thriller, der sich auf der psychologischen Ebene abspielt und trotzdem  auch für leichtere Gemüter geeignet ist. Und nachdem ich jetzt alles gemeinsam mit den Protagonisten durchgestanden habe, warte ich ganz ungeduldig auf Inkas neue Recherchen, da eine Fortsetzung angekündigt wurde!

Taschenbuch, 
Broschur, 
 400 Seiten,  
11,8 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-453-43636-7

€ 8,99 [D]
| € 9,30 [A] | CHF 13,50* (* empf. VK-Preis)

Im Buch lesen

Michael Römling, Schattenspieler

– Aus dem Wohnzimmer wehte ein kühler Abendhauch, der durch das Loch seinen Weg in die Wohnung gefunden hatte. In der Ferne grummelte es vernehmlich. Ein Gewitter, dachte Leo. Um diese Jahreszeit, merkwürdig. Und dann wurde ihm plötzlich klar, dass das kein Gewitter war. –
In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges begann die Rote Armee mit Panzern, einen Belagerungskrieg um Berlin zu bilden. Wenn man allerdings eine ganz gehörige Portion Glück und Mut besaß, konnte man an einigen Stellen noch lange in die Stadt gelangen. Durch Dreistigkeit und Kraft schafft es auch ein Lastwagenfahrer mit seinem Gefährt in die damalige Reichshauptstadt zu gelangen. Beladen ist das Fahrzeug mit 28 Kisten voller Schätze. Bis diese jedoch wirklich an ihrem Bestimmungsort in Berlin ankommen, muss ihr Transporteuer einige Menschen aus dem Weg räumen. Zufällig wird er bei einer seiner Taten, vor den Toren Berlins, von einem jüdischen Jungen beobachtet, der als U-Boot die letzten Kriegsjahre überlebte. Leo musste nach einem Bombenangriff aus der Stadt fliehen. Damit wurde er nicht nur zum Zeugen einer schrecklichen Tat, sondern rannte auch seinen Befreiern direkt in die Arme. Gemeinsam mit einigen Soldaten kehrt er nach Berlin zurück und wird in eine Villa im Westend einquartiert. Dort begegnet er Friedrich, der sich als wundervoller Freund und kleiner Draufgänger entpuppt. Gemeinsam unternehmen sie Streifzüge durch die Stadt und versuchen das Rätsel der 28 Kisten zu lösen. Allerdings bringt sie ihr Forscherdrang mehr als einmal in Gefahr.

Schattenspieler ist eine erstaunlich gute Kombination aus realer Geschichte und Fiktionalität. In einer ansprechenden, aber nicht zu simplen jungen und frischen Sprache, die frei von Schnörkeln ist und sich trotzdem auf einem hohen Niveau bewegt, erzählt Römling eine Geschichte voller Abenteuer und Freundschaft, die den Leser sofort packt und zum Verschlingen des gesamten Buches führt.
In die eigentliche Handlung, welche rasant verläuft und einem nur selten eine Atempause gönnt, werden kleine Weisheiten eingebettet, die auf der einen Seite wichtige Informationen enthalten und auf der anderen Seite zum Nachdenken anregen. Schon kleine Äußerungen einer Person sorgen dafür, dass man sich bewusst wird, welche Taten in der damaligen Zeit verbrochen wurden und dass die handelnden Menschen einfach normal weiterlebten, während vielen anderen gar nicht mehr die Möglichkeit gegeben wurde zu existieren.
Gleichzeitig werden aber auch Dinge angesprochen, die nach Kriegsende passiert sind und teilweise ebenfalls Verbrechen darstellen. Hier schafft es der Autor wundervoll die verschiedenen Rollen der Alliierten darzustellen und gibt ein differenziertes Bild der damaligen Wirklichkeit. Man saugt dadurch quasi ganz nebenbei wissen auf, dass man durchaus auch einmal im Schulunterricht anbringen kann. Zum besseren Verständnis der damaligen Vorgänge gibt es am Ende des Buches einen kleinen Glossar, in dem wichtige Wörter und Fakten erklärt werden.

Sollte man doch einmal das Buch zuklappen, was eigentlich ein Frevel ist, fällt sofort die tolle Gestaltung des Einbandes und des Vorsatzes auf. Außen befindet sich eine alte Berlinkarte, die genau den Bereich zeigt, welcher in dem Buch eine tragende Rolle spielt. Innen befinden sich Fotos aus der damaligen Zeit, die meiner Meinung nach alle Szenen aus Berlin oder dem Umland zeigen. Da möchte man gleich wieder in die Geschichte eintauchen.

Fazit: Warum in aller Welt habe ich noch nie etwas von Michael Römling gehört? Diese Mann kann Jugendbücher schreiben, die fesseln, tolle Details enthalten, Wissen vermitteln und einfach Spaß bereiten.
Ein absolutes MUSS! Ein hervorragendes Jugendbuch, an dem es aus meiner Sicht nichts zu meckern gibt.

Bestellnummer: 5307
ISBN: 978-3-8157-5307-1
Coppenrath Verlag
Format: 14,2 cm x 21 cm
Seiten: 352
ab 14 Jahren

 

Andrew Lane, Young Sherlock Holmes. Der Tode liegt in der Luft

 

– Aber er konnte nicht erkennen, wie die einzelnen Glieder der Kette zusammenhingen. Die Antworten darauf lagen vielleicht nur ein paar Meter entfernt hinter dieser Mauer, aber wie die Dinge im Moment lagen, hätten sie genauso gut in China auf ihn warten können. –
Wer sich auch nur ansatzweise für Kriminalgeschichten interessiert, kann gar nicht an SherlockHolmesvorbeikommen. Irgendwann muss man den gefühlten Urvater aller Kriminalisten einfach näher kennen lernen und zu den Werken von Sir Arthur Conan Doylegreifen. In den 56 Kurz-geschichten und vier Romanen lernt man daraufhin das wunderbare analytische Denken des Detektivs kennen und taucht spielend leicht in die Welt des ausgehenden 19. Jahrhunderts ein. Doch selbst weniger bibliophileMenschen kommen in den letzten Jahren nicht an dieser Figur vorbei. Neben Kinofilmen gibt es eine erstklassige Serienproduktion der BBC, die rundum gelobt wurde. Zudem taucht der Charakter des Detektivs immer wieder in anderen Produktionen auf. Weiterhin gibt es viele Gesellschaften, die sich um ein Andenken bemühen und dafür sorgen, dass die Figur über Generationen hinweg im Gedächtnis bleibt.
Auch auf dem literarischen Feld schläft man nicht. Im Dezember 2011 erschien ein Fortsetzungsroman(„Das Geheimnis des weißen Bandes“), der eine Rarität darstellt. AnthonyHorowitzerhielt als erster Autor von den Doyleschen Nachlassverwaltern Zugang zu wichtigen Aufzeichnungen und sie vergaben für sein Werk ein Gütesiegel, welches ihn als legitimen Nachfolger von Sir Arthur Conan Doyle ausweist.
AndrewLanegeht mit seiner Serie „Young Sherlock Holmes“ in eine ganz andere Richtung. Natürlich ist auch der Meisterdetektiv nicht aus dem Nichts aufgetaucht. Er muss eine Vergangenheit und damit eine Kindheit haben. In den vorhandenen Romanen gab es darüber immer wieder Hinweise, die sich aber teilweise auch widersprochen haben. Diese literarische Lücke wird nun von dem Autor sehr detailliert geschlossen. 
Der pubertierendeSpross der wohlhabenden Holmes-Familie kann die Sommerferien leider nicht zuhauseverbringen. Sein Vater befindet sich noch Indien, seine Mutter ist nervlich sehr angeschlagen und sein Bruder ist beruflich stark eingespannt. Daher bleibt dem Jungen nichts anderes übrig als sich nach Farnham, zu Tante Anna und Onkel Sherrinfordzu begeben. Er kennt die beiden nicht und sie scheinen sich auch mit SherlocksEltern nicht gut zu verstehen. Zudem warnt ihn sein Bruder sehr eindringlich vor der Haushälterin, die wohl kein Freund der Familie sein soll. Was sollen das nur für Ferien werden? Überall unfreundliche Menschen und keine Freunde. Nagut, die hatte Sherlockjetzt auch nicht unbedingt in der Schule, aber ein paar gleichaltrige Burschen wären schon ganz nett.
Es hält den neugierigen Jungen natürlich trotzdem nicht lange in dem Haus der Familie. Er erkundet die Umgebung und versucht sich auf den umliegenden Feldern und im Wald die Zeit zu vertreiben. Widererwartend trifft er dort auf einen interessanten gleichaltrigen Jungen, der ihm die nahe gelegene Stadt zeigt und Sherlockmit den Gepflogenheiten bekannt macht. Als sich beide schon die folgenden gemeinsamen Tage voller Freude ausmalen, kommt alles ganz anders. Sherlockbekommt einen kauzigen Privatlehrer, eine mysteriöse Krankheit geht in der Region um und auf Holmes Manor wird ein Toter gefunden. Sherlockist ohne es zu ahnen mitten in seinem ersten Fall, den er nur mit seiner analytischen Fähigkeit und einer großen Portion Mut lösen kann.
Ich muss es vorwegnehmen: Aus meiner Sicht hat AndrewLaneeinen wundervollen Jugendroman geschaffen, der die jungen Jahre des Meisterdetektivs fantastisch aufbereitet.
Natürlich ist es schwer oder vielleicht sogar nahezu unmöglich einen Roman zu schaffen, der sich ohne Knirschen in die diversen Geschichten von Conan Doyleeinfügt. Ich denke aber, dass Lane gar nicht diesen Anspruch hatte. Er wollte eher eine Detektivgeschichte im alten Stil erzählen, die zwar SherlockHolmesals Hauptfigur in sich trägt, aber unabhängig von den späteren Ereignissen gesehen werden kann. Damit hat er ein sehr ambivalentes Werk geschaffen, das es auf der einen Seite schafft, junge Leser für den Kosmos Holmeszu gewinnen und auf der anderen Seite mit gutem Gewissen von Holmes– und Krimifans gelesen werden kann.
Verantwortlich für den Lesegenuss ist eine schöne Sprache, die ohne Schnörkel auskommt und trotzdem in die Handlungszeit passt und sich in die Welt von SherlockHolmeseinbettet. 
Zudem ist aus meiner Sicht die Entwicklung der Figuren sehr gut gelungen. Sherlockhat schon seine analytische Denkweise entwickelt,  die sich allerdings noch in den Kinderschuhen befindet und durch stetige Anregung und Nutzung geformt werden muss. Andrew Lane arbeitet diese mentale Veränderung sehr detailliert heraus und sorgt damit für Freude bei dem Leser, weil man den Eindruck gewinnt hautnah dabei sein zu können, wenn sich dieses Hauptmerkmal des Detektivs heraus-kristallisiert. Weiterhin klingen immer wieder Charaktereigenschaften an, die man mit Sherlock Holmesverbindet. Diese tauchen aber nur nebenbei auf und werden bei den Kennern ein Schmunzeln verursachen. Für alle anderen gehören sie zu den gelungenen und sehr bildlichen Personen-beschreibungen.
Letztendlich ist außerdem der Plot so rasant, wie man es von einer Holmes-Geschichte erwartet. Mehrfach glaubt man, dass der Nachwuchsdetektiv am Ende sei. Doch dann wendet sich völlig nachvollziehbar das Blatt und die Figuren haben neue Plätze eingenommen.
Fazit: Natürlich vergleicht man den jungen Holmes immer mit seinem erwachsenen Pendant und mit den verschiedenen Schauspielern, die in seine Rolle schlüpfen konnten. Doch wenn man sich einmal davon frei machen kann, liest man einen tollen Jugendroman, der spannend gestaltet ist, zum Mitdenken anregt und eine sprachliche Freude ist.
Taschenbuch
Preis € (D) 8,99 | € (A) 9,30 | SFR 13,50
ISBN: 978-3-596-19300-4


Danke an:

Markus Heitz, Judastöchter

Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte ich keine Vorstellung von Vampiren. Falsch: von echten Vampiren. Bislang habe ich mich immer mit Werwölfen herumgeschlagen und kaum einen Gedanken an Ihre Spezies verschwendet. Ich habe nicht mal richtig an Sie geglaubt.

Normale Vampire gibt es en masse, aber es gibt nur eine rothaarige Vampirin, die außergewöhnliche Kräfte besitzt. Sia ist eine Judastochter und damit die letzte ihrer Art. Ihre Reißzähne sind länger und dicker als bei gewöhnlichen Vampiren. Sie ist schneller, beweglicher und stärker. Zudem kann sie mit einem einzigen Biss töten. Allerdings kann sie kein fließendes Wasser überqueren und wird durch scharfe und spitze Gegenstände an das Eindringen in Häuser gehindert. Ihr Leben oder besser ihre Existenz geht auf einen Fluch zurück, den sie von ihren einzigen Nachfahren, Emma und Elena, fernhalten möchte. Doch in der letzten Zeit wurden sie mehrfach angegriffen und sind nur knapp dem Tod entkommen. Seit dem letzten Vorfall liegt Emma im Koma. Ihre Tochter, die siebenjährige Elena, lebt zunächst bei Sia und hängt häufig dem Gedanken nach sich selbst zu töten, um so zu einer Vampirin zu werden und kämpfen zu können. Als Mutter und Tochter entführt werden, erhält Sia den Auftrag in Irland einige Wesen zu vernichten.

Sollte ihr dies gelingen, werden ihre Nachfahren wieder freigelassen. Sie versucht zunächst noch die beiden in Deutschland zu finden und zu befreien. Dies misslingt jedoch. Zu allem Überfluss trifft sie einen alten Bekannten wieder, der ihr zunächst sehr seltsam erscheint. Nach kurzer Zeit muss sie sich jedoch eingestehen, dass sie ohne ihn den Auftrag nicht erfüllen kann. Zunächst müssen beide nach Irland gelangen und somit eine Vielzahl kleiner und großer fließender Gewässer umgehen. Der Auftraggeber hat daran aber auch gedacht und stellt ein U-Boot zur Verfügung. Ohne Probleme läuft die Überfahrt trotzdem nicht ab. In Irland geraten sie in einen Kampf zwischen verschiedene Kreaturen und müssen sich entscheiden auf wessen Seite sie stehen. Was ist für die Befreiung von Emma und Elena hilfreich?

„Judastöchter“ ist der dritte und vorerst letzte Band in der Reihe „Judaskinder“. Für mich ist es der erste Band, den ich aus der Reihe gelesen habe und auch das erste Buch von Markus Heitz. Bisher hatte ich mich eigentlich nur sporadisch mit dem Thema Fantasie beschäftigt. Daher war für mich auch zunächst die am Anfang stehende Liste, welche die wichtigsten Personen und Gruppen aufführt, etwas erschlagend. Ich habe es schnell aufgegeben mir die Einzelheiten zu merken und habe einfach gelesen. Zunächst hat mich positiv überrascht, dass die Handlung in Leipzig spielt, da solche Geschichten eher an mystischen Orten spielen.
Relativ schnell tauchen neben der Vampirin auch andere Wesen auf, die ich nicht zunächst nicht einordnen konnte. Nach ca. 150 Seiten war ich aber schon tief in die Welt eingetaucht und das Lesen hat mir große Freude bereitet. Die Sprache von Markus Heitz ist sehr verständlich und er wählt die Wörter mit sehr viel Sorgfalt. Trotzdem wirkt die gesamte Konstruktion nicht schwerfällig oder grob. Das Lesen erfolgt sehr flüssig und wenn man einmal verstanden hat welche Eigenschaften zu welchen Wesen gehören, stolpert man auch nicht mehr über einzelne Begriffe.

Betrachtet man die gesamte Geschichte, sind mir jedoch einige Aspekte nicht tief genug beschrieben worden. Was hat es jetzt wirklich mit den Sídhe? Wie sah die Situation in Irland vorher aus und welche konkreten Pläne verfolgen die einzelnen Gruppen?
Die starke Dynamik, die Geschwindigkeit und die Handlungsfülle haben dieses Defizit jedoch wieder einigermaßen ausgeglichen. Zudem ist es auch möglich, dass sich die Fragen erledigen, wenn man alle Bände der Reihe gelesen hat.

 Fazit: Für Vampir- und Fantasiefans, die gut unterhalten werden wollen, kann ich das Buch nur empfehlen. Für Neueinsteiger in das Thema kann es zu Problemen kommen, die vielleicht kleiner werden, wenn man mit dem ersten Band beginnt.

Seiten 608  
Klappenbroschur  Quality Paperback  
EUR (D) 14,99  
ISBN 3-426-65230-7  
ISBN 978-3-426-65230-5 

Link zur Verlagsseite 

Recht herzlichen Dank an lovelybooks, DroemerKnaur und den Autor für dieses Leseexemplar.

Joachim Rangnick, Der Ahnhof

„Ich bin überzeugt, dass es Menschen gibt, die einfach von Grund auf böse sind, und zwar schon von Anfang an. Das ist wie ein Erbgut. Und manchmal wird es in der Familie weitergereicht wie abstehende Ohren oder im geistigen Sinne wie ein Fluch.“

Im Leben des Journalisten Robert Walcher gab es bisher immer wieder böse oder schockierende Erlebnisse. Doch momentan scheint alles gut zu laufen und er genießt das Leben mit seiner Adoptivtochter und einer Haushälterin auf einem Hof im Allgäu. Zudem ist er gerade dabei sich wieder neu zu verlieben und sieht der Zukunft sehr optimistisch entgegen. Mathilde, die schon lange nicht mehr nur die Haushälterin ist, sondern zur Familie dazu gehört, hat in ihrem freundschaftlichen und familiären Umfeld einen gewissen Ruf. Es wird gesagt, dass sie Geister sieht und erkennt, wenn an einem Ort etwas Schreckliches passiert ist. Außerdem kennt sie sich sehr gut mit Kräutern und ihrer Heilwirkung aus. Im Mittelalter wäre sie daher höchstwahrscheinlich als Hexe gebrandmarkt worden. Ihre Base Daniela möchte einen alten Hof in der Nähe kaufen. Sie bittet Mathilde darum sich das Objekt genauer anzuschauen und sozusagen ihren Segen für den Kauf zu geben. Doch als sich Mathilde auf dem Hof umschaut, spürt sie sehr viel Leid und große Gefahren. Sie geht davon aus, dass auf dem Hof schreckliche Dinge passiert sind und rät Daniela und ihrem Verlobten Jakob von dem Kauf ab. Jakob nimmt dies alles nicht ernst und sieht es als Humbug an. Er macht sich sogar noch einen Scherz mit der Angst der beiden Frauen. Mathilde bleibt allerdings bei ihrer Behauptung und versucht die beiden zu überzeugen. Das Paar kauft jedoch kurz darauf den Hof. Wieder auf dem heimischen Hof nutzt Mathilde die Polizeikontakte von Walcher und bittet um Informationen über vermisste Personen aus der Gegend um den Hof. Der Kommissar geht von neuen Recherchen des Journalisten aus und hilft soweit es ihm möglich ist. Damit befinden sich Mathilde und Walcher schon in einem Strudel aus Gewalt, Hass und Gefahr. Sie bohren immer weiter, entdecken viele Vermisste und landen immer wieder bei einer bestimmten Familie. Genau diese Familie hat Daniela und Jakob den Hof verkauft.
Das Buch ist wunderbar geschrieben und lässt sich sehr flüssig lesen. Die Sprache ist sehr gut verständlich. Einzig mit einigen Mundart-Sätzen hatte ich ein wenig zu kämpfen. Sie kommen allerdings nur selten vor und wenn man sie dreimal gelesen hat, versteht man auch ihren Sinn. Sehr gut hat mir der Anhang gefallen, in dem auch auf wichtige Begriffe eingegangen wird. Auch die Dialoge sind sehr fein aufeinander abgestimmt. Sie wirken nicht, wie in vielen anderen Kriminalromanen, konstruiert oder abgehackt. Der Ton ist sehr melodisch und die Gesprächsgegenstände sind sehr realistisch. Die gesamte Geschichte steigert sich wunderbar. Die ersten verübten Taten werden im Rückblick beschrieben und haben zunächst nur einen sehr geringen Bezug zur Gegenwart. Man möchte aber unbedingt weiterlesen um zu erfahren, ob Mathilde und Walcher auf die richtige Spur kommen und was jetzt eigentlich hinter dieser ganzen Sache steckt. Die „Visionen“ von Mathilde treten in sehr gemäßigten Dosen auf und führen keineswegs dazu, dass der Krimi in die Fantasiewelt abrutscht. Der Autor beschreibt sogar im Anhang, dass ein gewisser Aberglaube und die Geisterwelt einfach zum Allgäu gehören.In dem Buch finden sich immer wieder kleine Erwähnungen von anderen Geschichten. Zunächst dachte ich, dass der Autor schon einmal an Fortsetzungen gedacht hat. Nach einer kleinen Recherche habe ich jedoch festgestellt, dass es schon mehrere Geschichten und um den Journalisten Walcher gibt. Sie sind im eigenen Verlag des Autors erschienen. Vielleicht führt der Erfolg von Ahnhof ja dazu, dass auch die anderen Bücher stärker nachgefragt werden. Mich würde es freuen.

Fazit: Ein absolut empfehlenswerter Krimi mit einem ganz kleinen Hauch Mystik.



288 Seiten, € 8,95 [D]

Erscheint: Dezember 2010

Kartoniert
€ 8,95 [D], € 9,20 [A], sFr 14,90
ISBN-10: 3548609929
ISBN-13: 9783548609928

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